10 Gründe, warum niedrige Zinsen der Wirtschaft schaden

Zinsen sind in einer Volkswirtschaft ein wichtiger Preise. Sind diese länger falsch, führt das zu Ungleichgewichten. Welche Bereiche leiden, von Altersvorsorge bis hin zu Wohlstandsverlust.

Die Zinsen in den meisten Industrieländern sind zu niedrig. Sie müssten laut dem renommierten Chefökonomen Martin Hüfner von Assenagon Asset Magement heute in Europa eher bei 2,5 Prozent bis 3 Prozent liegen als bei den aktuellen 0,5 Prozent. Viele Menschen haben sich an den Zustand der niedrigen Zinsen gewöhnt, beziehungsweise damit abgefunden. Doch wie problematisch ist die Sache auf lange Frist, wenn Preise falsch gesetzt werden? Hüfner: "Zinsen sind ganz wichtige Preise. Sie betreffen die ganze Breite wirtschaftlichen Handelns. Lange Zeit zu niedrige Zinsen führen zu Ungleichgewichten."

Langfristige Folgen niedriger Zinsen werden verdrängt

Sind die Zinsen zu niedrig, bedeutet das, dass die Zukunft relativ gesehen zu teuer ist. Was teuer ist, wird weniger nachgefragt. Hüfner: "Zu niedrige Zinsen verleiten zu kurzfristigem Denken. Die Menschen schauen mehr auf das Hier und Jetzt. Sie verdrängen die langfristigen Folgen. Nachhaltigkeit bleibt auf der Strecke. Das ist gefährlich."

10 Gründe warum niedrige Zinsen der Wirtschaft schaden:

Assenagon-Chefökonom Hüfner hat die Gründe zusammengefasst:

1. Die Altersvorsorge leidet.
Wer selbst für sein Alter vorsorgt, hat bei der gleichen monatlichen Ersparnis später weniger zur Verfügung. Unternehmen können ihren Beschäftigten für die gleichen Pensionsrückstellungen am Ende nur noch eine geringere Rente auszahlen. Es droht Altersarmut.

2. Die Verschuldung wächst.
Staaten nehmen zu viel Kredit auf. Unternehmen machen mehr Schulden. Sie ersetzen Eigenkapital durch Fremdkapital. Das macht sie anfälliger für Risiken.

3. Sparer werden bestraft.
Das kann entweder dazu führen, dass die Menschen weniger auf die hohe Kante legen, weil sie keine vernünftigen Zinsen bekommen. Es kann aber auch sein, dass die Sparquote steigt, weil sonst die Sparziele nicht erreicht werden. Beides war in den letzten Jahren in Deutschland zu beobachten.

4. Banken geraten in Schwierigkeiten.
Für sie war die Transformation kurzfristiger Einlagen in langfristige Ausleihungen traditionell ein Kerngeschäft. Das fällt jetzt weg beziehungsweise wird weniger rentabel. Kreditinstitute müssen sich neue (hoffentlich nicht riskantere) Geschäftsmodelle suchen.

5. Versicherungen haben Probleme.
Sie tun sich schwer, die Zusagen an ihre Kunden aus den vergangenen Jahren am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Der durchschnittliche Garantiezins aus früheren Lebensversicherungen liegt derzeit bei über 3 %. Nur für neue Abschlüsse von Lebensversicherungen beträgt der Garantiezins heute 1,25 Prozent.

6. Staatliche Regulierungen der Finanzmärkte greifen immer mehr um sich.
Das sind die sogenannten makroprudentiellen Maßnahmen, mit denen Banken und Versicherungen in dem Niedrigzinsumfeld sicherer gemacht werden sollen. Viele Regulierungen könnte man sich sparen, wenn die Zinsen steigen würden.

7. Die Risiken am Kapitalmarkt erhöhen sich.
Nicht weil die Anleger risikofreudiger geworden sind, sondern weil sie für ihre traditionellen Investments keine ordentlichen Renditen mehr finden. Zu viel Risikoneigung ist für eine Volkswirtschaft nicht gut.

8. Aktien- und Rentenkurse zu hoch.
Die Aktien- und Rentenkurse sind – als Folge der niedrigen Zinsen – auf Niveaus gestiegen, die fundamental nicht mehr gerechtfertigt sind. Es haben sich vielfach Blasen gebildet. Die Gefahr, dass diese Blasen platzen, nimmt mit zunehmender Dauer der niedrigen Zinsen zu.

9. Anzeichen einer Immobilienblase.
Auch am Immobilienmarkt zeigen sich Anzeichen von Blasen. In Innenstadtlagen von Berlin und München zum Beispiel haben die Preise Niveaus erreicht, die für normale Mieter und Käufer schwer zu bezahlen sind.

10. Fehlinvestitionen nehmen zu.
Die Gefahr von Fehlinvestitionen nimmt zu, weil der Zins als Maßstab zur Beurteilung der Rentabilität neuer Projekte nicht mehr taugt. Damit droht es zu Fehlallokationen zu kommen, die am Ende zu Produktivitäts- und Wohlstandsverlusten führen.

Fazit: Nichts gegen niedrige Zinsen als Instrument zur Nachfragesteuerung im Konjunkturzyklus. Sie sind aus der modernen Wirtschaftspolitik nicht wegzudenken. Aber Vorsicht, wenn die Zinsen dauerhaft niedrig sind, überwiegen die Nachteile.

Was niedrige Zinsen für Anleger bedeuten:
Die Märkte reagieren in der Regel positiv auf niedrige Zinsen. Aktien- und Rentenkurse steigen. Investoren, die auf kurzfristige Gewinne aus sind, können davon profitieren. Langfristig orientierte Anleger sollten jedoch die Gefahren anhaltend niedriger Zinsen bedenken. Sowohl am Aktien- als auch am Rentenmarkt sind die derzeitigen Kurse vielfach überzogen. Rückschläge sind möglich. Bereits jetzt dauert der Boom am Aktienmarkt mit sieben Jahren länger als alle seine Vorgänger in den letzten fünfzig Jahren. Anleger sind daher gut beraten, sich abzusichern.

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