Glyphosat: Mehrheit im Nationalrat für Verbot

Glyphosat: Mehrheit im Nationalrat für Verbot

Das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat dürfte in Österreich bald verboten werden. Die SPÖ wird einen Antrag dafür einbringen, den die FPÖ unterstützen will. Umweltorganisationen sind erfreut, die Industrie verärgert.

Das umstrittene Spritzmittel Glyphosat, das unter anderem im Spritzmittel "Roundup" (siehe Bild) von Monsanto enthalten ist, steht vor einem Verbot in Österreich. Die FPÖ hat die Unterstützung des entsprechenden SPÖ-Antrags im Nationalrat angekündigt, womit der Antrag eine Mehrheit im Parlament hätte.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner schrieb in einer Aussendung von einem "höchstgefährlichen Pflanzengift". Die bisherigen Initiativen ihrer Partei seien bisher von jenen blockiert worden, "denen die Interessen der Agrochemie-Konzerne wichtiger waren als die Gesundheitsinteressen der Menschen". Jetzt sei "endlich Vernunft eingekehrt".

FPÖ-Klubobmann Norbert Hofer erklärte, dass es ein Zeichen für verantwortungsvolle Umweltpolitik sei, dieses Verbot auf Schiene zu bringen. Der frühere Koalitionspartner ÖVP will dabei allerdings nicht mitziehen und stattdessen einen eigenen Antrag einbringen, der nur ein Teilverbot vorsieht. Demnach soll Glypohsat nur bei Kindergärten und anderen sensiblen Bereichen wie Schulen verboten werden. Laut Bauernbund-Präsident Georg Strasser wäre ein Totalverbot nicht EU-konform.

Der Antrag muss nun Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft behandeln werden. Eine Abänderung des entsprechenden Pflanzenschutzmittelgesetzes ist schon in der Sitzung des Nationalrates am 2. Juli möglich.

IARC: wahrscheinlich krebserregend

Laut IARC - der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Glyphosat beim Menschen "wahrscheinlich krebserregend". Seitens der Umweltorganisation wird das bevorstehende Verbot daher auch begrüßt.

Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) meinte dagegen, der Beschluss gehe "zulasten von Umwelt und Landwirtschaft". Glyphosat sei vor allem bei bodenerhaltenden Anbauweisen ein nicht wegzudenkender Wirkstoff. Beim Pflügen sei eine ähnliche Wirkungsäquivalenz zur Bekämpfung von Unkraut "nur durch ein bis drei Bearbeitungsgänge zu erreichen". Das führe zur Zunahme von Bodenerosion und von CO2 -Emissionen durch vermehrte Überfahrten. Zudem würde sich ein Verbot negativ auf Ertrag und Qualität des Erntegutes auswirken.

Lizenz erst 2017 verlängert

Der Unkrautvernichter Glyphosat ist EU-weit bis 2022 zugelassen. Die erst 2017 für weitere fünf Jahre beschlossene Verlängerung der EU-Zulassung für Glyphosat kam damals schon einigermaßen unerwartet. Eigentlich rechneten selbst Insider mit einem Aus oder bestenfalls einer dreijährigen Auslaufphase. Dann allerdings sorgte Deutschlands Agrarminister Christian Schmidt im Alleingang für eine Ländermehrheit für den Antrag der EU-Kommission auf fünf weitere Jahre. Die Hersteller - unter anderem eben der US-Konzern Monsanto - waren dennoch unzufrieden. Sie wollten ursprünglich eine Verlängerung auf zehn oder gar 15 Jahre erreichen.

Glyphosat ist allerdings keineswegs der Geldbringer der Agrochemie. Das Patent ist seit Jahren ausgelaufen, Nachbauten haben die Preise weltweit verfallen lassen. Das freut die Landwirtschaft, lässt die Hersteller aber nach anderen Mitteln schielen (etwa: "Dicamba").

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