Italien: So stark trifft der Virus das Land und den Außenhandel

Die italienische Wirtschaft hat bisher gekränkelt, aber jetzt liegt sie auf der Intensivstation. Wie stark der wirtschaftliche Einbruch ausfallen könnte, welche Länder mit Italien am meisten Handel betreiben und daher vom Italo-Konjunkturtief besonders betroffen sind und welches Erholungsszenario Experten erwarten.

Italien: So stark trifft der Virus das Land und den Außenhandel

In der sonst pulsierenden Metropole Italiens steht das Leben praktisch still.

Die italienische Wirtschaft, die schon lange vor dem Ausbruch des Coronavirus kränkelte - das BIP war im vierten Quartal 2019 negativ - dürfte nun auf der Intensivstation landen und sich gewissermaßen in Quarantäne befinden. Verschärft wird die Lage für den auch ökonomisch kranken Mann Italien, dass die 14 am stärksten vom Virus betroffenen Provinzen im wirtschaftlich leistungsstarken Norden liegen und für 35 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung und für 43 Prozent des italienischen Industriesektors stehen.

Der konjunkturelle Einbruch in Italien stellt auch jene Länder vor Schwierigkeiten, die eng mit Italien verflochten sind. Davon ist auch Österreich als Nachbarland betroffen, wenn es auch längst nicht so stark ist, wie die geographische Nähe vermuten lassen würde. So ist das Italien-Exposure im Außenhandel im Vergleich zu Ländern in Zentral- und Südosteuropa auf einem moderaten Niveau.

Industrieproduktion vor ähnlich starkem Rückgang wie während der Finanzkrise
Im Februar waren erstmals nach dem Ausbruch der Erkrankungen durch den Corona-Virus italienische Dienstleister wie Hotellerie, Gastgewerbe, Verkehr und Einzelhandel negativ betroffen. Der größte Effekt wird jedoch für März und April erwartet, wenn die erwähnten behördlichen Maßnahmen die Aktivität im Land massiv einschränken und die Verunsicherung bei italienischen Verbrauchern und ausländischen Touristen am größten ist. Die Industrieproduktion dürfte im März und April damit ähnlich große Rückgänge verzeichnen wie beim Ausbruch der Finanzkrise 2008/09 prognostiziert Raiffeisen Research. Anders als damals ist nun aber auch mit massiven Einbrüchen bei Umsätzen von Einzelhandelsunternehmen und im Tourismusbranche zu rechnen.

Jedes Jahr viele Pleiten
Zwar gehen in Italien nicht mehr so viele Unternehmen Pleite wie in den Jahren zwischen 2012 und 2017, in denen nach Angaben des Kreditversicherers Coface die Insolvenzen pro Jahr stets über 12.000 Unternehmen lag. In der Spitze, 2014, waren es es knapp 15.700 Unternehmen. 2018 und 2019 sind die Insolvenzen aber wieder leicht gestiegen. Im Vorjahr mussten 11.216 italienische Unternehmen für immer schließen.

Hohe Kollateralschäden durch Italo-Abschottung für Süd- und Osteuropa erwartet
Am stärksten treffen die ökonomischen Einschränkungen durch den Corona-Virus Albanien. Das Land wickelt über 20 Prozent seiner Importe und Exporte mit Italien ab. Fast ebenso stark sind die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Slowenien und Italien. So beträgt der Handel zwischen den beiden Ländern 19 Prozent des BIP der Slowakei bei. An dritter Stelle rangiert mit Bosnien Herzegowina (HR) ebenfalls ein Land aus Südosteuropa, wenn mit einem Anteil von zehn Prozent die Geschäftsbeziehungen der beiden Länder ebenfalls recht hoch sind.
Serbien (RS) ist ähnlich stark mit Italien verflochten wie Bosnien. Wirtschaftlich überproportional exponiert in Osteuropa ist auch Bulgarien, mit einem Außenhandelsanteil von fast neun Prozent. Mit der Slowakei (SK), Rumänien, Ungarn und Tschechien werden die Im- und Exporte mit Italien auf rund sieben Prozent laut Angaben von Weltbank und Raiffeisen Research beziffert.

Der Außenhandel zwischen Österreich und Italien beträgt nur vier Prozent des Österreich-BIP. Osteuropäische Länder wie Albanien und

Deutschland exportiert Waren im Wert von fast 70 Milliarden Euro nach Italien
Aber auch für Österreich und Deutschland, ist trotz der geringeren Handelsverflechtungen, die vom Staat verordneten Einschränkungen was die Bewegungsfreiheit der italienischen Bevölkerung betrifft, wenn die Auswirkungen für diese Länder nur indirekt sind, nicht so ohne. Italien ist der fünftwichtigste deutsche Handelspartner nach China, den Niederlanden, den USA und Frankreich. Geht es hier doch mitunter auch um ganz andere Stellgrößen, ist das Land doch wirtschaftlich wesentlich stärker als viele Ost- und Südosteuropäische Länder. Die deutschen Exporte dorthin summierten sich im vergangenen Jahr auf 68 Milliarden Euro, die Importe von dort auf gut 57 Milliarden Euro. Beide Länder handeln vor allem mit Fahrzeugen, chemischen Erzeugnissen, Maschinen und Nahrungsmitteln. Etwa 2.000 Unternehmen mit deutscher Beteiligung sind in Italien aktiv - von der Allianz bis zu Siemens. Diese beschäftigen mehr als 190.000 Mitarbeiter und erreichen einen Jahresumsatz von 108 Milliarden Euro. Diese starke Handelsverflechtung dürfte auch für Österreich spürbar werden, ist Deutschland doch der größte Handelspartner Österreichs.

Erhebliche Einbußen durch geringere Überweisungen von Gastarbeitern in Osteuropa erwartet
Zudem ist Italien ein wichtiges Ursprungsland für die im Schnitt hohen Überweisungen von Gastarbeitern in ihre Heimatländer in Süd- und Osteuropa. Diese machen zwischen drei und zehn Prozent des BIP des jeweiligen Ziellandes aus. "In diesen Ländern ist nun mit erheblichen Einbußen zu rechnen", resümiert Raiffeisen in einer aktuellen Analyse. Zudem ist derzeit eher fraglich, ob eng mit Italien verflochtene Touristendestinationen wie Kroatien und Albanien wirklich von einer sich abzeichnenden schwachen Touristensaison in Italien profitieren können.

Raiffeisen für das Gesamtjahr Italiens optimistisch
Auf den starken Einbruch sollte aber nach Einschätzung von Raiffeisen-Analyst Matthias Reith eine fast genauso deutliche Erholung folgen. Damit dürfte zwar das Gesamtjahreswachstum 2020 tief in den roten Bereich rutschen, so wird ein BIP-Rückgang von mindestens 1,3 Prozent prognostiziert. "Durch die Gegenbewegung im zweiten Halbjahr wird sich aber auch die Ausgangslage für das Jahr 2021 merklich verbessern", glaubt Reith. Raiffeisen hat deshalb die BIP-Prognose für 2021 von bisher 0,7 Prozent sogar auf 1,6 Prozent angehoben.

Null Prozent Wachstum ohne Virus prognostiziert
Der Kreditversicherer hat für folgenden Branchen schon bisher ein hohe Risikowarnung was Pleitegefahr betrifft, herausgegeben: Nahrungsmittel, Automotiv, Chemie, Bau, Energie, Kommunikationstechnologie und Papier. Gar als hochrisikant werden die Branche und Bekleidungsindustrie einstuft.

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