Google wird 20 - Auf dem Weg zur 1000-Milliarden-Dollar-Company

Google wird 20 - Auf dem Weg zur 1000-Milliarden-Dollar-Company

20 Jahre nach Gründung ist Google eine Milliarden-Dollar-Company - bei Umsatz, Gewinn und Kartellstrafen.

20 Jahre nach der Gründung macht sich Google auf den Weg eines der teuersten Unternehmen zu werden. Die 1000-Milliarden-Dollar-Grenze ist noch etwas entfernt. Der Konzern macht derweil über 100 Milliarden Dollar Umsatz. Unterm Strich bleibt trotz Kartellstrafen in Milliardenhöhe immer noch ein satter zweistelliger Milliardengewinn übrig, der um ein Drittel zurückgegangen ist.

Mountain View. Heute genau vor 20 Jahren haben Larry Page und Sergey Brin mit ihrer Suchmaschine Google das gleichnamige Unternehmen Google gegründet. Ein Grund: Sie wollten Ordnung in das damals schwer überschaubare Internet bringen. Was sich damals noch zunächst als Projekt anfühlte, das die beiden Gründer entwickelten, hat über die vergangenen 20 Jahre zu einem schlagkräftigen Konzern geführt, der bei der Internetsuche und vor allem bei Internetwerbung sich zu einem Unternehmen entwickelt hat, das eine Monopolstellung bekommen hat.

Mit der Internet-Suchmaschine ist Google nicht als erster an den Start gegangen. Die gab es schon vor Google. Aber es war der neue Ansatz der Gründer Page und Brin, der Google schnell nach vorn brachte. Ihre Idee: Nicht ein redaktionell gepflegter Web-Katalog sollte es sein, sondern eine smarte Suchmaschine. Die Relevanz einzelner Webseiten zeigt sich darin, wie oft auf sie verlinkt wird ("Page Rank").

Google hat die Welt verändert. Das sekundenschnelle Auffinden von Informationen im Internet ist in den vergangenen 20 Jahren dank der berühmten Formel des Konzerns zur Selbstverständlichkeit geworden. Und die Nutzer geben freiwillig ihre individuellen Daten an Google weiter, das auf den Servern die Nutzerdaten auswertet und zielgerichtet nutzt. Und damit freilich viel Geld verdient.

Damit einher geht aber auch die beispiellose Ansammlung von Informationen in der Hand eines Unternehmens - und eine Marktmacht, die vor allem in Europa verstärkt Aufseher auf den Plan ruft. Google sammelt alles, was es über die Nutzer zu sammeln gibt. Und was dieser freiwillig weitergibt. So hat Google über Jahre hinweg unzählige Projekte gestartet, viele davon auch wieder eingestellt. Neben der Internetsuch hat der Suchmaschinenkonzern unter anderem das Betriebssystem Android entwickelt, das auf gut 80 Prozent aller Smartphones der Hersteller installiert ist. Und Google permanent mit Daten versorgt. Das Betriebssystem zählt daher auch zu den wichtigsten Produkten, die aus dem Hause Google entwickelt wurden, weil das Produkt damit permanent, 24/7, also 24 Stunden und sieben Tage die Woche von seinen Nutzern verwendet wird.

Die Weiterentwicklung des Milliardenkonzerns ist freilich voll im Gange. Mit Künstlicher Intelligenz (KI), selbstfahrenden Autos und Gesundheitsforschung wollen Google und die Konzernmutter Alphabet außerdem bei vielen Zukunftstechnologien den Ton angeben. Und der Kern des Geschäfts ist und bleibt sammeln, interpretieren und vergolden von Daten der Nutzer, die gegen freie, kostenlose Nutzung von Google-Produkten im Gegenzug ihre Daten Google überlassen.

Inzwischen spielen im von vielen Mitarbeitern weiterentwickelten Google-Algorithmus hunderte weitere Faktoren mit. Die erste Version ihrer Suchmaschine, die zunächst BackRub hieß, programmierten Page und Brin ab 1996 noch zuhause. Relativ schnell wurde sie in Google umbenannt - eine Anspielung auf das Wort "Googol", die mathematische Bezeichnung für eine 1 mit 100 Nullen.

