Hamburger Hawesko Holding kauft Wiener Wein & Co

Der deutsche Weinhändler übernimmt das komplette Geschäft von Wein & Co. Die Marke "Wein & Co" soll weiter fortgeführt werden.

Wein & Co Gründer und Eigentümer Heimz Kammerer

Wein&Co-Gründer und Chef Heinz Kammerer hat nun sein Unternehmen verkauft.

Der Wechsel bei der Weinhaldeskette Wein & Co ist perfekt. Wein&Co-Gründer und Eigentümer Heinz Kammerer verkauft sein Unternehmen an die Hamburger Hawesko Holding. Hawesko ist seit 20 Jahren selbst unter der Marke "Wein Wolf" in Österreich aktiv. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch Aufsichtsbehörden. Der endgültige Abschluss wird zu Beginn des vierten Quartals 2018 erwartet.

Kammerer wolle erst nach Abschluss der Transaktion im Herbst Interviews geben. In einer Aussendung meint der 70-jährige Unternehmensgründer, "Auf das Erreichte bin ich sehr stolz." Mit Hawesko steige einer der erfahrensten und erfolgreichsten Weinhändler Europas ein. Das sei der "ideale Partner für eine langfristige und nachhaltig erfolgreiche Zukunft" von Wein & Co.

Das Markenkonzept mit Weinhandel sowie Weinbars mit Gastronomie soll erhalten bleiben, heißt es, die Deutschen wollen am Konzept angeblich nicht viel rütteln. Die Marke "Wein & Co" wird somit erhalten bleiben.

Börsenotierter Weinhändler

In einer Aussendung teilte die in Frankfurt börsenotierte Hawesko (ISIN DE0006042708) mit, dass sie von einmaligen, in der Planung für 2018 bisher noch nicht berücksichtigten Integrationskosten in Höhe eines mittleren einstelligen Millionen-Euro-Betrags ausgeht.

Wein & Co erzielte im Geschäftsjahr 2016/17 einen Umsatz von rund 43 Millionen Euro. Mit 20 Filialen in ganz Österreich, davon sieben mit Weinbar bzw. Restaurant, beschäftigt Wein & Co rund 280 Mitarbeiter. Hinzu kommt der Online-Handel, der Kunden in rund 15 Ländern beliefert. Mit knapp drei Millionen Flaschen Wein wurde im vergangenen Geschäftsjahr ein Umsatz von über 53 Millionen Euro erwirtschaftet. Nach drei Verlustjahren soll Wein & Co heuer wieder einen Gewinn schreiben.

Hawesko erwirtschaftete mit 954 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 507 Millionen Euro. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Neuausrichtung bei Wein&Co

Im April hatte Kammerer noch davon gesprochen, dass die Verluste von insgesamt rund zwei Millionen Euro in den vergangenen drei Jahren zum Umbau der Weinhandelskette notwendig gewesen seien. Die Wein & Co-Logistik mit 35 eigenen Mitarbeitern wurde an den Logistiker Schenker ausgelagert, der Online-Shop wurde neu konzipiert. Geänderte Konsum- und Einkaufsgewohnheiten der jüngeren Generation hätten laut Kammerer eine Neuausrichtung nötig gemacht. Wein werde heute nicht mehr mit religiösem Ernst konsumiert, sondern mehr als Begleitung gesehen.

Rund 70 bis 75 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt die Weinhandelskette in ihren Shops, 15 bis 20 Prozent in den Wein & Co-Bars und 15 Prozent im Online-Handel. 85 Prozent des Umsatzes erzielte Wein & Co mit Wein/Schaumwein, acht Prozent mit Destillaten, alkoholfreien Getränken, Bier und Kaffee, vier Prozent mit Feinkost und drei Prozent mit Non Food.

Pionier beim Rauchverbot

Ein Pionier war Kammerer beim Rauchverbot: Ab Juli 2015 waren alle Lokale des Weinhändlers rauchfrei. Trotz der Rücknahme des geplanten Rauchverbots in der Gastronomie durch die neue Bundesregierung blieben die Lokale ohne blauen Dunst, nur der Bar-Shop am Wiener Naschmarkt hat einen eigenen Raucherbereich.

Im Jahr 1993 gründete der damalige Fliesenhändler Kammerer die Weinhandelskette mit sechs Filialen. Im Jahr 1998 verkaufte Kammerer das Fliesenhandelsgeschäft - Werbespruch "Ikera - mit r" - für einen Millionenbetrag. Bis 2012 wuchs der Umsatz der Weinhandelskette kontinuierlich, seitdem stagnierten die Erlöse. Anfang Mai hatte Kammerer bekanntgegeben, sich mit 1. Juli aus der Geschäftsführung zurückzuziehen.


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