Heuschrecke fordert Rückzug der Politik bei VW

Heuschrecke fordert Rückzug der Politik bei VW

Ein Investor meint bei VW ankratzen zu müssen. Die Vertreter der Politik im Aufsichtsrat würden die Wettbewerbsfähigkeit einbremsen.

Der britische Hedgefonds TCI unterstellt den Politikern des Landes Niedersachsen Vorschläge des VW-Management zu blockieren. Die Politiker hätten demnach alleine den Blick auf die Arbeitsplätze gerichtet, was zu kurz greife. VW meinte TCI müsse sich im Konkurrenzkampf behaupten können. Ob TCI mit seiner Forderung erfpolgreich sein wird, darf bezweifelt werden.

Wolfsburg. Der britische Hedgefonds - im Jargon auch Heuschrecke genannt - versucht offenbar den Abgasskandal des Volkswagen-Konzerns auszunutzen, um das Land Niedersachsen zum Rückzug beim Autokonzern Volkswagen zu drängen.

Der für aktivistische Kampagnen bekannte Investor TCI hat das Land am Freitag aufgefordert, seine zwei Aufsichtsräte aus dem 20-köpfigen Kontrollgremium abzuziehen. Eine Forderung, die nicht zum ersten Mal aufgemacht wird. Und bisher schlichtweg ignoriert wurde.

Das Wunschkonzert

"Wir möchten, dass sie von ihren Aufsichtsratsposten zurücktreten und es dem neuen Management sofort ermöglichen, Maßnahmen zur Produktivität und Effizienz einzuleiten", sagte TCI-Partner Ben Walker der Nachrichtenagentur Reuters. TCI hatte Aufsichtsrat und Vorstand des von der Abgaskrise schwer gebeutelten Wolfsburger Konzerns vor kurzem bereits in einem Brief zu Reformen aufgefordert. Der Fonds will erreichen, dass Europas größter Autobauer mehr Geld an seine Aktionäre ausschüttet und hatte insbesondere die hohen Arbeitskosten kritisiert.

Weder die Landesregierung noch Volkswagen wollten sich dazu äußern. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD) sitzen in dem Kontrollrat.

Der Wunsch dürfte am Aktionäre, dem Land Niedersachsen, wohl abprallen, wie die Jahrzehnte bevor, als schon mehrere "Heuschrecken" versuchten, das Land Niedersachsen als Aktionäre hinauszudrängen. Angelsächsische Investoren kritisieren seit langem, dass Niedersachsen zusammen mit der bei Volkswagen besonders mächtigen IG Metall die Geschickte des Autobauers bestimmt. Eine Vertretung im Aufsichtsrat steht dem Land aufgrund des VW-Gesetzes zu, das aus den 1960er Jahren stammt.

Die Argumente

TCI (The Children's Investment Fund) kritisierte, die beiden Politiker im Aufsichtsrat blockierten jede Art von Vorschlägen des Managements zur Steigerung von Produktivität und Effizienz von VW, weil sie vor allem die Beschäftigten im Auge hätten. Dies schade der langfristigen Entwicklung von Volkswagen. Arbeitsplätze könnten damit allenfalls kurzfristig gesichert werden, langfristig würden dadurch Stellen gefährdet.

Volkswagen müsse zudem in der Lage sein, im weltweiten Konkurrenzkampf zu bestehen. Derzeit versuche der Wolfsburger Autobauer jedoch, wie "mit beiden Händen auf dem Rücken gefesselt" zu agieren, sagte Walker.

Die gepflegte Ignoranz zu den Heuschrecken

Zusammen stellen die Arbeitnehmer und Niedersachsen zwölf Mitglieder in dem 20-köpfigen Kontrollgremium. Das Land kann zudem als zweitgrößter VW-Eigentümer dank seiner Sonderstellung mit seinem 20-Prozent-Anteil tatsächlich wichtige Entscheidungen blockieren.

Doch jede Landesregierung, egal welcher politischen Couleur, hat die Ambitionen von gewichtigen und weniger gewichtigen Aktionären bisher mit wenig bis kaum Rückmeldung einfach abprallen lassen. Geradezu immun zeigten sich die Ländervertreter auf die Anschuldigungen.

Und das hegen die Niedersachsen mit einer sachlichen Kälte: Die Politiker sind sich seit Jahrzehnten einig, wenn es um den Einsatz für die Arbeitsplätze bei VW geht. In Niedersachsen arbeiten rund 120.000 VW-Beschäftigte, die Wolfsburger unterhalten dort mehrere Werke. Und das soll und wird auch so bleiben, heißt es in politischen Kreisen.

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