Griechenland: Das Leben wird teurer

Griechenland: Das Leben wird teurer

Für zahlreiche Lebensmittel müssen die Griechen künftig tiefer in die Tasche greifen: Die Mehrwertsteuer wurde von 13 auf 23 Prozent erhöht.

Ob Kaffee im Supermarkt, das Moussaka im Restaurant oder die Fahrt mit dem Stadtbus: Das Leben für die griechische Bevölkerung wird teurer. Ab Montag gilt für bestimmte Lebensmittel ein Steuersatz von 23 statt wie bisher 13 Prozent. Die Erhöhung betrifft auch den öffentlichen Nahverkehr oder Taxifahrten. Die Steuererhöhungen sollen dem griechischen Staat bereits bis zum Jahresende 800 Millionen Euro zusätzlich einbringen, heißt es in der griechischen Finanzpresse.

Athen/Frankfurt Die griechische Bevölkerung bekommt ab Montag die Folgen des Sparkurses zu spüren: Die Mehrwertsteuer steigt für bestimmte Lebensmittel, Mahlzeiten in Restaurants und für öffentliche Verkehrsmittel auf 23 von 13 Prozent. Dies war eine der Forderungen der Geldgeber für ein neues Hilfsprogramm für das von der Pleite bedrohte Land. Die Mehrwertsteuererhöhung gilt nur für bestimmte Lebensmittel wie frisches oder tiefgekühltes Fleisch, Fisch, Kaffee, Tee oder Säfte, Eier, Zucker, Kakao, Reis, Mehl, Milchprodukte wie Eis und Joghurt ebenso wie für Kondome oder Toilettenpapier. Ebenso werden Restaurantbesuche, Taxifahrten oder Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr teurer. Dienstleister wie Bestatter oder Nachhilfelehrer trifft die Anhebung der Steuer ebenso. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen die Tickets für U-Bahnen und Fähren ebenfalls teurer werden.

Das Geld dafür sollte Dank eines Brückenkredits der Eurogruppe in der Höhe von sieben Milliarden Euro vorhanden sein. Nach einer dreiwöchigen Pause öffneten am Montag die Banken in Griechenland wieder. Vor den Filialen bildeten sich Schlangen, weil viele Kunden an den Schaltern ihre Bankgeschäfte erledigen wollen. Der Kapitalverkehr bleibt jedoch vorerst weiter beschränkt. Das heißt, die Griechen können zwar Schecks einlösen, Überweisungen tätigen, Geld ohne Bankkarte abheben und zu ihren Schließfächern gelangen. Doch es gilt weiterhin ein Tageslimit von 60 Euro. Die Kunden können aber am Freitag gebündelt 300 Euro abheben, falls sie in den Tagen zuvor nichts abgehoben haben.

Am heutigen Montag hat die griechische Regierung nach Angaben aus Ministeriumskreisen die Rückzahlung der fälligen Schulden an den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank (EZB) eingeleitet. "Die Zahlung hat begonnen", hieß es aus Kreisen des Finanzministeriums in Athen. Am Montag waren Zahlungen von 4,2 Mrd. Euro an die EZB und von 2 Mrd. Euro an den IWF fällig.

Kein Bankensturm

Einige griechische Banken verteilen Wartemarken für ihre Kunden, berichtete n-tv in einem Beitrag aus Griechenland. Doch obwohl einige Warteschlangen zu sehen sind, könne von einem Bankensturm keine Rede sein: "Wozu auch?", meinen viele Griechen. "Es gibt ja nicht viel, was Du da drin tun kannst." Auch die Banken selbst rechneten mit keinen Problemen.

Die Chefin des griechischen Bankenverbandes rief am Wochenende die Griechen auf, ihr Geld wieder auf ihre Konten einzuzahlen. Damit könne die Liquidität der Wirtschaft gestärkt werden, sagte Louka Katseli im TV-Sender Skai.

Die Euro-Finanzminister hatten am Freitag den Start neuer Verhandlungen über ein weiteres Hilfspaket gebilligt. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte unterdessen klar, dass sie keine weitere Debatte über ein mögliches Ausscheiden des Landes aus der Eurozone will. Auch einen Erlass griechischer Schulden lehnte sie erneut ab. Dies galt auch als Fingerzeig in Richtung des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble, der einen vorübergehenden "Grexit" verbunden mit einem Schuldenschnitt ins Spiel gebracht hatte.

Die nächsten Akten im griechischen Schuldendrama

313 Milliarden Euro Schulden

Griechenland ist mit 313 Milliarden Euro verschuldet und steht kurz vor der Pleite. Das neue Hilfspaket soll nach bisherigen Planungen bis zu 86 Milliarden Euro für drei Jahre umfassen. Im Gegenzug muss Athen harte Spar- und Reformauflagen erfüllen. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer war vor wenigen Tagen von einer Mehrheit der Abgeordneten gebilligt worden und ist eine der Voraussetzungen für den Beginn der Verhandlungen.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist zwar nach eigenen Worten nicht überzeugt, dass die zugesagten Spar- und Reformmaßnahmen seinem Land aus der Krise helfen werden. Aber er will das Programm dennoch umsetzen. Gegner der Auflagen entließ er aus seiner Regierung und ersetzte sie durch enge Mitarbeiter. Die neuen Minister wurden am Samstag vereidigt.

Am Mittwoch muss das Parlament weitere Reformgesetze beschließen. So sollen Gerichtsverfahren beschleunigt und die Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Banken umgesetzt werden.

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