Gedämpfte Hoffnung vor Treffen der EU-Finanzminister

Gedämpfte Hoffnung vor Treffen der EU-Finanzminister

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis bei seinem letzten Besuch in Brüssel am 5. Mai. Am Montag reist er wieder in die belgische Hauptstadt zum Treffen der EU-Finanzminister. Laut Varoufakis könnte eine Einigung "in den kommenden Tagen" folgen.

"Wichtig, aber nicht entscheidend", sei dieses Treffen der EU-Finanzminister am Montag in Brüssel, sagte der französische Finanzminister Michel Sapin. Seit Monaten wird über Reformen gestritten, damit Griechenland weitere Finanzhilfen bekommt. Die Hoffnung auf eine Einigung ist aber gedämpft. An den Börsen sorgen Spekulationen über ein "Grexit" - also ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone - für sinkende Kurse.

Die griechische Regierung hat nach Darstellung von Finanzminister Yanis (Gianis) Varoufakis alles getan, um eine Einigung mit der Eurogruppe am Montag zu erzielen. Jetzt müssten die Geldgeber den politischen Willen dazu zeigen, sagte Varoufakis kurz vor seiner Abreise zum Treffen der Eurogruppe am Nachmittag in Brüssel. EU-Kommissar Günther Oettinger sieht hingegen Athen am Zug: "Ich erwarte in den nächsten Tagen ein echtes Entgegenkommen, dass Griechenland bereit ist, auf den Reformpfad zurückzukommen."

Varoufakis rechnete selbst allerdings nicht mit einer Einigung noch am Montag: "Es wird (heute) schwierig sein", sagte er. Das (die Einigung) könnte "in den kommenden Tagen" folgen. "Die Regierung hat alles Menschenmögliche getan. Die Lösung ist sichtbar", sagte Varoufakis. Ohne ein umfassendes und fest vereinbartes Reformpaket, um das seit dem Antritt der neuen Regierung in Athen gerungen wird, wollen die Geldgeber blockierte Kredithilfen von 7,2 Mrd. Euro nicht an das pleitebedrohte Land auszahlen.

Vor dem Treffen der EU-Finanzminister will sich der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble mit seinem griechischen Kollegen Yanis Varoufakis treffen. Die Finanzminister wollen am Nachmittag in Brüssel die Fortschritte Griechenlands im Tauziehen um ein Reformpaket bewerten.

Ganz gleich, wie das Treffen der Finanzminister ausgeht, Griechenland will eine am Dienstag anstehende Zahlung von 750 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht vom Ergebnis des Treffens abhängig machen. Griechenland wolle alle seine Verpflichtungen erfüllen, sagte der griechische Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis am Montag in Athen. Im Juni werden weitere 1,5 Milliarden Euro für einen IWF-Kredit und im Juli drei Milliarden eines Darlehens der Europäischen Zentralbank (EZB) fällig.

Sapin: Fortschritte reichen noch nicht für einen Abschluss aus

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner sagte, Griechenland müsse nun zeigen, dass es zu seinen Versprechungen stehe und die europäischen Partner nicht immer wieder hinhalte. "Die Bereitschaft, sich das noch länger anzuhören ohne Gegenleistungen, die sinkt", sagte sie. "Es gab viele Handreichungen."

Im Schuldenstreit Griechenlands mit seinen Gläubigern hat Frankreich vor dem Euro-Finanzministertreffen vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Das Treffen an diesem Montag sei "wichtig, aber nicht entscheidend", sagte Finanzminister Michel Sapin. Es habe zwar Fortschritte gegeben, doch reichten diese noch nicht für einen Abschluss aus. Es würden noch "einige Tage oder Wochen" bis zu einem Abkommen vergehen. Er habe aber keinen Zweifel daran, dass auf beiden Seiten der politische Wille vorhanden sei. Ob bei dem Ministertreffen in Brüssel eine gemeinsame Erklärung zu erwarten ist, ließ er offen. "Es bleibt ein komplexer und heikler Prozess. Auf der griechischen Seite herrscht Anspannung", sagte Sapin.

"Grexit"-Spekulationen drücken Börsen

Die drohende Pleite Griechenlands und das mögliche Ausscheiden des Landes aus der Euro-Zone ("Grexit") haben am Montag für Unruhe an den europäischen Börsen gesorgt. Der Dax büßte 0,3 Prozent auf 11.679 Punkte ein, der EuroStoxx50 verlor 0,6 Prozent auf 3627 Zähler. Auch Anleihen und der Euro gingen auf Talfahrt.

Vom aktuellen Treffen der Finanzminister der Eurogruppe erwarte zwar kaum jemand größere Fortschritte bei der Lösung des Schuldenstreits zwischen Griechenland und seinen Geldgebern, sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. "Aber die Leute sind sich sehr bewusst, dass Griechenland die Zeit davonläuft. Um eine Insolvenz Griechenlands zu verhindern, müssen früher oder später große Schritte in Richtung einer Einigung gemacht werden."

Der Athener Leitindex fiel zeitweise um vier Prozent, auch Staatsanleihen warfen Investoren aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der zweijährigen Titel um rund einen halben Punkt in die Höhe auf knapp 21 Prozent. Der Bund-Future rutschte um bis zu 99 Ticks auf 153,77 Zähler ab. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen, auf denen der Terminkontrakt basiert, auf 0,565 Prozent. Vor wenigen Wochen hatte sie noch bei 0,05 Prozent gelegen. Der Euro verbilligten sich um mehr als eine halben US-Cent auf 1,1140 Dollar.

Dritter Markt: So locker sind die Vorschriften für Börsenkandidaten

Geld

Dritter Markt: So locker sind die Vorschriften für Börsenkandidaten

Eigentumswohnungen 2018: Steigende Preise, trotz weniger Verkäufe

Geld

Eigentumswohnungen 2018: Steigende Preise, trotz weniger Verkäufe

Austria-Präsident Hensel: "Von Red Bull Salzburg kann man viel lernen"

Wirtschaft

Austria-Präsident Hensel: "Von Red Bull Salzburg kann man viel lernen"