Günther Ottendorfer – Vom Bauernopfer zum Weltklasse-Innovator „Made in USA“

Günther Ottendorfer – Vom Bauernopfer zum Weltklasse-Innovator „Made in USA“

Nach dem Fall bei der Telekom Austria nun der Aufstieg in die Topliag des Mobilfunks: Günther Ottendorfer macht Karriere in den USA.

Wegen seiner exzellenten Fähigkeiten und internationalen Karriere ist Günther Ottendorfer einst zur Telekom Austria als Technikvorstand geholt worden. Nach nur nach 18 Monaten wurde der Top-Manager nach einem Kuhhandel in der staatsnahen Wirtschaft als Bauernopfer gefeuert. Nun macht der 46jährige Wiener seinen nächsten Schritt in seiner Karriere. Der „Weltklasse-Innovator“ zieht ein in den Dreier-Vorstand beim US-Telekomriesen Sprint.

Eigentlich hätte der bei der Telekom Austria im Frühjahr gefeuerte Technikvorstand Günther Ottendorfer in Pension gehen können. Die noch ausstehende Vorstandsgage, die nach seiner Abberufung fällig geworden ist – immerhin wurden noch weitere 18 Monatsgehälter sofort fällig – wäre die perfekte Morgengabe für den Übergang in die Nobelpension gewesen.

Doch wer den Ex-Telekom-Austria-Vorstand kennt, weiß, dass dem 46jährigen Wiener ein fettes Bankkonto alleine zu wenig Wert hat und er sich vor allem seinen Abgang anders vorstellt, als es bei der Telekom Austria im Frühjahr geschehen ist. Sein Ehrgeiz, aber auch die Ehre gebietet ihm, es nochmals wissen zu wollen. Ottendorfer heuert nun bei Sprint in den USA an. Kansas ist zwar nicht gerade der Nabel der Welt im Vergleich zu anderen Metropolen wie New York, Chicago oder San Franzisco. Die Aufgabe allein ist’s, die für den Informatiker und Absolventen der TU Wien zählt. Er wird als COO Mitglied des Vorstands beim US-Mobilfunkkonzern Sprint.

Ein Sprinter - alles was IT ist

Ottendorfer wird künftig für die Entwicklung des Netzwerks aber auch für die komplette IT des Milliardenkonzerns zuständig sein und direkt an den Sprint-CEO Marcelo Claure berichten. „Günther ist ein Weltklasse-Innovator“, streut Claure dem Wiener Rosen, was übrigens auch einige Top-Manager zuvor schon getan hatten. Ottendorfer kennt das Mobilfunkgeschäft aus der Westentasche. In Österreich war er 1996 als Softwareentwickler von Siemens kommend zum Gründungsteam von Max-Mobil (später T-Mobile Austria) an Bord von CEO Hansjörg Tengg, später war er im Leitungsteam um CEO Georg Pölzl, der in der Zwischenzeit Vorstandschef der Österreichischen Post AG ist.

Doch sein neuer Job bei Sprint wird nicht weniger anspruchsvoll als bei der Telekom Austria. Sprint will und muss wachsen. T-Mobile US hat Sprint erst kürzlich vom Stockerlplatz und Rang drei gestoßen. Die US-Tochter der Deutschen Telekom bingt es auf 58,9 Millionen Kunden, Sprint hält derzeit bei 57,1 Millionen Kunden. Marktführer ist Verizon Wireless (133,5 Millionen Kunden) vor AT&T (123,9 Millionen Kunden).Die mangelnde Profitabilität hat zuletzt den Kopf des Sprint-Finanzchefs gekostet, dessen Job gleichzeitig neu besetzt wird. Auch ein neuer CTO wurde bestellt.

Ottendorfers Job ist also den derzeit viertgrößten Mobilfunker der USA zumindest technisch flott zu machen. Und für die immer wieder avisierten Avancen T-Mobile USA übernehmen zu wollen scheint der Österreicher für Sprint ebenso der richtige Mann zur richtigen Zeit zu sein. Noch vor seinem nur 18 Monate dauernden Engagement bei der Telekom Austria und bei SingTel in Australien (2011-2013) war Ottendorfer in Bonn bei der Deutschen Telekom tätig. Über neun Jahre war er nach seinem Engagement bei Max.mobil und T-Mobile Austria (von 1996 bis 2002) beim deutschen Telekom-Riesen, wo er internationale Projekte geleitet hatte. Ottendorfer bringt sozusagen als zusätzliches Asset neben seine Innovator-Expertise ein.

Der Kuhhandel

Bei der Telekom Austria wurde er als Top-Manager im Februar entfernt. Genau jene Fähigkeiten, die ihn nun qualifizieren, hatten ihn im Jahr 2013 als den „optimalen Mann“ für den Technikvorstand und Sitz im Dreiervorstand der Telekom Austria ausgezeichnet. Und auf einmal war er nicht mehr gefragt. Vielmehr war die Demissionen des Top-Manager quasi „part of the game“ in der Auseinandersetzung, welcher der beiden Hauptaktionäre künftig das sagen hat. America Movil (Amov) hat mit dem Jahr 2015 klar avisiert, dass es mit seinem 60-Prozent-Anteil gegenüber der Republik Österreich mit der Staastholding ÖBIB (vorher ÖIAG) ihre eigenen Leute in Position bringen will. Amov brachte Alexandro Plater in Stellung, der mittlerweil auch Hannes Ametsreiter abgelöst hat.

Ex-ÖBIB-Chef Rudolf Kemler hatte im Februar die Botschaft zu verkünden, dass man Ottendorfer in die Würste schickt, nachdem seine Ablöse schon Wochen lang in den Medien als beschlossene Sache gehandelt wurde. Kemler streute zwar Rosen. Warum Ottendrofer aber eineinhalb Jahre vor Ablauf seines Vertrages gehen musste, blieb unbeantwortet.

Antworten hatte Ottendorfer hingegen bis zuletzt gegeben, wenn es um seine Domäne, den Mobilfunk, IT und Technik ging. Obwohl sein Abgang schon programmiert war, hatte er noch am 2. März vor einer Gruppe internationaler Journalisten auf dem Mobile World Congress in Barcelona in einem Hintergrundgespräch über die „Die Entwicklung des Netzwerk in der Praxis“ und „Internationale Trends im Mobilfunk“ gesprochen. 36 Stunden später musste Ottendorfer gehen – mit sofortiger Wirkung.

Der 47-jährige Alejandro Plater, seit kurzem CEO der Telekom Austria, wurde als Chief Operating Officer (COO) installiert und übernahm auch die technischen Agenden von Ottendorfer. America Movil hatte das als Hauptaktionär (59,7 Prozent der Aktien) wahr gemacht, was viele mit dem Einstieg des mexikanischen Telekomkonzerns vorausgesagt hat. Die Republik Österreich, mit nur 26,82 Prozent der Aktien, nur noch zweitgrößter Aktionär und zum Juniorpartner degeneriert.

Für das Bauernopfer Ottendorfer wird die Zukunft als COO jedenfalls mindestens so spannend wie seine Zeit bei der Telekom Austria. Mit einer Ausnahme: Er kann sich mehr auf das Geschäft konzentrieren und muss sich nicht um ÖBIB-Befindlichkeiten sorgen. Als designierter „Weltklasse-Innovator“ ist er bei Sprint in eine Dimension vorgestoßen, die sich auch am Börsenwert ablesen lässt. Sprint bringt es auf einen Börsenwert von 13,2 Milliarden Dollar. Die Telekom Austria bringt es gerade einmal auf 4,0 Milliarden Dollar.

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