Hewlett Packard: Neustart mit zwei Problemkindern

Das Urgestein der Computerindustrie Hewlett Packard erfindet sich neu: Seit 1. November 2015 ist das 76 Jahre alte Computerkonzern gespalten - in HP Inc. und Hewlett Packard Enterprise. Die neue Struktur soll die Wende bringen und sinkende Umsätze und Gewinne endlich stoppen. Heute wurde der allerletzte Abschluss des Alt-Konzerns präsentiert: Trotz Milliardengewinn können die Aktionäre des nun zweigeteilten Konzerns noch lange nicht zufrieden sein.

Hewlett Packard: Neustart mit zwei Problemkindern

Die Idee kocht beim US-Computerkonzern Hewlett Packard (HP )schon seit einigen Jahren. Die Cashcow PC, Server und Drucker bringen es nicht mehr. HP will sich seit gut einem halben Jahrzehnt neu erfinden. Und darüber ist bereits ein CEO gestolpert.

Ex-HP-Vorstandschef Léo Apotheker hatte im Jahr 2011 noch den Kopf gekostet, überhaupt von einer Neustrukturierung zu sprechen. Die Aktionäre samt Familienclan der Hewlett-Packard-Familien hatten gegen Apotheker revoltiert. Das Wundermittel von Apotheker, der zuvor bei SAP geschasst wurde, reichte damals in abgeschwächter Form nicht einmal mehr als Placebo: Der damalige HP-Chef wollte die margenschwachen Geschäftsbereichen wie PC und Drucker zunächst komplett verkaufen. Auf Druck der Aktionäre ist er dann zurückgerudert. Software, Beratung und Firmenlösungen hatte Apotheker auf der Agenda, statt billigen PCs und Drucker, deren hohe Margen ständig gesunken sind, die seinerzeit aber noch immer gut ein Drittel zum Erlös und einen großen Gewinnbeitrag geliefert haben, um defizitäre Dienstleistungssparte zu subventionieren.

Einen derartigen Plan, die Loslösung vom billigen Hardware-Geschäft, hatte der direkte Konkurrent und Computerdinosaurier "Big Blue" IBM bereits vor über zehn fünf Jahren konsequent durchgezogen. Die PC-Sparte wurde bereits 2004 an Lenovo verkauft, 2011 hat IBM die "Kleine"-Serversparte den Chinesen verkauft.

Im vorigen Herbst hat HP die Zerlegung und Neuordnung per 1. November 2015 bereits bekanntgegeben. Der 1936 in Palo Alto in einer der berühmtesten Garagen der USA gegründete HP-Konzern ist Geschichte. Die Aktie wurde aufgeteilt. HPE wurde am 2. November 2015 als eigene Aktie an die New Yorks Stock Exchange gebracht.

Unter zwei Dächern soll nun alles anders werden. Unter HP Inc. HP Inc. (Börsenkürzel: HPQ) werden Computer und Drucker und alles was sich rund um die beiden einstigen Cashcows verkaufen lässt eingeräumt. Unter dem zweiten Dach Hewlett Packard Enterprise Company HPE (Börsenkürzel: HPE)) werden seit Monatsbeginn das zukunftsträchtige Geschäft mit Unternehmen eingeordnet, wo das Geschäft mit Servern, Datenspeichern, Software, Beratung und Dienstleistungen verortet wurde.

Schwierige Scheidung

Apothekers Nachfolgerin Meg Whitman ist zwar auch nicht gerade vom Glück beseelt. Sie liefert seit vier Quartalen rückläufige Umsätze. Und Gewinnsteigerungen hat auch Whitman bisher nicht zusammengebracht. Doch sie dürfte trotz der Aufspaltung von HP sicher im Sattel sitzen. Die nun unter ihrer Ägide dann doch vollzogene und von den Aktionären abgesegnete Aufspaltung - wie sie 2011 einst Apotheker als unvermeidlich bezeichnet hatte - ist vollzogen.

Die bisherige Vorstandschefin und CEO Meg Whitman leitet künftig HPE (Börsenkürzel: HPE), Dion Weisler wurde zum CEO von HP Inc. (Börsenkürzel: HPQ) bestellt. Die Börsenkurse der beiden HP-Companys zeigen ein uneinheitliches Bild. Vor allem hatten sich die Chefs von HP von der Enterprise-Company HPE genau das Gegenteil versprochen. Der Börsenkurs zeigt seit Börsenstart Anfang November 2015 kräftig nach unten.

Die PC- und Druckercompany HP Inc. (HPQ) genießt mehr Vertrauen der Anleger ...

... bei der neuen Dienstleistungs-Company HPE ist fast vier Wochen nach der Börseneinführung das Verhältnis der Anleger zum neuen Unternehmen ein wenig gestört.

