Großbritannien verbietet ab 2040 Diesel- und Benzinautos

Großbritannien verbietet ab 2040 Diesel- und Benzinautos

Diesel- und Benzinmotoren - ob "dreckig" oder neueste Entwicklung - sollen in Großbritannien verschwinden.

Das Ende für Verbrennungsmotoren wird nun definiert. Großbritannien prescht vor: Bis zum Jahr 2050 sollen keine Diesel- oder Benzinfahrzeuge mehr auf britischen Straßen fahren. Frankreich will ebenso den Exit der Verbrennungsmotoren festlegen. Auch in Deutschland soll nun ein Exit-Datum definiert werden.

London. Der Automobilindustrie wird die neueste Botschaft nicht passen, zumal sie zuletzt versucht hatte für einen "sauberen Diesel" bei der Politik Stimmung zu machen. Nach dem jüngst aufgeflogenen mutmaßlichen deutschen Auto-Kartell, hat sich die Branche selbst an die Wand gestellt. Und die fünf betroffenen Autohersteller VW, Daimler, Audi, Porsche sowie BMW üben sich zunächst einmal mehr im Schweigen oder halbherzigen Aussagen zu den Vorwürfen. BMW dementierte, mit dem Kartell zu tun zu haben. Ein Land nach dem anderen scheint nun Ernst zu machen, für Autos mit Verbrennungsmotoren das Ablaufdatum zu bestimmen. In vielen Städten gibt es bereits Sperren für Dieselautos. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Nun hat Großbritannien das Ablaufdatum für Verbrennungsmotoren definiert: Ab dem Jahr 2040 wird der Verkauf von Dieselfahrzeugen und Benzinern verboten. Die Emissionen und der Schaden für die Umwelt seien zu groß, sagte Umweltminister Michael Gove am Mittwoch dem Sender BBC. "Die Konservativen haben in ihrem Manifest versprochen, dass bis 2050 keine Diesel- oder Benzinfahrzeuge mehr auf unseren Straßen sind", sagte Gove.

Zum Klimaschutz sollten auch Hybrid-Autos, die sowohl über einen Elektro- als auch über einen Benzin- oder Dieselmotor verfügen, nicht mehr zugelassen werden, berichtete die "Times". Großbritannien will somit voll auf Elektroautos setzen.

Das bedeute, dass ab 2040 keine neuen Diesel- oder Benzinfahrzeuge mehr zugelassen werden sollten. Für Straßen mit besonders hohen Emissionen wolle die Regierung den lokalen Behörden 200 Mio. Pfund (224 Mio. Euro) zur Verfügung stellen. Er halte die Verbannung von Autos von Straßen mit besonders hoher Schadstoffbelastung für sinnvoller als ein generelles Fahrverbot etwa für Innenstädte.

Großbritannien plant somit wie Frankreich das Exit-Datum für Verbrennungsmotoren. Auch Frankreich plant ein Verbot von Diesel- und Benzinautos ab 2040.

Der Zugzwang

Die britischen Pläne mit dem Exit bei Verbrennungsmotoren und Forcierung von Elektroantrieben bringen nun auch deutsche Politiker von CDU und Linken auf den Plan. Sie wollen nun klare zeitliche Vorgaben für die Abkehr von Benzin- und Dieselautos auf deutschen Straßen definieren. "Den Abschied von der Verbrennungstechnologie werden wir kurzfristig einleiten müssen", sagte der CDU-Verkehrspolitiker Oliver Wittke.

Es gehe nicht an, dass Großbritannien hier den "Taktgeber" spiele, das europäische Automobil-Land schlechthin aber hinterherhinke, erklärte er im Deutschlandfunk. Deutschland müsse, nach Möglichkeit in Absprache mit seinen europäischen Partnern, hier eine verbindliche Absprache treffen. Der richtige Zeitpunkt für einen Ausstieg sei dabei noch zu klären.

Wittke äußerte sich mit Blick auf den Diesel-Gipfel von Politik und Autobauern Anfang August. Zu den Kartellvorwürfen gegen die führenden Hersteller forderte er volle Aufklärung. Wenn es Rechtsverstöße gegeben habe, müssten auch empfindliche Strafen verhängt werden. "Da wird kein Weg daran vorbeiführen."

Allerdings ist man sich bei der CDU offenbar noch uneins. Die deutsche Bundesregierung will den Weg der Briten oder Franzosen noch nicht mitgehen. "Ein Verbot von Dieselfahrzeugen und Benzinern steht derzeit nicht auf der Agenda der Bundesregierung", sagte eine Sprecherin der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Das deutsche Verkehrsministerium nannte Verbotspläne "fantasielos". Das Umweltministerium machte sich erneut für die stärkere Förderung von Elektro-Autos stark.

Auch der Linken-Verkehrspolitiker Herbert Behrens forderte im ARD-Morgenmagazin klare zeitliche Entscheidungen für eine Abkehr von fossilen Energieträgern im Verkehr. Zudem müssten die Kartellvorwürfe beim Diesel-Gipfel ins Zentrum gerückt werden. Wie beim Abgasskandal sehe er massive Verfehlungen der Politik im Umgang mit den Vorgängen.

