„Gut kapitalisierte Unternehmen können gestärkt aus der Krise hervorgehen“

AUSTRIA’S BEST MANAGED COMPANIES. Laut Deloitte-Expertin Orsolya Hegedüs ist jetzt die richtige Zeit für Unternehmen, ihre Strategie zu überdenken, ihre Finanzierungsstruktur zu stärken – oder an einen Verkauf zu denken.

Orsolya Hegedüs, Partnerin bei Deloitte Österreich

Partnerin bei Deloitte Österreich, leitet seit mehr als 15 Jahren nationale und internationale Projekte im Bereich M&A Transaction Services und ist auf grenzüberschreitende Transaktionen spezialisiert.

trend: Was hat gut aufgestellte Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten beschäftigt?
Vor allem die Digitalisierung war für viele ein Thema – zunächst aus der Not heraus, aber auch, weil sie unabdingbar für künftige Effizienzsteigerung und Wachstum ist. Ein weiteres Fokusthema war der interne Portfolio-Review: Welche Sparten passen nicht mehr zur Strategie, welche Geschäftsmodelle sind in einer Post-Corona-Welt zukunftsrelevant und sinnvoll? Auch das Überdenken der Strategie hat viele Unternehmen beschäftigt – und das ist nicht unbedingt als Restrukturierung zu verstehen. Vielmehr als Antwortfindung auf Fragen wie: Wie kann ich mit Produkten neue Kunden ansprechen? Wie kann ich neue Produkte anbieten oder über Zukäufe wachsen?

Gibt es also wieder „Appetit“ auf Zukäufe?
Wir beobachten eine Konsolidierung am Markt: Statistiken zeigen einen deutlichen Anstieg der Übernahmeaktivitäten im ersten Quartal 2021 – und dabei sind noch gar keine Restrukturierungsfälle oder „Fire Sales“ anzutreffen. Durch M&A können sich Unternehmen jahrelange Entwicklungsarbeit ersparen oder eine organische Wachstumsphase abkürzen, etwa um neue Märkte zu erobern oder ihre Wertschöpfungskette zu vertiefen.


Der Mittelstand ist in Österreich besser kapitalisiert.

Oft hört man, der Mittelstand in Österreich ist gerade deswegen stabiler als in vielen anderen Ländern, weil die Eigenkapitalausstattung recht gut ist. Wie wichtig ist das?
Eigenkapital ist nicht gleich Liquidität. Viele Unternehmen mussten das beim Ausbruch der Pandemie schmerzhaft erfahren. Doch es stimmt, der Mittelstand ist in Österreich erfahrungsgemäß besser kapitalisiert, weil gerade Familienunternehmen einen Teil der Gewinne immer im Unternehmen gelassen haben und aus eigener Kraft gewachsen sind. Derzeit ist der Zugang zu Fremdkapital durch staatliche Garantien, niedrige Zinsen oder Steuerstundungen erleichtert, damit werden die Eigenkapitalquoten aber auch wieder sinken. Stark wachsen kann man zudem nur anorganisch – und für Zukäufe wird das Eigenkapital in der Regel bei den meisten Unternehmen nicht reichen.

Wofür benötigen die Unternehmen die Liquidität?
Viele haben die Mittel zur Verlustfinanzierung verwendet. Andere haben die Chance genutzt, um sich neu für die Zeit nach der Pandemie aufzustellen: Um Investitionen ins Working Capital zu tätigen, die Effizienz zu steigern, in Digitalisierung, organisches Wachstum oder in eine erwartete Marktkonsolidierung zu investieren. Der richtige Weg ist bestimmt, die Liquidität zu sichern, um sich für die Zeit nach der Pandemie neu aufzustellen. Denn nur gut kapitalisierte Unternehmen können gestärkt aus der Krise hervorgehen und Marktanteile gewinnen. Schwach positionierte Unternehmen werden auch im Aufschwung unter Druck geraten.


Stärkung des Eigenkapitals im Fokus.

Was raten Sie Unternehmen, die ihre Kapitalstruktur stärken wollen?
Die Stärkung des Eigenkapitals kann durch Beteiligung von strategischen Partnern oder Finanzinvestoren erfolgen. Eine Alternative ist auch die Neugestaltung der Fremdfinanzierungen – neue Laufzeiten, neue Konditionen. Wer unter Druck gerät oder altersbedingt den nächsten Schritt nicht mehr gehen möchte, sollte das gute Umfeld zudem für einen Unternehmensverkauf nutzen.

Welche Rolle spielt der Bereich Governance, Risk und Compliance (GRC) bei mittelständischen Unternehmen?
Traditionell wird dieser Bereich bis zu einer gewissen Größe des Unternehmens vernachlässigt. Heutzutage kann sich aber ein Mittelständer nicht mehr leisten, diesen Bereich nicht zu professionalisieren. Wer neue Eigenkapitalgeber braucht oder verkauft – etwa an börsennotierte Unternehmen – braucht hier einen besonderen Fokus. Aber unabhängig von den Zielen sollten Governance-Prozesse und -Strukturen aufgesetzt und ein Risikomanagement aufgebaut werden sowie die Überwachung durch Compliance und Innenrevision gewährleistet sein. In der Praxis fangen viele damit leider erst an, wenn es bereits zu spät ist. Dabei wäre etwa ein Schaden aus einer Fake-President-Überweisung bei guten Governance- und Risk-Prozessen vermeidbar: Deren Implementierung kostet zunächst Geld, spart aber langfristig noch viel mehr.


Austria's Best Managed Companies

Are you best in class?

Best Managed Companies ist ein international etabliertes Programm, das aktuell in mehr als 30 Ländern hervorragend geführte Unternehmen auszeichnet. Die teilnehmenden Unternehmen werden von einer unabhängigen Expertenjury in den vier Schwerpunktbereichen Strategie, Governance & Finanzen, Produktivität & Innovation sowie Kultur & Commitment bewertet. Unternehmen, die in all diesen Bereichen überzeugen können, werden ausgezeichnet.

Der Bewerbungsprozess wird von jeweils zwei erfahrenen Beratern von Deloitte begleitet. Zentrales Element ist ein Workshop gemeinsam mit dem Top-Management, um bestmögliche Bewerbungsunterlagen zu erstellen. Dabei wird die Führungsarbeit der jeweiligen Unternehmen mit international erprobten „Leading Practices“ abgeglichen.

Interessierte Unternehmen können sich bereits jetzt für das Programm 2022 vormerken lassen.

Nähere Informationen: www.deloitte.at/bestmanaged

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