Keine Entwarnung

Doch der Neustart ist alles andere als eine Erfolgsgeschichte - trotz über eine Milliarde Gewinn, der aber einmal mehr den Aktionären nicht zur vollen Befriedigung reichen dürfte. HP hat heute Nacht zum letzten Mal vor der Spaltung der Konzerns die Ergebnisse bekannt gegebenen. Das Geschäft ist weiterhin rückläufig. Schon das vierte Quartal in Folge verzeichnet der US-Konzern einen satten Umsatzrückgang. In der allerletzten Quartalsbilanz ist der Umsatz um 9,5 Prozent auf auf 25,71 Milliarden Dollar zurückgegangen. Einzig beim der Nettogewinn konnte auf die Bremse gestiegen werden: Der Nettogewinn in Höhe von 1,32 Milliarden Dollar ist somit 0,5 Prozent geringer unter dem Vorjahreswert.

Vergangenheit sind längst auch zweistellige Zuwächse des vorigen Jahrzehnts. Schon über einstellige Zuwachsraten sind vor allem die Urgesteine schon zufrieden. und ob die Strategie mit zwei Unternehmen künftig aufgehen wird, steht noch immer in den Sternen. Auch das als zukunftsträchtig geltende Geschäft, das nun unter dem Fähnchen HPE am 2. November als Neustarter an die New York Stock Exchange gebracht wurde, hatte im vergangenen Jahrzehnt die großen Erwartungen längst nicht erfüllt.

Während HP mit sich selbst und seiner Struktur beschäftigt war, zogen andere Konzern etwa wie Apple mit neuen Produkten an HP vorbei. IBM hat seine konsequente Neuorientierung schon vor mehr als fünf Jahren vollzogen. Der einst im Tech-Mekka Silicon Valley gegründete Computerkonzern HP hat es außerdem nicht geschafft, Trotz PC-Weltmarktführung den Trend zu Tablet-PC und Smartphone als neues Geschäftsmodell zu erkennen - trotz sämtlicher vorhandener Ressourcen im Unternehmen. Kritiker meinen sogar, HP hatte den Trend schlicht verschlafen. Und das PC- und Tablett-Geschäft dürfte für den längjährigen PC-Weltmarktführer auch unter HP Inc. kaum einfacher werden. Partner und Windows-Lieferant Microsoft hat nämlich angekündigt, selbst unter der eigenen Marke Hardware-Produkte auf den Markt zu bringen, die das Geschäft von HP Inc. bestimmt erschweren werden.

Apotheker ist Geschichte und dürfte im stillen Kämmerlein über die Anstrengungen von HP heute schmunzeln. HP wurde trotz einstiger Revolte der Aktionäre vier Jahre später aufgespalten. Der Ex-CEO wurde mit einem fast zweistelligen Millionenbetrag im Koffer nach nicht einmal elf Monaten im September 2011 rausgeworfen.

Der Zweierweg

Die Anleger der beiden neuen HP-Aktiengesellschaften sehen die Aussichten offenbar mit gemischten Gefühlen: Die Hardware-Branche steht weiterhin schwer unter Druck. Der Kurs der neuen PC- und Druckercompany HP Inc hatte zwar noch um 2,88 Prozent am Dienstag zugelegt. Nachbörslich hatten die Papiere über sieben Prozent verloren. Weit optimistischer zeigen sich Anleger der HP-Enterprise, wenn auch die Aktie um 1,16 Prozent schwächer geschlossen hatte: Die Aktie konnte nachbörslich um 2,1 Prozent zulegen.

In Österreich wurde die Aufspaltung bereits im Frühjahr vollzogen. Die beiden HP-Töchter berichten nun an ihre HP-Schwestern, die im Niedrigsteuerland Niederlande ihren Sitz haben. Inwieweit HP in Österreich durch diesen Schnitt eine kräftige Steuervermeidung erzielt und somit die Steuerlast verschiebt und hierzulande Unternehmenssteuern senkt, wollte HP Österreich trotz mehrfacher Anfrage nicht beantworten.

Rund 300.000 Mitarbeiter stehen weltweit auf der Payroll von HP (alt). In Österreich sind es laut Firmenbuch per Jahresende 2014 700 Mitarbeiter. Im Jahr 2010 waren noch 857 Beschäftigte.

ZUR PERSON: Martin Butollo ist seit 2013 Country-CEO der Commerzbank in Österreich. Nach seinem Studium an der Wiener Wirtschaftsuniversität und der Pariser HEC trat Butollo bei PricewaterhouseCoopers ein und wechselte dann nach Frankfurt, wo er bei der Dresdner Bank und der Commerzbank Bankerfahrung sammelte.
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