Handelskrieg: "Es kann nur Verlierer geben"

Jürgen Roth, Vizepräsident Wirtschaftskammer Österreich

Jürgen Roth, Vizepräsident Wirtschaftskammer Österreich

Der Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, Jürgen Roth, über Folgen des Handelskrieges für heimische Betriebe.

trend: In welchem Ausmaß wären österreichische Unternehmen von einem Handelskrieg mit den USA betroffen?
Jürgen Roth: Genau lässt sich das im Moment noch nicht sagen, aber Österreich ist als Exportland immer betroffen. Wir erwirtschaften sechs von zehn Euro im Export, direkt oder indirekt hängt jeder zweite Arbeitsplatz an unseren Ausfuhren. Ein Handelskrieg ist also nie gut, ganz besonders nicht mit den Vereinigten Staaten, unserem zweitgrößten Handelspartner nach Deutschland. Aber ich hoffe, dass das alles am Ende des Tages nicht so heiß gegessen wie gekocht wird.

trend: Sie rechnen also nicht mit einer Eskalation durch gegenseitiges Aufschaukeln von Zollmaßnahmen zwischen den USA und der EU?
Roth: US-Präsident Donald Trump ist bekannt dafür, dass er es liebt, ganz viel und laut zu poltern. Am Schluss bleibt oft nur die Hälfte von seinen Ankündigungen übrig oder weniger, wie zum Beispiel bei seinen Immigrationsverordnungen. Deshalb hoffe ich, dass die momentane Aufregung nur ein Sturm im Wasserglas ist und schließlich in Ausnahmeregulierungen und Konsens münden wird.
Denn wenn es jetzt zwischen den USA und der EU zu einem gegenseitigen Aufschaukeln -womöglich sogar bis hin zu Strafzöllen auf amerikanische Burger in Europa -kommt und derart eskaliert, kann es nur Verlierer geben.


Trump liebt es, laut zu poltern. Hoffentlich ist das nur ein Sturm im Wasserglas.

trend: Wie bereiten sich potenziell betroffene heimische Unternehmen auf eine solche Bedrohung vor?
Roth: Die österreichischen Firmen reagieren im Moment sehr überlegt, analysieren und warten erst einmal die ganz konkreten Details, also die detaillierte Liste der betroffenen Zolltarifnummern, ab. Vergessen Sie nicht, dass etwa ein Drittel jener rund 700 heimischen Betriebe mit Niederlassungen in USA dort auch Produktionen betreibt und gleichzeitig ebenfalls importiert. Die genaue Beurteilung solch komplexer Verflechtungen braucht eben Zeit. Und was jetzt noch gar nicht abzuschätzen ist, sind die möglichen Umwegauswirkungen von US-Strafzöllen. Überdies ist ja zu erwarten, dass die betroffenen Stahl- und Aluminiumhersteller in anderen Ländern der Welt versuchen werden, ihre Warenströme nach Europa umzuleiten. Denn hier ist immer noch einer der größten Märkte.

trend: Ihre mittelfristige Prognose?
Roth: Es gibt ja auch in den USA jede Menge Widerstand gegen diesen Protektionismus, etwa von der Chamber of Commerce, dem Repräsentantenhaus und vielen verarbeitenden Industriebetrieben. Auch die in den Jahren 2001/02 verhängten Strafzölle unter der Bush-Administration haben nie die erwünschten Effekte gebracht. Ganz im Gegenteil, es gingen mehr Arbeitsplätze verloren, als geschützt wurden, und die Konsumenten haben den Preis bezahlt. Deswegen hoffe ich, dass sich Präsident Trump besinnen und sich mit Europa auf eine gemeinsame Asien-Handelsstrategie einigen wird. Denn in Wahrheit steht China vor unseren Toren.


Das Interview ist der trend-Ausgabe 10/2018 vom 9. März 2018 entnommen.

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