Heta: Schuldenschnitt und (fast) alles ist gut

Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath, Vorsitzender des Vorstands der HETA ASSET RESOLUTION AG
Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath, Vorsitzender des Vorstands der HETA ASSET RESOLUTION AG

Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath, Vorsitzender des Vorstands der HETA ASSET RESOLUTION AG

Die Hypo- Abwicklungsbank Heta kommt beim Verkauf ihrer Vermögenswerte voran und hat zum Halbjahr einen Gewinn geschrieben. Der Überschuss der Nachfolgerin der Hypo Alpe Adria lag bei 7,5 Milliarden Euro. Dabei spielte allerdings der von der Finanzmarktaufsicht angeordnete Schuldenschnitt eine wesentliche Rolle

Per Ende Juni wies die Heta kein negatives Eigenkapital mehr aus. Erfolgreich abgeschlossene Verkäufe und Kreditrückzahlungen führten außerdem dazu, dass sich die Liquidität um eine Milliarde Euro auf 5,3 Milliarden Euro erhöhte. Auch im Gesamtjahr soll nach früheren Angaben ein Gewinn zu Buche stehen. 2015 gab es noch einen Verlust von rund einer halben Milliarde Euro.

"Der bisherige Verlauf des Abbaus liegt über unseren Erwartungen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die verbleibenden Assets aufgrund ihrer Komplexität wie auch aufgrund der politischen Unwägbarkeiten in Europa durchaus schwerer zu verwerten sein werden. Dennoch gehen wir davon aus, dass unser Ziel bis Ende 2018 rund 80 Prozent der Vermögenswerte abgebaut zu haben, erreichbar bleibt.", erklärte Heta-Chef Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath. Erfahrungsgemäß kommt man bei einer Abwicklung irgendwann an den Punkt, an dem das Tafelsilber weg ist und nur noch die Restposten zu haben sind. Zu den Vermögenswerten der Heta zählen Immobilien, Grundstücke, Luxusjachten, Autos und Maschinen.

Nicht zuletzt sieht sich die HETA mit vielen Rechtsstreitigkeiten, insbesondere auch in Verbindung mit der Anwendung des BaSAG, konfrontiert, die für die zukünftige Entwicklung der Gesellschaft erhebliche Risiken beinhalten. Die Inhaber vorrangiger Heta-Anleihen - darunter viele Banken und Versicherungen aus Deutschland - können nach einer Grundsatzeinigung auf die Rückzahlung von rund 90 Prozent ihrer Gelder hoffen. Das konkrete Angebot wird in Kürze erwartet.

HETA-Halbjahresergebnis im Detail

Der Vorstand der HETA ASSET RESOLUTION AG (HETA) hat die Halbjahresergebnisse nach UGB/BWG und den Halbjahresfinanzbericht auf Basis des Konzernzwischenabschlusses nach IFRS zum 30. Juni 2016 vorgelegt. Das Ergebnis des 1. Halbjahres sowie die Struktur der Passivseite sind maßgeblich durch die Effekte aus der Anwendung des Mandatsbescheides II der FMA vom 10. April 2016 beeinflusst.

Einzelabschluss nach UGB/BWG

Die HETA unterliegt seit dem 1. März 2015 einem von der Österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) erlassenen Zahlungsmoratorium für „berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten“ gemäß BaSAG (Mandatsbescheid I). Mit dem am 10. April 2016 ergangenen weiteren Mandatsbescheid (Mandatsbescheid II) hat die FMA zahlreiche Abwicklungsmaßnahmen nach BaSAG angewendet.

Im Zuge der Umsetzung der Effekte aus dem Mandatsbescheid II weist die HETA per 30.06.2016 einen Periodenüberschuss nach Steuern iHv EUR +7.479 Mio. aus. Dabei schlug sich der Mandatsbescheid II sich mit EUR +7.153 Mio. nieder. Dieses außerordentliche Ergebnis resultiert mit EUR +9.446 Mio. aus der Herabsetzung von „berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten“ (Schuldenschnitt auf 46,02 % bzw. 0 %) und mit EUR -2.293 Mio. aus der Bildung von Rückstellungen, welche im Zusammenhang mit dem Mandatsbescheid II zu bilden waren. Die Ausbuchung des „Kernkapitals“ (Herabsetzung auf 0 %) wird mit EUR +3.494 Mio. in der Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Periodenüberschuss unter dem Sonderposten Kapitalherabsetzung gemäß BaSAG ausgewiesen. Insgesamt ergibt sich daher aus der Herabsetzung von Verbindlichkeiten und des Eigenkapitals ein in der Gewinn- und Verlustrechnung des 1. Halbjahres 2016 berücksichtigter Effekt von EUR +10.646 Mio.

Das operative Ergebnis (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit/EGT) des 1. Halbjahres war deutlich positiv und lag bei EUR +330 Mio. (1-12/2015: EUR +175 Mio.). Neben deutlich niedrigeren Personal- und Sachaufwendungen war diese Reduktion auch auf geringere Zinsaufwendungen im Zusammenhang mit dem Mandatsbescheid II zurück zu führen, nachdem dieser für „berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten“ die laufende Verzinsung ab 10. April 2016 auf 0 % herabsetzte.