Um einem Scheck über 100.000 Dollar (aktuell 86.000 Euro) von Sun-Microsystems-Mitgründer Andreas von Bechtolsheim einlösen zu können, wurde Google schließlich am 4. September 1998 als Unternehmen registriert. Die Mission: Alle Informationen auf der Welt zu ordnen und für alle zugänglich zu machen. Das Credo, das inzwischen kaum noch Erwähnung findet: "Don't be evil" - tu nichts Böses. Als erstes Büro suchten sich Page und Brin standesgemäß eine Garage im Herzen des Silicon Valley. Ihre Vermieterin, Susan Wojcicki, führt heute die Videotochter YouTube.

Die Youngsters

Page war der erste Chef des Unternehmens - doch den Investoren war nicht wohl dabei, das schnell wachsende Geschäft den beiden noch nicht einmal 30-jährigen Gründern zu überlassen. So wurde 2001 der erfahrende Manager Eric Schmidt als eine Art "Erwachsenenaufsicht" zu Google geholt. Für zehn Jahre, bis ein gereifter Page wieder das Steuer übernahm, wurden die Geschicke von einer Art "Troika" gelenkt. Schmidt war zwar der Konzernchef - aber die Gründer hatten zum Beispiel die Freiheit, das Start-up hinter dem heute dominierenden Smartphone-System Android zu kaufen, wie er sich später erinnerte.

Genauso ausgefeilt wie der Suchmaschinen-Algorithmus war auch die Google-Idee, wie man damit Geld verdienen kann: mit kleinen Anzeigen im Umfeld der Treffer - die dazu passen, wonach der Nutzer sucht. Bezahlt werden muss nur, wenn die Werbung auch angeklickt wird, und der genaue Preis wird in einem Auktionsverfahren festgelegt.

Mit solchen Mini-Deals kann man mit der Größe von Google Milliarden scheffeln. Die Such-Anzeigen gelten bei allen neu dazu gekommenen Aktivitäten nach wie vor als die Basis des Geschäfts von Google - und auch von Alphabet insgesamt. Im vergangenen Quartal erzielte die Konzernmutter insgesamt einen Umsatz von 32,6 Mrd. Dollar (28 Mrd. Euro), davon waren gut 28 Milliarden Werbeerlöse von Google.

Die Geldmaschine

Im gesamten Jahr 2017 hat Google einen Umsatz in der Höhe von 110,85 Milliarden Dollar erzielt. Unterm Strich bleiben immerhin 12 Milliarden Dollar Gewinn übrig. Im Jahr 2016 hatte Google noch 19,478 Milliarden Dollar Profit gescheffelt bei einem Umsatz in der Höhe von "nur" 90,3 Milliarden Dollar. In den beiden ersten Quartalen des Jahres 2018 hat Google einmal mehr gegläzt: Im Jahresabstand hat die US-Company den Umsatz um 23 Prozent auf 32,6 Mrd. Dollar gesteigert. Der Quartalsgewinn (Net Income ist allerdings um 3,9 Prozent auf 3,1 Mrd. Dollar zurückgegangen. Hingegen hat Google die Belegschaft weiter vergrößert: Binnen Jahresfrist die Belegschaft um 13.452 Mitarbeiter (plus 18 Prozent) auf 89.058 Mitarbeiter erhöht.

Die nächste Dimension, eine 1000-Milliarden-Dollar-Company zu werden, was den Marktwert an der Börse anbetrifft, hat Google indes noch nicht erreicht. Das Unternehmen ist derzeit rund 858,64 Mrd. Dollar wert. Die Google-Aktie (Alphabet Inc. C - ISIN US02079K1079) notierte am Montag mit 5,8 Prozent nachbörslich im Plus bei 1224 Dollar.

Apple hatte Anfang August die Schallmauer durchbrochen und ist gemessen nach Börsenwert mit 1,09 Mrd. Dollar das weltweit wertvollste börsennotierte Unternehmen. Amazon ist die Nummer zwei mit 979,5 Mrd. Dollar. Nummer Drei ist Google (Alphabet) mit 858,6 Mrd. Dollar. Analysten rechnen sowohl bei Amazon als auch bei Google, dass beide Unternehmen in den kommenden Monaten die 1000-Milliarden-Dollar Marke erreichen werden.

