Henkel und das Buch der Rekorde: Neuer Chef im Glück

Henkel CEO Hans Van Bylen
Henkel CEO Hans Van Bylen

Henkel CEO Hans Van Bylen

Seit Mai 2016 ist Hans Van Bylen Vorstandschef des Henkel-Konzerns. Mit seiner ersten Halbjahresbilanz kann sich der gebürtige Belgier im Rekordbuch des Unternehmens eintragen. Im November will er einige strategische Neuausrichtungen bekanntgeben.

Hans Van Bylen kennt den Henkel-Konzern in- und auswendig. 1984 begann er seine Karriere im Konzern als Produktmanager für Waschmittel. Drei Jahre darauf wurde er Marketing Manager, zunächst für Waschmittel, dann für Kosmetika, 1995 Vizepräsident des Unternehmens. Kontinuierlich arbeitete er sich im Konzern durch dessen verschiedene Business-Units hoch, ehe er im Mai 2016 schließlich zum neuen CEO bestellt wurde.

Die lebenslange Bilderbuchkarriere des 55-jährigen, mit allen Waschmitteln gewaschenen Managers kann nun um ein weiteren Erfolgspunkt ergänzt werden. Bei der Präsentation der ersten Halbjahresbilanz unter seiner Führung konnte er Rekordgewinne für das zweite Quartal bekanntgeben und die Gewinnprognose für das Gesamtjahr anheben. Die Aktien (ISIN DE0006048432) des mit Marken wie Persil, Pril, Weißer Riese, Somat, Schwarzkopf, Fa, Loctite, Pattex oder Ponal weltweit präsenten Unternehmens stiegen darauf auf ein Rekordhoch von 118,40 Euro.

Kursverlauf der Henkel-Aktie (DE0006048432); 5-Jahres-Entwicklung; Stand vom 11.8.2016: 118,40 €

Kursverlauf der Henkel-Aktie (DE0006048432); 5-Jahres-Entwicklung; Stand vom 11.8.2016: 118,40 €

" Wir haben ein gutes organisches Umsatzwachstum erzielt, getragen von einer starken Entwicklung in den Wachstumsregionen und einer positiven Entwicklung in den reifen Märkten" kommentierte ein zufriedener Van Bylen das Ergebnis. Alle drei Unternehmensbereiche, Laundry & Home Care, Beauty Care und Adhesive Technologies, hätten zu der Entwicklung beigetragen. Bedanken darf sich Van Bylen dafür allerdings bei seinem Vorgänger Kasper Rorsted, der Henkel über Jahre auf Profit getrimmt hatte und nun zu Adidas wechselt.

Gänzlich ungetrübt ist das Bild zudem nicht, denn Wechselkurseffekte belasten die Umsätze Henkels. Der Umsatzanteil der Wachstumsmärkte wird daher 2016 sinken. Im November will Van Bylen neue strategische Prioritäten für die Zukunft bekanntgeben.

Henkel, Kennzahlen Halbjahr 2016

Henkel, Kennzahlen Halbjahr 2016

Aktuell ist Van Bylen erst einmal beim Gewinn optimistischer: "Für die bereinigte Ebit-Marge rechnen wir nun mit einer Steigerung auf über 16,5 Prozent", sagte er. Zuvor war der Konzern von etwa 16,5 Prozent ausgegangen. Henkel verdiente im Quartal auch mehr als von Analysten erwartet. Die Anhebung der bereinigten Ebit-Marge sei ein gutes Signal, erklärten die Analysten von Baader Helvea. Der Umsatz sank dagegen um 0,9 Prozent auf 4,65 Milliarden Euro, wie der Hersteller von Pritt und Persil einräumte. Auch Konkurrent Beiersdorf hatte ein Minus ausgewiesen.

Rund 250 Millionen Euro hätten Henkel ungünstige Wechselkurseffekte gekostet, darunter auch aus Währungen wie Rubel, Yuan oder mexikanischer Peso, sagte Finanzchef Carsten Knobel. Bereinigt darum und um Zukäufe stand bei Henkel ein Umsatz-Plus von 3,2 Prozent in den Büchern. Der bereinigte operative Ertrag (Ebit) stieg um 6,6 Prozent auf 819 Millionen Euro, die bereinigte Umsatzrendite auf 17,6 Prozent. Analysten hatten ein bereinigtes Ebit von 786 Millionen Euro erwartet.

Glänzende Mega-Perls

Van Bylen stärkt nun erst einmal die Waschmittelsparte. Henkel hatte im Juni den Kauf des US-Herstellers Sun Products angekündigt, eine rund 3,6 Milliarden Dollar schwere Übernahme. Mit dem Zukauf wird Henkel zur Nummer zwei auf dem nordamerikanischen Waschmittel-Markt, wo der Konzern nun auch die Marke Persil eingeführt hat, die sich gut entwickelt.

Mit dem Zukauf verschieben sich auch die Gewichte innerhalb der Henkel-Sparten. Machten Waschmittel in der Vergangenheit knapp 30 Prozent der Umsätze aus, dürften es nach der Akquisition rund 33 Prozent sein. Henkel vermindert damit seine Abhängigkeit vom konjunkturabhängigen Klebstoff-Geschäft, das rund die Hälfte der Erlöse bringt. Im zweiten Quartal wies die Klebstoff-Sparte einen Umsatzrückgang aus. In Asien sank der Umsatz vor allem wegen des abgeschwächten Wirtschaftswachstums in China und des Yuan-Kurses. Dabei arbeitete Henkel auch im Klebstoff-Geschäft deutlich profitabler - die Ebit-Marge kletterte hier auf einen Höchststand von 18,6 Prozent.

Die negativen Währungseffekte wird Van Bylen indes nicht so schnell loswerden: "Die ungünstigen Wechselkursentwicklungen werden uns auch künftig begleiten", prognostizierte er.

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