Bedingt durch den kontinuierlichen Rückgang an zinstragenden Ausleihungen bzw. Krediten, der Negativverzinsung des Liquiditätsbestandes und den bis 9. April 2016 zu erfassenden Zinsaufwendungen für „berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten“ war das Nettozinsergebnis mit EUR -80 Mio. (1-12/2015: EUR -152 Mio.) negativ. Das Provisionsergebnis betrug in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres EUR -15 Mio. (1-12/2015: EUR -91 Mio.) und war ebenfalls von Effekten aus dem Mandatsbescheid II betroffen. Die Personalaufwendungen betrugen EUR -19 Mio. (1-12/2015: EUR -41 Mio.), die Verwaltungsaufwendungen (Sachaufwand) lagen bei EUR -22 Mio. (1-12/2015: EUR -85 Mio.). In Summe ergab sich ein negatives Betriebsergebnis von EUR -78 Mio. (1-12/2015: EUR -287 Mio.). Der Saldo aus der Bewertung des Umlauf- und Anlagevermögens von EUR +408 Mio. (1-12/2015: EUR +462 Mio.) resultierte im Wesentlichen aus realisierten Gewinnen, aus der Beendigung von Derivativpositionen sowie aus Auflösungen von Wertberichtigungen und zuvor gebildeter Gewährleistungsvorsorgen aus Verkaufsverträgen.

Nach Berücksichtigung der Ertragssteuern und sonstigen Steuern von EUR -4 Mio. (1-12/2015: EUR -11 Mio.), ergab sich ein Periodenüberschuss für das erste Halbjahr 2016 von EUR +7.479 Mio. (1-12/2015: EUR -492 Mio.).

Ausgeglichenes Eigenkapital nach Mandatsbescheid II

Die Bilanzsituation war ebenfalls dominiert von den Effekten des Mandatsbescheides II Passivseitig reduzierten sich die Verbindlichkeiten und Rückstellungen im 1. Halbjahr 2016 von EUR 17.035 Mio. (31.12.2015) um EUR 7.880 Mio. auf EUR 9.154 Mio. Im Zuge der Umsetzung der Effekte aus dem Mandatsbescheid II wird im Halbjahresabschluss der HETA zum 30. Juni 2016 ein positiver Betrag ausgewiesen, welcher sich über den Abwicklungszeitraum in Abhängigkeit vom zukünftigen Abwicklungserfolg der Gesellschaft maßgeblich verändern kann. Dieser Betrag wird in der Bilanz passivseitig wie vorne dargestellt als Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten i.Z.m. Abwicklungsverfahren ausgewiesen. Darüber hinaus mussten für zukünftig noch erwartete Zahlungen an Dritte unter Anwendung der im Bescheid jeweils genannten Quote von 46,02 % durch Bildung einer Rückstellung Vorsorge getroffen werden. Zum 30. Juni 2016 weist die HETA mit EUR 0 kein negatives Eigenkapital mehr aus (31.12.2015: EUR -7.479 Mio.).

Auf der Aktivseite stieg durch den Verwertungsprozess die Cash-Position: Bedingt durch Tilgungen im Kreditportfolio, Einzelverkäufen sowie aufgrund des erfolgreichen Abschlusses des Centrice-Verkaufs (Performing Real Estate-Portfolio), erhöhte sich der Liquiditätsbestand, welcher bei Zentralnotenbanken gehalten wird, im 1. Halbjahr 2016 um EUR 1.053 Mio. auf EUR 5.327 Mio. (31.12.2015:
EUR 4.273 Mio.). Die übrigen Vermögenswerte entfallen mit EUR 1.946 Mio. (31.12.2015: EUR 2.504 Mio.) auf Forderungen an Konzerntochtergesellschaften und an Drittkunden, auf Forderungen an Kreditinstitute iHv EUR 1.430 Mio. (31.12.2015: EUR 2.054 Mio.), festverzinsliche Wertpapiere sowie Aktien iHv EUR 211 Mio. (31.12.2015: EUR 375 Mio.), Beteiligungen bzw. Anteile an verbundenen Unternehmen iHv EUR 69 Mio. (31.12.2015: EUR 85 Mio.) sowie auf sonstige Aktiva iHv EUR 170 Mio. (31.12.2015: EUR 262 Mio.). Die Bilanzsumme insgesamt reduzierte sich in den ersten sechs Monaten um EUR 402 Mio. auf EUR 9.154 Mio. (31.12.2015: EUR 9.556 Mio.). Der Großteil dieser Reduktion resultierte aus der Tilgung von Deckungsstock-Verbindlichkeiten, welche als „nicht berücksichtigungs-fähige Verbindlichkeiten“ iSd Mandatsbescheides II zu behandeln waren.

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