Die Verbreiterung des Portfolios

Schon in den ersten Jahren wurde klar, dass sich die Ambitionen von Google nicht nur auf die Internet-Suche beschränken. Getreu dem Ziel, alle Informationen der Welt zu organisieren, fing man damit an, in großem Stil Bücher einzuscannen. Bei dem Projekt holten sich die Google-Gründer mit ihren Weltverbesserer-Absichten zum ersten Mal eine blutige Nase. Autoren und Verleger sahen Urheberrechte verletzt und ihr Geschäft bedroht, zogen vor Gericht. Google Books kam danach nur zäh voran.

Weitere Konflikte folgten. Medienhäuser warfen Google vor, mit der kostenlosen Verbreitung von Nachrichten ihre Geschäftsgrundlage zu zerstören. Bewertungsdienste wie Yelp kritisierten, die Suchmaschine sauge ihre Inhalte ein - wodurch die Nutzer bei Google hängen blieben. Preissuchmaschinen sahen sich benachteiligt.

Der unfaire Wettbewerb

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager griff bereits zwei Mal hart durch. 2017 gab es mit dem Vorwurf des unfairen Wettbewerbs bei der Shopping-Suche eine Strafe von 2,4 Mrd. Euro. In diesem Juli folgte die Rekordstrafe von 4,34 Mrd. Euro für Googles Gebaren bei Android. Die Beträge verdaute Google mit Leichtigkeit - die Forderung, auf der Mobil-Plattform mehr Konkurrenz zuzulassen, könnte aber zur Bombe unter dem bisherigen Android-Geschäft werden.

Und immer wieder kommen Datenschutz-Ängste auf. Weiß Google inzwischen zu viel über seine Nutzer? Die Idee der Computer-Brille Google Glass scheiterte letztlich auch an der Sorge, ihre Träger könnten andere unbemerkt filmen. Erst vor wenigen Wochen musste sich der Konzern dafür rechtfertigen, dass Android-Telefone ständig Ortungsdaten speichern - selbst wenn die Anwender das nicht möchten.

Der Internet-Konzern bittet die Nutzer um noch mehr Informationen: Der sprechende Google Assistant ist erst dann besonders nützlich, wenn er sich genau auf den jeweiligen Menschen einstellen kann. Wie weit Google bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ist, zeigte der Konzern im Frühjahr mit dem Dienst Duplex, der menschliche Sprache bis hin zu natürlich klingenden "Ähms" imitieren kann. Neben Bewunderung für die Leistung der Google-Entwickler löste das auch Sorgen vor einem Vormarsch der Sprach-Roboter aus.

Wenige Tage vor dem Google-Geburtstag machte US-Präsident Donald Trump noch eine Front auf. Trump googelte Nachrichten über sich selbst, fand angeblich lauter negative Schlagzeilen. Er warf Google daraufhin vor, die Auswahl zu seinen Ungunsten zu manipulieren.

Das werde Konsequenzen haben, folgte eine kaum verhohlene Drohung. Google wies die Vorwürfe zurück. Man kann aber davon ausgehen, dass die Republikaner das Thema bei der nächsten Senatsanhörung der Internet-Konzerne am 5. September wieder auf den Tisch bringen.

Die Aktie

Google (heute Alphabet Inc. C - US02079K1079) notiert seit 18. August 2004 an der US-Börse Nasdaq. Dem Börsengang waren einige Pannen vorausgegangen, an dem auch die beiden Gründer nicht ganz unbeteiligt waren. Sie hatten ausgerechnet in einem Interview mit dem "Playboy" recht offenherzig zum bevorstehenden Börsegang Details ausplaudert, die sogar die Börsenaufsicht auf den Plan gebracht hatte.

Ursprünglich wurde für den Ausgabepreis der Google-Papiere eine Handeslspanne von 108 bis 135 Dollar kalkuliert. Zum Börsendebüt gingen die Google-Papiere dann aber mit 85 Dollar an den Start, um gleich am ersten Handelstag um 18 Prozent auf 100,34 Dollar zuzulegen. Heute notiert die Aktie bei 1224 Dollar. Nachbörslich konnten die Papiere am Geburtstag bereits um 5,8 Prozent zulegen.

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