Herr Gasselsberger - Warum zwingt Trump Sie in die Knie?

Oberbank CEO Franz Gasselsberger

Oberbank CEO Franz Gasselsberger

Franz Gasselsberger, Generaldirektor der Oberbank, beendet seine Iran-Offensive, bevor sie richtig begonnen hat.

trend: Die Oberbank zieht sich wegen des Ausstiegs der USA aus dem Atomabkommen schon wieder aus dem Iran zurück. Dabei haben Sie als erste österreichische Bank im September noch stolz ein Rahmenabkommen mit iranischen Behörden und Banken unterzeichnet. Eine Fehleinschätzung?
Franz Gasselsberger: Die Situation ist nun wieder wie vor dem Atomabkommen, und das ist in erster Linie schade für unsere Exportwirtschaft. Alte Projekte werden noch bis 4. November abgewickelt, danach werden iranische Banken von den internationalen Zahlungswegen ausgeschlossen.

Bisher haben Sie den Vorsprung der Oberbank im Iran-Geschäft damit begründet, dass Sie so gut wie kein US-Geschäft haben. Warum kann Donald Trump Sie dennoch in die Knie zwingen?
Gasselsberger: Auch wenn intensive Bemühungen auf europäischer Ebene laufen, sind auch wir von Sekundärsanktionen gegen europäische Unternehmen bedroht. Trump hat Fakten geschaffen.

Ist Ihr Rahmenabkommen damit tot oder bei Bedarf reaktivierbar?
Gasselsberger: Es ist ruhend gestellt. Ich gehe davon aus, dass es reaktivierbar ist. In eingeschränktem Umfang gibt es ja weiterhin die Möglichkeit zum Austausch mit dem Iran, etwa im Nahrungsmittelbereich und bei humanitären Gütern. Das werden wir weiterhin machen. Aber es gibt bis auf diese definierte Ausnahmen keine Schlupflöcher. Ob wir die bestehenden Beziehungen zu iranischen Korrespondenzbanken aufrecht erhalten werden, das überprüfen wir.

Sie haben viel Zeit und Ressourcen in den Aufbau des Iran-Geschäfts nach der Unterzeichnung des Atomabkommens im Jänner 2015 gesteckt. Wie groß ist der Schaden für Ihre Bank?
Gasselsberger: Es stimmt, wir haben viel investiert, aber wir haben nichts verloren. Das einzige, was wir zu beklagen haben, ist der entgangene Gewinn.

Werden Sie sich nun Ersatzländer suchen?
Gasselsberger: n den letzten Jahren ist das Geschäft mit China extrem gut gelaufen, auch mit Indien und Südkorea läuft es gut. Asien wird also sowohl auf der Import-als auch auf der Exportseite einen größeren Stellenwert haben. Das hat das noch nicht angesprungene Irangeschäft mehr als überkompensiert.


Das Interview ist im trend 25/2018 am 22. Juni 2018 erschienen

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