Die deutschen Grünen wollen ab 2030 keine Diesel- oder Benziner mehr neu zulassen. "Während andere Länder wie Großbritannien aus dem fossilen Verbrennungsmotor aussteigen, versuchen CDU/CSU und SPD einen Schutzzaun um eine veraltete Technologie zu ziehen und so die Hersteller vom Innovationsdruck abzuschirmen", kritisierte Parteichef Cem Özdemir.

In Österreich forderte der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) heute einen Zeitplan für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor. "Der VCÖ hält es für realistisch, dass bereits ab dem Jahr 2030 keine Neuwagen mehr mit Diesel- oder Benzinmotor verkauft werden", so der Verkehrsclub.

Besonders die Diesel-Pkws stehen wegen des Stickoxid-Ausstoßes (NOx) allerdings auch in Deutschland unter Druck. Um drohende Fahrverbote in Kommunen zu verhindern, hat die Bundesregierung für kommenden Mittwoch Länder, Autobranche und Kommune zum "Nationalen Forum Diesel" geladen. Nach Reuters-Informationen aus Branchen- und Regierungskreisen soll dort eine Nachrüstung per Software für die Schadstoffnorm Euro-5 und Euro-6 beschlossen werden.

Dies würde sich europaweit auswirken, da sowohl deutsche als auch nicht-deutsche Hersteller sich darauf verpflichten wollen. In den von Fahrverboten bedrohten Regionen, wie etwa Stuttgart, sollen Fahrzeugdichte und Typen ermittelt werden, damit die NOx-Werte einer Überprüfung vor Gericht standhalten. Eingerichtet werden sollen zudem eine Reihe von Arbeitsgruppen, darunter eine mit dem Arbeitstitel "Transformation der Autoindustrie". Hier soll es um die Zukunft des Verbrennungsmotors und die Förderung der Elektromobilität gehen.

Der Diesel-Skandal

Der Diesel-Gipfel dürfe nicht die "alte Tagesordnung" verfolgen, nämlich Fahrverbot für Diesel zu vermeiden, sondern müsse über die neuen Vorwürfe gegen die Autokonzerne sprechen.

Mit Spannung darf man auf die Reaktion der Autoindustrie blicken, vor allem beim VW-Konzern und bei Daimler. Als wäre der Diesel-Skandal bei VW nicht genug, hat nun auch kürzlich Daimler sowie abermals Audi eine große Rückrufaktion gestartet. Mittels Software-Update soll der Ausstoß von Abgasen eingestellt werden. Millionen Autos müssen zurück in die Garage.

VW, Audi, Porsche, BMW und Mercedes-Benz stehen außerdem im Verdacht, seit mindestens der 90er-Jahren ein Auto-Kartell sich abgesprochen zu haben. Laut "Spiegel-Bericht" sollen die fünf Autohersteller in geheimen Zirkeln die Technik der Fahrzeuge, Kosten, Zulieferer, Märkte und Strategien abgesprochen haben. BMW hatte dementiert. Daimler soll bereits eine Selbstanzeige gemacht haben.

Die Aufsichtsräte der Autokonzerne Volkswagen und Daimler befassen sich am Mittwoch mit den Vorwürfen von rechtswidrigen Kartellabsprachen gegen die großen deutschen Autobauer.

Die Lanze für den Diesel

Daimler-Chef Dieter Zetsche will hingegen vom Diesl nicht abrücken. Er meinte mit einer Verbesserung der Diesel-Technik sei mehr zu erreichen als mit Fahrverboten. "Es lohnt sich, für den Diesel zu kämpfen", sagte Zetsche.

Gleichzeitig wollen die Schwaben ihre Palette an Elektroautos ausbauen. Daimler und Volkswagen haben im Vorjahr angekündigt bis zum Jahr 2025 rund ein Viertel ihres Pkw-Absatzes mit Elektroautos zu bestreiten. Nichtsdestotrotz sind sich vor allem die deutschen Autohersteller einig, auf die Nutzung der Verbrennungsmotoren zu beharren. Sie wollen weiterhin die von ihnen als "sauber" bezeichneten Dieselmotoren weiter entwickeln.

Nur Volvo hatte erst kürzlich angekündigt auf Verbrennungsmotoren aber dem Jahr 2019 zu verzichten und sich auf E-Motorentechnik zu stützen. Stattdessen will Volvo auf Hybrid- oder reine Elektro-Autos zu setzen. Porsche wiederum erwägt, bei künftigen Modellen auf die Diesel-Technik zu verzichten.

Europäische Autohersteller, allen voran, Daimler, BMW und der VW-Konzern, hatten zuletzt für Verbrennungsmotoren an höchster Stelle lobbyiert. Sie hatten dabei auch Warnungen an die Politik gerichtet, dass ein Verbot von Verbrennungsmotoren Zigtausende Jobs vernichten würde.

Neben Großbritannien und Frankreich hatte zuvor auch China das E-Auto forciert. Gezwungenermaßen. Denn China kämpft gegen die zuletzt massiv gestiegene Luftverschmutzung an, die Folge von Industrie- und Autoabgasen sind. An sonnigen Tagen sind etwas in chinesischen Metropolen mit Smogwolken verhangen.

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