Griechische Wirtschaft von Pleitewelle bedroht

Griechische Wirtschaft von Pleitewelle bedroht

Griechisches Olivenöl: Die Unternehmen leiden zunehmend unter der Bankenschließung.

Griechenland ist - vorübergehend - von der Pleite gerettet. Da droht bereits die nächste Gefahr: Laut Handelskammer würden reihenweise Unternehmen vor dem Aus stehen, wenn die Kapitalverkehrskontrollen weiter beibehalten werden. Firmen können Auslandsüberweisungen nur eingeschränkt tätigen, geliefert wird oft nur noch gegen Vorkasse.

Seit mehr als drei Wochen sind Kapitalverkehrskontrollen in Kraft und schnüren vielen international vernetzten Firmen die Luft zum Atmen ab: Wenn das bis Mitte August so weitergeht, stehen nach Ansicht der Handelskammer in Athen Unternehmen reihenweise vor dem Aus. In einem Brandbrief an das Finanzministerium machte Kammer-Präsident Konstantinos Michalos seinem Ärger nun Luft: "Wir müssen ihnen mitteilen, dass ein Großteil der griechischen Firmen kurz davor steht, den Betrieb einzustellen." Die Kontrollen waren Ende Juni eingeführt worden, um der Kapitalflucht einen Riegel vorzuschieben und ein Ausbluten des Finanzsystems zu verhindern.

Damals räumten viele Griechen ihre Konten aus Furcht vor einer Pleite des Landes leer, bereits im Februar bereitete die Kapitalflucht den Banken Probleme - da vertrauten die Griechen noch 185,2 Milliarden Euro den griechischen Banken an. Im Mai waren es nur noch 170,5 Milliarden Euro. Um die griechischen Banken vor einem Zusammenbruch zu bewahren, führte die Athener Regierung am 29. Juni Kapitalverkehrskontrollen ein. Täglich durften so nur 60 Euro pro Person abgehoben werden. Das Limit beim Geldabheben besteht nach wie vor, die Griechen können es aber gebündelt am Ende der Woche abheben.

Nun hat es aber wieder eine Perspektive in der Euro-Zone: Griechenland will sich in den anstehenden Detail-Verhandlungen bis zum 20. August ein bis zu 86 Milliarden Euro schweres Rettungspaket seiner Gläubiger sichern. Bis dahin müssen Hellas-Firmen wohl mindestens noch durchhalten. In einigen Staaten haben Kapitalverkehrskontrollen aber noch viel länger bestanden - so etwa in Zypern, wo sie 2013 eingeführt wurden und die letzten Beschränkungen erst dieses Jahr fielen.

Firmen gehen leer aus

Die Kontrollen in Griechenland könnten sich als Bumerang erweisen. Firmen, die Waren aus dem Ausland beziehen, können ihre Rechnungen seit Wochen nicht mehr begleichen. "Ein Riesenproblem in vielen Bereichen", klagte der Handelskammer-Chef. Nach der vorläufigen Einigung Griechenlands mit den Gläubigern samt Brückenfinanzierung seien die Firmen leer ausgegangen: "Das ganze Geld, das das Land nun bekommen hat, wurde für Gehälter von Staatsdienern und für Pensionäre ausgegeben, oder um die Bankautomaten aufzufüllen", so Michalos. Geldtransfers der Firmen seien dabei ausgespart worden.

Auch die Bürokratie bremst die Firmen offenbar aus. Auf Antrag kann Geld zwar trotz der Kapitalverkehrskontrollen ins Ausland transferiert werden. Doch die zuständige Kommission winkt diese nicht einfach durch. So hat ein Konzern aus der Nahrungsmittelbranche eine Auslandsüberweisung von 650.000 Euro beantragt. Bewilligt wurden jedoch nur 9000 Euro, wie Michalos erläuterte: "Das ist nicht lustig." Das betroffene Unternehmen gehöre zu den Schwergewichten auf dem Inlandsmarkt und müsse nun ernsthaft darüber nachdenken, die Produktion dichtzumachen.

Lieferung nur noch gegen Vorkasse

Viele Geschäftspartner im Ausland trauen den griechischen Firmen in Finanzdingen zudem nicht mehr über den Weg. Diese bittere Erfahrung machte auch die Einkaufsmanagerin von Pitsos, dem größten einheimischen Produzenten von Elektronikgeräten. Keine Schraube erhalte sie mehr ohne vorherige Zahlung, sagte Vasiliki Mourafeti: "Früher haben wir alle 14 Tage Ware erhalten. Jetzt heißt es: Griechenland ist pleite. Lieferung nur gegen Vorkasse."

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