H&M, Gerry Weber und Co: Modekonzerne stecken in der Krise

H&M, Gerry Weber und Co: Modekonzerne stecken in der Krise

Herrenhemden des Modeherstellers Gerry Weber.

Das Geschäft mit der Mode steckt in der Krise. Die Zahl der Käufer in den Innenstädten schrumpft, die verbliebenen Kunden werden mit Dauerrabatten geködert. Nur der Online-Handel wächst und wächst. Die Schätzungen der Experten schwanken zwischen einem jährlichen Umsatzplus von 15 bis 20 Prozent im Internet.

Der Modekonzern Gerry Weber hat diesen Trend über Jahre falsch eingeschätzt und zieht jetzt die Reißleine. Die 1a-Filiale am Kürfürstendamm am Kranzler Eck in Berlin hat das Unternehmen gerade geschlossen. Es ist eines von über 100 Geschäften, das der Anbieter von Damenmode in der mittleren gehobenen Preislage aufgeben will.

"Wir haben Fehler gemacht und zu schnell mit unserem Filialnetz expandiert", gesteht der Vorstandsvorsitzende Ralf Weber ein. Nun trifft es die Belegschaft. Gerry Weber muss sich von jedem zehnten Mitarbeiter trennen. Verhandlungen über einen Sozialplan stehen an.

Das Beispiel Berlin zeigt, dass der Vorstand alle Filialen auf den Prüfstand stellt, ohne Rücksicht auf die prominente Adresse. Die größten Sorgen machen dem Vorstand aber die Geschäfte in den eher kleineren und mittelgroßen Städten. "Hier gab es einen dramatischen Einbruch bei der Frequenz", berichtet Weber und räumte ein: "Damit haben wir nicht gerechnet." Für das aktuelle Geschäftsjahr erwarten die Westfalen einen Umsatzrückgang und einen drastischen Einbruch beim Gewinn. Der Trend zeigt klar nach unten.

Branche hat Probleme

Dabei hat die ganze Branche große Probleme. Zuletzt musste Hugo-Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs seinen Posten räumen. Der Aktienkurs war eingebrochen. Auch die Modekette Tom Tailor hat beschlossen, rund 100 von 1500 Filialen zu schließen. Der schwedische Textilriese Hennes & Mauritz kündigte zwar weitere Geschäftseröffnungen an, vermeldete aber zugleich einen Gewinnrückgang. Das Weihnachtsgeschäft lief nicht wie erhofft.

Um den veränderten Kaufgewohnheiten der Kunden nachzukommen, will Gerry Weber in den nächsten Monaten eine neue Marke einführen und die bisherigen Linien moderner gestalten. Das Durchschnittsalter von knapp über 50 Jahren will der Vorstand gern etwas senken. Dabei soll der Pro-Kopf-Umsatz aber steigen. "Keine Sorgen, wir wollen also schon Marktführer in unserem Preissegment bleiben", sagte Weber. Seinen Vater und Firmengründer Gerry Weber hat er 2015 an der Unternehmensspitze abgelöst. "Als stellvertretender Aufsichtsratschef hat er das Programm abgesegnet, aber er war nicht bei der Erstellung involviert", sagt sein Sohn.

Vorstandsmitglied Norbert Steinke appelliert derweil an die gesamte Branche, das Jammern über die hohen Rabatte einzustellen. "Das hilft keinem weiter, wir haben es hier doch mit einem selbst gemachten Problem zu tun und sollten nicht weiter Grundregeln des Handels brechen."

Post-Chef Georg Pölzl

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