Handelsverband: "Hunderttausende Jobs stehen auf der Kippe"

Der Handelsverband warnt vor dem möglichen Verlust vieler Arbeitsplätze und ruft nach einem Ende der Lockdowns in Wien und Niederösterreich. Bundeskanzler Kurz stellt eine Öffnung gemeinsam mit der Gastronomie und Hotellerie Mitte Mai in Aussicht.

Lockdown in Wien: statt regem Treiben leere Straßen, Hotels, Lokale und Geschäfte. Im Mai soll alles anders werden.

Lockdown in Wien: statt regem Treiben leere Straßen, Hotels, Lokale und Geschäfte. Im Mai soll alles anders werden.

Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch warnt davor, dass als Folge der Corona-Krise und der monatelangen Lockdowns in der schwer gezeichneten Branche "Hunderttausende Jobs auf der Kippe" stehen. Ende März waren knapp 64.000 Menschen auf Jobsuche, die zuvor im Handel gearbeitet hatten. In Summe sind im österreichischen Handelssektor rund 600.000 Personen beschäftigt.

Mayer-Heinisch appelliert daher an die Politik, die Wirtschaftshilfen noch schneller und unbürokratischer auszuzahlen. Bald seien wegen des Urlaubsgeldes wieder doppelte Gehälter fällig. Vor allem die von der Coronakrise besonders betroffenen Betriebe im Bereich Mode-, Schuh- und Schmuckhandel würden dringend Liquidität benötigen. "Die staatlichen Hilfen federn zwar das Schlimmste ab, sie kommen jedoch nicht Zug um Zug mit den Lockdowns an, dadurch entsteht eine Diskrepanz. Es braucht daher mehr Differenzierung sowie einen mittel- und langfristigen Plan", betont er.

Die Gesamtkosten für den vierten Lockdown (26 geschlossene Einkaufstage) liegen laut Verband im Wiener Handel bereits bei rund einer Milliarde Euro und in Niederösterreich bei rund 850 Millionen Euro. Insgesamt summieren sich die geschlossenen Einkaufstage in diesen beiden Bundesländern damit auf 116 Tage, in Westösterreich blieben die Geschäfte an 90 Einkaufstagen geschlossen.

Digitale Konkurrenz

In der Corona-Krise haben dagegen internationale Online-Konzerne wie Amazon, Zalando & Co mit ihren gut sortierten Angeboten und effizienten Lieferservices enorm profitiert. Mayer-Heinisch fordert daher weiter eine Digitalsteuer, um die Steuerfairness zwischen heimischen Händlern und internationalen Online-Konzernen herzustellen.

Arbeitsminister Kocher verwies beim Online-Handelskolloquium des Handelsverbands auf die stark gestiegene Sparquote in Österreich und einen Konsumstau. Wegen gesperrten Geschäften, Gastronomie- und Hotelleriebetrieben sei deutlich weniger konsumiert worden. "Das wird sich irgendwann auflösen. Der Konsum wird ansteigen", sagte Kocher. Der erwartete Anstieg der Konsumausgaben werde sich positiv auf Gastronomie, Handel und Tourismus auswirken.

Hoffnung auf Öffnung Mitte Mai

Bundeskanzler Sebastian Kurz machte indessen wieder Hoffnung auf eine einheitliche Öffnung des Handels gemeinsam mit der noch geschlossenen Gastronomie und Tourismusbetriebe mit Mitte Mai. In der Gastronomie und in der Hotellerie wird die Öffnung wohl mit Eintrittstests einhergehen, im Handel soll es diese Testpflicht jedoch nicht geben.

Der konkrete Öffnungsplan werde von der Öffnungskommission erarbeitet, Ende der Woche soll es dazu erste Details geben. "Wir alle brauchen einen Schritt in Richtung Normalität", betonte Kurz im Ö1-Gespräch. Er geht davon aus, dass die beiden Bundesländer Wien und Niederösterreich Anfang Mai "auf dem gleichen Level" wie die anderen sieben Länder sein werden, wo die Schulen und der Handel bereits jetzt geöffnet sind.

Bis zum Sommer sollen laut Kurz durch die Öffnungen 200.000 Menschen wieder in Beschäftigung kommen. Auch die Corona-Kurzarbeit werde dann weniger gebraucht. Für besonders betroffene Branchen wie die Stadthotellerie werde es allerdings weiterhin "maßgeschneiderte" Lösungen brauchen.

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