Handelsstopp: René Benko baut sein Imperium um

Erstmals muss Signa-Gründer René Benko einen schweren Rückschlag einstecken. Die Immo-Entwicklungen laufen zwar, aber sein Handelsimperium wankt. In Deutschland will Benkos Signa 17 Karstadt-Geschäfte an einen Fonds verkaufen.

Handelsstopp: René Benko baut sein Imperium um

Verkäufe statt Zukäufe: René Benko hängt derzeit am Telefon. Einen Zusammenbruch der Karstadt-Kaufhof-Gruppe schließt der Signa-Konzern aus.

Die Signa-Gruppe kündigte diese Woche ein neues Immobilienprojekt in Niederösterreichs Landeshauptstadt St. Pölten an: Mitten am Rathausplatz, an der Stelle des ersten Leiner-Möbelhauses (das verkleinert wird), entstehen 150 Wohnungen, ein Kongress-und Veranstaltungszentrum für 700 Leute und sogar ein Hotel mit zirka 150 Zimmern - das allerdings erst 2024 eröffnet. Bis dahin rechnet man mit keinen Corona-bedingten Beeinträchtigungen in der Hotellerie mehr.

Das Bauvorhaben mit knapp unter 100 Millionen Euro Investitionssumme mitten in der Krise zu präsentieren, soll auch ein Signal für die Rückkehr zur Normalität sein. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass Signa-Gründer René Benko, der innerhalb von gut 20 Jahren einen der größten Immobilien-und Handelskonzerne Europas aufgebaut hat, erstmals einen gewaltigen ökonomischen Rückschlag hinnehmen muss.

Karstadt-Kaufhof, seine deutsche Warenhausgruppe mit 28.000 Mitarbeitern, musste unter den staatlichen Schutzschirm flüchten, nachdem Verhandlungen mit der deutschen Staatsbank KfW über einen Kredit gescheitert waren. 80 Millionen Euro Umsatz gehen nach eigenen Angaben pro Woche verloren. Bis Ende April summiert sich das auf eine halbe Milliarde. Statt der für 2020 prognostizierten 100 Millionen Euro Betriebsergebnis bei Karstadt-Kaufhof wird die Bilanz tiefrot ausfallen.

Dass der Kredit an mangelndem Eigenkapital gescheitert sei, stellt Benko entschieden in Abrede. Er habe im Gegenteil 140 Millionen an frischem Kapital überwiesen. Bei Signa hofft man nun, dass der Handel in Deutschland rasch wieder aufsperren darf. Ein Zusammenbruch der Warenhauskette sei auszuschließen, heißt es. Das gelte auch für die österreichische Möbelkette kika/Leiner, die ab Anfang Mai wieder öffnen darf. Im Moment sind 4.200 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Es herrscht zwar Unverständnis, dass für Möbelhäuser nicht gleiches Recht wie für Baumärkte gilt, "aber wir werden nicht dagegen vorgehen", erklärt Signa-CEO Christoph Stadlhuber.

Zeitverzögerungen soll es weder bei der Errichtung des Luxuskaufhauses KaDeWe Wien anstelle des Leiner-Flagshipstores auf der Mariahilferstraße noch beim 450 Millionen Euro teuren Neubau der Karstadt-Ikone am Berliner Hermannplatz geben

Büromarkt noch intakt

In der Immobiliensparte von Signa sieht es generell besser aus. Der Konzern hat zuletzt in Wien große Büroflächen fertiggestellt. Laut Stadlhuber ist die Vermietung aber trotz Rezession noch kein gravierendes Problem: "Es werden sogar aktuell neue Verträge unterschrieben, etwa von Digital-,IT-und Telekomunternehmen. Wir gehen auch nicht von sinkenden Mieten aus, weil sie in Österreich eh relativ niedrig sind." Dass Firmen künftig auf breiter Front auf Homeoffice setzen, glaubt er nicht: "Der Arbeitsplatz am Esstisch zuhause ist ergonomisch katastrophal."

René Benkos Prestigeprojekt Elbtower in Hamburg, ein Büroturm, der rund eine Milliarde Euro kosten wird und sich nur mit sehr hohen Quadratmeterpreisen rechnet, läuft weiter. Der Baustart ist allerdings an die Bedingung einer 30-prozentigen Vorvermietungsquote geknüpft. Da wird Signa mit der Stadtverwaltung wohl über eine Lockerung dieser Auflage reden müssen. Man habe aber bei Immobilienentwicklungen ganz allgemein kein Finanzierungsproblem, betont Topmanager Stadlhuber, Banken und Investoren seien von allen Projekten überzeugt. "Auf die Bremse zu steigen, ist nicht Signa-Style" - auch wenn Neuakquisitionen jetzt genauer angeschaut werden.

Handelsmieten bleiben aus

Sehr wohl ein Problem hat Signa derzeit mit Mietern aus dem Handel. Die müssen in Österreich keine Miete zahlen, solange ihre Geschäfte behördlich geschlossen sind. Es gehen also jedenfalls die Einnahmen von vier bis sechs Wochen verloren. "Wir haben genügend Liquidität, um das zu überstehen", stellt Stadlhuber dazu fest: "Und danach müssen sich ja beide Seiten wieder an die Verträge halten." Er beklagt auch noch keine Vertragskündigungen von Luxusmarken, etwa im Wiener Goldenen Quartier, weil zahlungskräftige Kunden, allen voran aus China, ausbleiben: "Um unsere innerstädtischen Toplagen mache ich mir keine Sorgen. Eher um Einkaufs- und Fachmarktzentren in B-Lagen, deren Klientel mehr aufs Geld schauen muss."

Für eine Neubewertung der zuletzt auf rund zwölf Milliarden Euro taxierten Signa Prime, in der die meisten konzerneigenen Liegenschaften zusammengefasst sind, sieht man keine Veranlassung. "Die Gutachter betrachten einen Langfristzeitraum, der kurzfristige Rückgang von Cashflows hat keinen Einfluss auf die Werthaltigkeit" (Stadlhuber).

Riesenpech für René Benko: Noch kurz vor Ausbruch der Corona-Krise hat er mit der thailändischer Central Group für 961 Millionen Euro die Globus-Kaufhäuser in der Schweiz übernommen. Nun möchte er vor dem Closing des Deals den Kaufpreis wegen der geänderten Rahmenbedingungen nachverhandeln. Doch bislang zeigte ihm der Verkäufer, der Schweizer Handelsriese Migros, die kalte Schulter.

Frisches Geld mit Karstadt

Doch vorläufig geht es Signa wohl auch darum, zunächst einmal Cash zu generieren. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet auf Berufung von Insidern, dass Benkos Signa 17 Karstadt-Geschäfte verkauft. Für 700 Millionen Euro sollen die deutschen Kaufhäuser an einen von Apollo Global gemanagten Fonds verkauft werden. In einem Bieterverfahren habe sich der Fonds gegen zwei weitere Bieter durchgesetzt. Der Käufer soll bereits die kartellrechtliche Genehmigung angesucht haben.


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