Goodbye, Europe: GM mit Opel-Verkauf vor Strategieschwenk

Opel-Zentrale in Rüsselsheim

Opel-Zentrale in Rüsselsheim

GM hielt bisher auch wegen Technik-Know-How an Opel fest, doch jetzt könnte ein chinesischer Partner diese Rolle übernehmen. Kleinwagen aus Europa sind für GM-Chefin nicht mehr die Zukunft.

GM -Chefin Mary Barra verspricht dem Traditionskonzern aus Detroit schon seit längerem den ganz großen Wurf: Damit General Motors bei den Umwälzungen in der Fahrzeugbranche nicht unter die Räder komme, müsse sich das Unternehmen mit durchschlagenden Erfolgen fit für die Zukunft machen, lautet ihr Credo. Im Blick hatte Barra dabei eigentlich technologische Neuerungen, die die Opel-Muttergesellschaft nach vorn katapultieren sollen. Doch mit dem geplanten Verkauf der Rüsselsheimer Tochter könnte Barra ihr Versprechen nun ganz anders einlösen - aber mit viel größerer Tragweite. Schließlich wäre der Abschied von Opel nicht nur eine gewagte Abkehr von Europas Automarkt, sondern auch der Startschuss für einen umfassenden Strategiewechsel bei GM - hin zu einem kleineren, aber rentableren Konzern.

General Motors würde mit der Veräußerung von Opel an den französischen Rivalen Peugeot nämlich nichts weniger aufgeben als den Anspruch, in allen großen Märkten ganz vorn mitzumischen und mit Toyota und Volkswagen um den Titel des absatzstärksten Herstellers weltweit zu buhlen. An diesem Ziel hatte GM auch auf dem Tiefpunkt seiner Geschichte - der Insolvenz in der Weltwirtschaftskrise von 2009 - festgehalten, als Opel schon einmal kurz vor dem Rauswurf aus dem Imperium der Amerikaner stand. Ein Verkauf an den kanadischen Zulieferer Magna war damals so gut wie besiegelt, als der US-Konzern noch unter anderer Führung überraschend doch noch einen Rückzieher machte. Einer der Gründe: GM brauchte das technische Know-How der Deutschen bei der Entwicklung von Klein- und Mittelklassewagen für die Märkte in den USA und Asien.

Doch 2017 blickt GM-Chefin Barra auf eine ganz andere Autowelt. Darin werden kleinere Modelle sowohl in den USA als auch in China von der wachsenden Popularität größerer Geländewagen geradezu überrollt. Zudem werden in Europa konzipierte Autos durch immer schärfere Umweltschutz- und Sicherheitsauflagen so teuer, dass sie Analysten zufolge außerhalb des Kontinents schwer zu verkaufen sind. Kleinwagen aus Europa sind also nur noch am Rand von Barras Radar.

Kleinwagen-Entwicklung mit Shanghai Automotive

Aber nicht nur bei der Nachfrage, auch bei der Entwicklung kann die Frau am Steuer von GM nach anderen Koordinaten navigieren: Längst lässt die 55-Jährige ihre eigenen Tüftler eine neue Serie günstiger Modelle für Asien und Lateinamerika in Zusammenarbeit mit Chinesen entwickeln. Dabei hat der GM-Partner Shanghai Automotive Industry die Ingenieurskunst inzwischen offenbar so weit perfektioniert, dass das Unternehmen nach Barras Kalkül Opel als Technologie-Lieferanten ersetzen könnte.

Mit dem Verkauf von Opel und dem damit verbundenen Rückzug aus Europa würde Barra andere Ziele als Produktionszahlen und Marktmacht in den Mittelpunkt rücken - nämlich die Rendite und die Zukunftsperspektive. Rentabilität ist für GM in Europa ein Fremdwort, obwohl die Amerikaner hier seit 2012 mehr als eine Milliarde Dollar in den Umbau investiert haben. Doch Opel und die britische Schwesterfirma Vauxhall schreiben weiter rote Zahlen. Ohne die defizitären Europa-Töchter könnte die GM-Chefin Investoren mehr bieten, etwa mehr Mittel für Aktienrückkäufe.

Dafür würde sie GM zwar zu einem kleineren Konzern mit Schwerpunkt auf den Heimatmarkt zurechtstutzen, sich aber zugleich auf Wachstumsmärkte wie China und einige andere Schwellenländer konzentrieren können. Für Analyst Brian Johnson von der Großbank Barclays entspricht dies einer zentralen Lehre - Verlagerung des Kapitals weg von unattraktiven Märkten mit schwacher Wettbewerbsposition hin zu attraktiven Märkten mit hohem Potenzial.

Starbucks - einer der US-Konzerne, die in Europa bisher praktisch keine Stueren gezahlt haben.

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