Heizkosten-Vergleich: Thermische Sanierung spart am meisten

Der Kostenvergleich von Heizanlagen der Österreichischen Energieagentur zeigt, dass Gasheizungen und Stückholzheizanlagen für charakteristische Einfamilienhäuser die günstigsten Lösungen sind. Weit mehr sparen lässt sich jedoch durch eine thermische Gebäudesanierung.

Heizkosten-Vergleich: Thermische Sanierung spart am meisten

Wohlig warm und günstig durch den Winter: Die Oesterreichische Energieagentur hat die Vollkosten verschiedener Heizanlagen verglichen und kommt dabei - wieder einmal zu dem Resultat, dass für ein charakteristisches Einfamilienhaus mit 118 Quadratmetern Nutzfläche eine Gasheizung am günstigsten ist. In der Vollkostenrechnung wurden neben den Kosten für Energieträger auch die Investitions-, Instandhaltungs- und Wartungkosten berücksichtigt.

Sowohl im Neubau und im sanierten Haus sind demnach Erdgas-Anlagen am günstigsten, in unsanierten Einfamilienhäusern sind Stückholzanlagen die preiswerteste Alternative. Erdgas-Brennwert-Systeme können dabei vor allem mit ihren geringen Investitionskosten und dem relativ hohen Systemnutzungsgrad punkten. Im unsanierten Gebäude ist Scheitholz aufgrund der niedrigen Energiekosten am günstigsten.

Am teuersten sind wegen ihrer hohen Investitionskosten im Neubau und im thermisch sanierten Haus Pelletsheizungen und im unsanierten Gebäude Erdsonde-Wärmepumpen, für die aufwändige Tiefenbohrungen notwendig sind. Fernwärme hat durchgehend die höchsten Energiekosten.

Sanieren spart bis zu 60 % der Kosten

In jedem Fall zeigt sich aber: Am meisten Geld sparen lässt sich durch eine thermische Sanierung eines Einfamilienhauses. Die Heizkosten sinken dadurch um durchschnittlich 60 Prozent. Hinzu kommen die positiven Effekte auf die Umwelt durch den deutlich geringeren Verbrauch und folglich geringeren Treibhausgasemissionen.

Bei einer thermischen Sanierung ist besonders auf die Dämmung der die obersten Geschoßdecke und des Daches zu achten, da darüber die meiste Wärme verloren geht. Auch über die Fassade sowie Fenster- und Türöffnungen geht viel Wärme verloren. Schwachstellen eines Hauses können am besten von Experten unter Zuhilfenahme einer Wärmebildkamera eruiert werden.

Wärmebildkameras zeigen, an welchen Stellen die meiste Wärme aus Gebäuden entweicht.

Raus aus dem Öl: Noch 43,6 Fördermillionen verfügbar

Wird die "Raus-aus-Öl"-Förderung des Bundes miteinbezogen, ändert sich das Ranking und fossile Energieträger (Öl, Gas) schieben sich nach hinten. Im thermisch sanierten Gebäude bleibt Gas zwar am billigsten, die Luft-Wärmepumpe löst aber die Fernwärme auf Platz zwei ab. Im thermisch unsanierten Gebäude ist Scheitholz weiterhin am günstigsten, die Luft-Wärmepumpe und Pellets ziehen aber an der Gasheizung vorbei.

Die Mittel für die Raus-aus-Öl-Förderaktion des Bundes sind übrigens für 2020 noch nicht ausgeschöpft. Für heuer sind für den Kesseltausch und die Förderungsaktion "Raus aus Öl" für Betriebe und Private 100 Millionen Euro reserviert. Es stehen noch 56,4 Millionen Euro an Förderungsmitteln zur Verfügung. Mit ein Grund dafür dürfte der aktuell niedrige Ölpreis sein. Heizöl sei aktuell um rund ein Viertel billiger, so Energieagentur-Geschäftsführer Peter Traupmann. Die anderen Energieträger hätten sich in etwa parallel zum Verbraucherpreis entwickelt.

Ölheizungen sollen verschwinden

Im Neubau ist der Einbau von Ölheizungen bereits nicht mehr erlaubt, in den nächsten Jahren müssen auch Altanlagen Zug um Zug ausgetauscht werden. Das Ziel der Regierung ist, die derzeit mehr als 600.000 Ölkessel bis 2035 durch eine Wärmeversorgung auf erneuerbarer Basis zu ersetzen. Ab 2025 sollen im Neubau auch keine Gaskessel mehr zugelassen werden.

Die Treibhausgasemissionen sinken bei thermisch sanierten Gebäuden laut Energieagentur um durchschnittlich 63 Prozent. Die höchsten CO2-Reduktionen lassen sich durch Holz- und Pelletsheizungen erzielen. Öl- und Gas-Brennwert-Systeme haben hingegen die höchsten CO2-Werte.

Für Private wird der Tausch einer Ölheizung im Rahmen der Raus-aus-Öl-Förderaktion mit bis zu 5.000 Euro unterstützt. Auch Landesförderungen sind möglich, sodass man auf insgesamt bis zu 10.000 Euro kommen könnte, so Traupmann.

Allein der Ölkesseltausch bedeute ein Investitionsvolumen von insgesamt rund zehn Milliarden Euro. Das sei Geld, das unmittelbar in der Wirtschaft aufschlage und von dem regionale Unternehmen profitierten. Mit Heizungstausch sowie thermischen Sanierungen werde auch die Konjunktur belebt. Bei der thermischen Sanierung könne man von einer "Triple-Win"-Situation sprechen: Die Bewohner profitierten von niedrigeren Energiekosten, durch eine Erneuerung steige der Wert des Gebäudes und es würden sofort Jobs geschaffen, etwa beim Installateur oder Gebäudesanierer.


Kostenvergleich

Heizsysteme und ihre tatsächlichen Kosten (Energieträger, Installation, Instandhaltung, Wartung)

In Österreich gibt es rund 3,9 Millionen Heizungen. Der größte Teil davon entfiel 2017/18 laut Statistik-Austria-Daten auf Fernwärme (rund 29 Prozent). Dahinter folgten Gasheizungen (23,5 Prozent), Biomasse (rund 19 Prozent), Öl und Flüssiggas (rund 16 Prozent) sowie Solar und Wärmepumpen (rund 8 Prozent). Einen steigenden Trend verzeichneten in den vergangenen Jahren vor allem Wärmepumpen.

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Agatha Kalandra ist seit 2016 Partnerin und Leiterin des Management-Consulting-Teams von PwC Österreich und Member of the Management Board. Sie verfügt über einen MBA in Controlling und Finance und mehr als 25 Jahre Berufserfahrung. Ihr Fokus liegt auf Finance-Transformation, HR-Transformation und Sustainability.

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