„Hausverstand und Innovation schließen einander nicht aus“

Johannes Kirchmair und Thomas Wurm von Single Use Support aus Kufstein wurden beim Wettbewerb Entrepreneur Of The Year in der Kategorie „Innovation & Hightech | Rising Stars“ ausgezeichnet und vertreten Österreich beim EY WORLD ENTREPRENEUR OF THE YEAR AWARD 2022 in Monaco.

Johannes Kirchmair (l.) und Thomas Wurm von Single Use Support haben mit neuen Produkten die Logistik von Medikamenten revolutioniert.

Johannes Kirchmair (l.) und Thomas Wurm von Single Use Support haben mit neuen Produkten die Logistik von Medikamenten revolutioniert.

TREND: Der EY Entrepreneur Of The Year ist ein weltweiter Wettbewerb für unternehmerische Exzellenz. Wie hoch ist der Stellenwert von Entrepreneurship in Österreich?

Johannes Kirchmair, Gründer und Geschäftsführer Single Use Support: Ich gehöre nicht zu jenen, die sich über Kapitalmangel für Gründer beschweren: Es muss nicht jeder ein Biotech-Start-up gründen, auch Landwirte und Hoteliers sind für die Wirtschaft genauso wichtig. Die Rahmenbedingungen für jene, die in riskantere Bereiche gehen, sind zwar schwieriger, aber das Ökosystem für Gründer ist in Österreich generell sehr gut. Es gibt viele kluge Leute, die helfen – aber auch Institutionen und Förderungen. Wer mit einer guten Idee den Start ins Unternehmertum wagt, wird nicht allein gelassen.

Klaus Haberfehlner, Partner Strategy and Transactions, EY-Parthenon: Es gibt viele Unternehmerinnen und Unternehmer in Österreich, die Mut und Tatkraft beweisen – diesen wollen wir mit dem EY Entrepreneur Of The Year eine Bühne bieten.

Single Use Support hat den Transportprozess von biopharmazeutischen Wirkstoffen revolutioniert und ist stark gewachsen. Wie geht es jetzt weiter?

Kirchmair: Wir sind exponentiell gewachsen und hatten nach drei Millionen Euro Umsatz 2019 im Vorjahr bereits mehr als das Dreißigfache. Wir sind weiter auf Wachstumskurs, müssen aber auch den Schub der vergangenen Jahre verdauen: 2022 ist für uns wie die gesamte Biotech-Industrie ein Jahr der Konsolidierung.

Haberfehlner: Die hohe Kunst des Unternehmertums ist, nachhaltig profitabel zu wachsen. Dass hier die Verdreißigfachung des Umsatzes mit der Profitabilität Hand in Hand geht, ist eine klare Bestätigung für das Geschäftsmodell.


Die hohe Kunst des Unternehmertums ist, nachhaltig profitabel zu wachsen.

Klaus Haberfehlner, EY-Parthenon


Lieferketten, Inflation, Pandemie …wie gehen Sie mit diesen Themen um?

Kirchmair: Mit Zukunftsthemen wie Work-Life-Balance und Homeoffice müssen wir uns nicht aktiv beschäftigen: Die kommen sowieso. Wir gehen mit dem Flow und stellen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alle Optionen zur Verfügung. Was die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen betrifft, bin ich überzeugt: Hausverstand und Innovation schließen einander nicht aus. Wir haben viel „Tiroler Urgestein“ in uns, und das wirkt sich auch auf unsere Geschäftsentscheidungen aus. So hatten wir ­bereits Rohmaterial für Monate auf Lager, während andere noch auf Just-in-Time-Lieferung gesetzt haben.

Wie können Unternehmen resilienter werden? Was lässt sich von den besten Entrepreneuren lernen?

Haberfehlner: Erfolg ist keine Folge von Zufall, und operative Exzellenz wird nicht über Quartale, sondern über Jahre gemessen. Derzeit ist vieles im Wandel, und fast alle Strategien, die über die vergangenen zehn Jahre immer funktioniert haben, sind neu zu bewerten: Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind mehr als nur Buzzwords, auch leben wir heute in einer hoch zyklischen Welt, in der Amplitude und Frequenz von Konjunkturwellen zunehmen. Die Praxis zeigt: Jene Unternehmen sind resilienter, die auf der Managementebene agil mit Schwankungen umgehen können und sich bei Bedarf rasch neu positionieren.

Wettbewerb

EY Entrepreneur Of The Year würdigt herausragende unternehmerische Leistungen. Ausgezeichnet werden Unternehmerinnen und Unternehmer mit Eigeninitiative, Weitsicht und Innovationsfreude.
Weitere Infos zur Bewerbung: www.eoy.at


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