Time to say goodbye: Siemens steigt bei Osram aus

Time to say goodbye: Siemens steigt bei Osram aus

Nach fast 100 Jahren Ehe ist die Trennung von Siemens und Osram perfekt. Siemens hat die letzten noch verbliebenen 18 Millionen Osram-Aktien um insgesamt 1,18 Milliarden Euro verkauft. Die Beteiligung an dem Leuchtmittelhersteller wurde im Siemens-Konzern schon lange nicht mehr als strategisch wichtig gesehen.

Sie sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen, haben Krisen, Kriege und Katastrophen gemeistert, das Wirtschaftswunder mitgetragen und sind heute international bekannt und gut positioniert. Die Rede ist von Siemens und Osram. 97 Jahre lang waren die beiden Konzerne miteinander verbunden. Doch das ist Geschichte. Siemens zog einen Schlussstrich unter die knapp ein Jahrhundert währende Beziehung.

Nach 97 Jahren gehen Siemens und der Leuchtmittel-Konzern Osram endgültig getrennte Wege. Der Münchner Industriekonzern verkaufte seine restlichen Anteile an Osram über Nacht für 1,18 Milliarden Euro an institutionelle Investoren. "Das ist der richtige Zeitpunkt dafür. Osram steht jetzt auf eigenen Füßen", sagte ein Siemens-Sprecher.

Als strategisch galt die Beteiligung an der früheren Tochter längst nicht mehr. Für das Traditionsunternehmen Osram ist der Ausstieg von Siemens ein doppelter Befreiungsschlag: Zum einen endet damit der Streit mit dem Großaktionär um die Strategie, der im vergangenen Jahr eskaliert war. Zum anderen ist mit dem Verkauf über die Börse zunächst die Gefahr gebannt, dass die Aktien an einen chinesischen Interessenten gehen.

Gut für Osram

"Das ist eine gute Nachricht für Osram", sagte ein Insider, der Osram beim Kampf gegen eine Übernahme beraten hat. "Für Siemens ist der Ausstieg nur konsequent." Die Osram-Aktie fiel um mehr als vier Prozent auf 64,35 Euro. Das liege auch daran, dass die Platzierung der 18,16 Millionen Siemens-Papiere alle Spekulationen über den Verkauf an einen strategischen Investor zunichte mache, erklärten die Analysten von Morgan Stanley. Siemens hielt zwar nur noch rund 17,5 Prozent der Anteile. Diese hätten aber auch der Grundstock für einen potenziellen Käufer sein können.

Vor einem Jahr hatte das Interesse chinesischer Investoren Osram-Aktien auf Rekordhochs getrieben. Sie waren allerdings bei Arbeitnehmervertretern und in der Politik auf Widerstand gestoßen und hatten Insidern zufolge daraufhin ihr Interesse verloren.

Börsenwert verdreifacht

Seit der Abspaltung von Siemens vor vier Jahren und dem Gang an die Börse hat sich der Aktienkurs von Osram (DE000LED4000) fast verdreifacht. Siemens (ISIN DE0007236101) verkaufte seine verbliebenen Aktien nun zu je 65,05 Euro, ein Abschlag von drei Prozent zum Schlusskurs vom Mittwoch. Beim Börsengang selbst hatte Siemens nichts verdient, sondern die Aktien den eigenen Anteilseignern einfach in die Depots gebucht. Bei Osram eingestiegen war Siemens 1920. Damals hatten die drei führenden deutschen Glühlampenhersteller ihre Anteile gebündelt. Seit 1978 gehörte Osram Siemens komplett.

Osram dankte dem scheidenden Großaktionär in einer knappen Mitteilung "für die Begleitung und die Rolle als Ankeraktionär in der Zeit seit dem Börsengang und während unserer Transformation zum Hightech-Unternehmen". Über diesen Kurswechsel war es allerdings zum Zerwürfnis gekommen. Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hielt den Ausstieg aus dem einstigen Kerngeschäft mit Glühlampen und den damit verbundenen Abschied vom Privatkunden-Geschäft für zu riskant. Auf der Hauptversammlung 2016 hatte der Großaktionär Osram-Chef Olaf Berlien sogar offen das Vertrauen entzogen. Berlien setzt ganz auf das einträglichere Geschäft mit LED-Technik - etwa für Smartphones - und mit der Autobranche.

Wirtschaft

Nach Betrugsaffäre: FACC klagt Ex-Vorstände

Wirtschaft

In den Casinos läuft die Kugel nicht rund

Die KTM-Fahrrad-Chefinnen: Johanna Urkauf (29) ist seit 2018 Geschäftsführerin beim größten Fahrrad-und E-Bike-Hersteller Österreichs. Carol Urkauf-Chen (62) zieht aber vorerst weiterhin die Fäden im Unternehmen.

Wirtschaft

KTM gegen KTM: Fahrradschlacht in Mattighofen