Green Transformation: Wie sich die Öffis wappnen

Die Europäische Union hat sich dazu verpflichtet, den Kontinent bis 2050 klimaneutral zu machen. Österreich will dieses Ziel schon bis 2040 erreichen, betonte Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Rahmen des Austrian World Summit. Besonders betroffen ist die Transportbranche.

Thema: Management Commentary
Dietrich Dreesen, Horváth & Partners Düsseldorf

Dietrich Dreesen, Horváth & Partners Düsseldorf

Im Gefolge der Corona-Pandemie und der damit beschleunigten Transformation hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt, die Klimaziele für 2030 auf mindestens 55 Prozent CO2-Reduktion (statt bisher geplant 40 Prozent) anheben zu wollen. Die meisten EU-Staaten können diesem Anliegen folgen, so hat auch Deutschland zuletzt seine Klimaschutzziele deutlich hochgeschraubt.

Für die Transportbranche, insbesondere den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), hat dies enormen Veränderungsdruck zur Folge. Zwar sind die Öffis schon deutlich sparsamer, energie-effizienter und klimafreundlicher geworden, jedoch ist das „grüne Potenzial“ bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Flotten wie Infrastruktur müssen modernisiert, Dieselfahrzeuge rascher als geplant ausgetauscht werden. Nur so können sie einen wesentlichen Beitrag zur gewünschten Energiewende leisten.

Hinzu kommt: Die verschärften Dieselfahrverbote und Feinstaubbelastungs-Obergrenzen in vielen deutschen Innenstädten stellen ÖPNV-Unternehmen vor die Frage, welche Technologien sie jetzt alternativ am besten nutzen sollen. Neben Elektromobilität bietet „grüner“ Wasserstoff eine effiziente Möglichkeit, den Wandel zu beschleunigen und den Kern der Mobilitätsangebote zu revolutionieren.

Der öffentliche Nahverkehr wird jedenfalls eine zentrale Rolle bei der Etablierung klimaneutraler Transportlösungen einnehmen. Vor allem durch den Einsatz grüner Wasserstoff-Technologien können ÖPNV-Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten und ihre Attraktivität gegenüber konventionellen Transportmitteln steigern. Strategisch geht es vor allem um die Reduktion des konventionellen, motorisierten Individualverkehrs.

Optionen für die „Green Transformation“

Aber mit welchen Strategien und Geschäftsmodellen sollen die Öffis nun fahren? Die Inbetriebnahme neuer Transporttechnologien und –services allein wird wohl nicht ausreichen. Mittelfristig muss auch die Finanzierbarkeit und Kosteneffizienz für alle Beteiligten sichergestellt werden. Darüber hinaus wird es nicht ohne starke, teilweise auch bereichsübergreifende Partnerschaften gehen.

Klar ist, dass sich damit auch das Rollenverständnis von ÖPNV-Unternehmen und deren Positionierung im Verkehrsumfeld erneuern muss. Wie möchte man künftig wahrgenommen werden? Als „Green Transformation Leader“ oder bloß „Follower“, als Infrastruktur-Provider z.B. für Wasserstofftankstellen, oder lediglich als „Infrastruktur-Nutzer“? Wollen die Öffis künftig in der Kundenwahrnehmung als Trendsetter und Promotor neuer Transportmittel auftreten oder als „Hüter der konventionellen Dienste“.

Transformationsprozess läuft bereits

Ein Blick in die Praxis macht deutlich, dass der Transformationsprozess bereits im Gange ist und erste Anbieter in die Pole Position gehen. So erprobt der Rhein-Main-Verkehrsverbund bereits den Einsatz von Wasserstoffbussen und Zügen, und der Regionalverkehr Köln den Regelbetrieb von Brennstoffzellen-Hybridbussen. Auch in St. Pölten und Graz wird bereits eifrig getestet. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass Anschaffungs- und Betriebskosten wasserstoff-betriebener Fahrzeuge mit konventionellen Transportmitteln mithalten können.

Fazit: Wasserstoffbetriebene Züge und Busse werden über kurz oder lang Einzug in den öffentlichen Personennahverkehr halten. Für ÖPNV-Entscheider gilt es daher schon jetzt, passende Lösungsansätze zur Bewältigung der Energiewende zu entwickeln und technologische Innovationen zu forcieren. Durch ein koordiniertes Vorgehen innerhalb und über die regionalen Netzwerke hinaus können Öffis diesen Wandel meistern.


Über den Autor

Dietrich Dreesen ist Berater im Competence Center Transportation, Travel and Logistics bei der Managementberatung Horváth & Partners Düsseldorf.
E-Mail: ddreesen <AT> horvath-partners.com


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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