Hypo-Pleite: Heta wird zum Problem für ganz Europa

Hypo-Pleite: Heta wird zum Problem für ganz Europa
Hypo-Pleite: Heta wird zum Problem für ganz Europa

Wegen der Kärntner Heta, vormals Hypo Alpe Adria: Alarm an Europas Finanzmarkt.

Österreichs Entscheidung, die Gläubiger an der Hypo-Alpe-Adria-Pleite - nunmehr Heta - mitzahlen zu lassen, schreckt Investoren in ganz Europa auf. Nun sind auch Anleihen anderer Länder in Europa mit einem Volumen von 1,3 Billionen Euro auf dem Prüfstand. Die rechtliche Situation der Defacto-Insolvenz Heta mit der Verlustübernahme durch die Gläubiger ist unklar.

Österreichs Entscheidung, die Gläubiger der zusammengebrochenen Kärntner Hypo Alpe Adria, nun Heta, mitzahlen zu lassen, schlägt Wellen in ganz Europa. Der Finanzmarkt in Europa betrachtete die mit Sorge betrachtet. Österreich ist das erste EU-Land, das ein Institut nach der neuen Bankenabwicklungsrichtlinie BRRD abwickelt. Laut Bloomberg müssen nun in Europa Anleihen von knapp 1,3 Billionen Euro mit Gefahrenwarnungen versehen werden.

"Wie Österreich Kärnten fallen lässt, ist ein außergewöhnlicher Schritt. Wir müssen uns anschauen, wie das genau über die Bühne gebracht wird. Aus rechtlicher Sicht betreten wir hier Neuland", wird Anleihenanalyst Otto Dichtl vom Finzanzhaus Stifel Nicolaus Europe von der Finanznachrichtenagentur zitiert.

Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hatte die Defacto-Insolvenz sich ausgedacht, mit der HETA, vormals Hypo Alpe Adria abgewickelt werden soll. Derzeit steht Heta unter Kuratel der Finanzmarktaufsicht. Bis 31. Mai kommenden Jahres darf sie keine Schulden zurückbezahlen. Neben diversen Anlegern wie Banken und Versicherungen sind auch die anderen Hypos und über sie die Länder von diesem Zahlungsausfall betroffen. Auch in Österreich zittern die Länder, wie das FORMAT exklusiv berichtet hat. Seitens der Hypos regt sich auch der Widerstand gegen Schellings verfügte Heta-Insolvenz.

Schelling verteidigte am Mittwoch (18.3.2015) in einer "Heta-Sondersitzung" im Parlament in Wien einmal mehr seine Entscheidung. Er räumte "natürlich" ein Risiko ein: "Es gibt ein Restrisiko."

Gläubiger vorrangiger Anleihen der Hypo-Abbaueinheit Heta müssten mit Verlusten von mehr als 40 Prozent rechnen. Es geht um Bonds in Höhe von 10,2 Mrd. Euro, für die das Land Kärnten Ausfallsbürgschaften übernommen hat. Werden die Garantien fällig, steht das Bundesland vor der Insolvenz; die jährlichen Einnahmen Kärntens belaufen sich auf weniger als 2,4 Mrd. Euro, so die Erinnerung.

Die Liste der Gläubiger wird länger

Die Liste alleine deutscher Banken, die Forderungen an die Heta hat, wird täglich länger. Das Ausmaß der Ansprüche deutscher Finanzinstitute liege bei 5,5 Milliarden Euro, sagte der deutsche Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Mittwoch laut Nachrichtenagentur Dow Jones bei einer Finanztagung in Frankfurt. Erst am heutigen Mittwoch hat sich die Commerzbank als Großgläubiger geoutet. Das Institut besitzt von Kärnten garantierte Wertpapiere der Abwicklungsanstalt Heta im Wert von rund 400 Mio. Euro. Die Frankfurter Bank will gegen das Schuldenmoratorium Österreichs vorgehen und klagen.

Die NordLB hat Forderungen an die Heta in Höhe von 380 Mio. Euro. Auch sie behält sich für den Fall einer Zahlungsverweigerung rechtliche Schritte vor.

Das Thema Staatsgarantien betrifft auch andere Länder. Im Jahr 2013, als dank neuer Regeln des Europäischen Rats erstmals Daten veröffentlicht wurden, haben sich diese in Europa auf 1,28 Billionen Euro belaufen.

=> Lesen Sie hier: Wem die Heta - vormals Hypo Alpe Adria - Geld schuldet

Österreich hat dem Bericht zufolge innerhalb der EU gemessen am BIP mit 113 Mrd. Euro die höchsten Ausfallsbürgschaften übernommen, das entspricht 35 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung. Deutschland steht für 512 Mrd. Euro oder 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gerade, gefolgt von Spanien (193 Mrd. Euro) und Frankreich (117 Mrd. Euro). Irlands Ausfallsbürgschaften summieren sich auf 32 Prozent seiner Wirtschaftsleistung, dies wegen des Zusammenbruchs seines Bankensektors.

Ein Schneeballeffekt

"Es schaut nicht so aus, als ob die Österreicher hier einen Rückzieher machen. Wer könnten die nächsten sein - die Griechen?", fragt der Frankfurter Rechtsexperte Roger Kiem. Selbst die Spanier kommen seiner Ansicht nach infrage, wenn man sich die Verbindlichkeiten ihrer Vehikel für die Abwicklung von Banken-Assets ansehe. Aus Sicht von Moody's-Analystin Carola Schuler könnte die Heta-Thematik Investoren bei künftigen Entscheidungen den Wert von Staatsgarantien betreffend beeinflussen. Die Gläubiger stünden vor einer rechtlich unklaren Situation, das werde wohl noch eine Zeit so bleiben.

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