Glück im Spiel: Neuer Umsatzrekord bei Novomatic

Novomatic-Vorstandschef Harald Neumann

Novomatic-Vorstandschef Harald Neumann

Der Glücksspielkonzern Novomatic konnte im Jahr 2017 erstmals einen Umsatz von mehr als 2,5 Milliarden Euro erzielen. Strengere Spielerschutzbedingungen in Deutschland, wo Novomatic 110.000 Automaten austauschen und rund 100 Spielhallen schließen musste, drücken allerdings den Gewinn.

Novomatic im Glück: Der Konzen mit Zentrale im niederösterreichischen Gumpoldskirchen konnte im Geschäftsjahr 2017 seinen Umsatz erstmals auf über 2,5 Milliarden Euro steigern. Mit der gesamten Unternehmensgruppe, zu der neben der Novomatic AG auch die Beteiligung an den Casinos Austria (ACE Casinos Holding AG) und die Gryphon Invest AG gehört, konnte sogar ein Umsatz von 4,9 Milliarden Euro eruielt werden. "Wir konnten in allen Kernmärkten die Umsätze steigern", kommentiert Finanzvorstand Peter Stein.

Dennoch ist nicht alles nur eitel Wonne, denn der Umsatz ist nicht gleich GewinMillionenn. Aufgrund diverser Ereignisse stagnierte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei knapp 587 Millionen Euro, das Betriebsergebnis ging von 265 Millionen auf 210 Millionen Euro zurück.

Auch musste der Konzern, in Österreich Aktionär der teilstaatlichen Casinos Austria, in Italien etwas mehr als 20 Millionen Euro Steuern nachzahlen, weil die italienischen Behörden die Verrechnung der Softwarelizenz mit der italienischen Tochter nicht akzeptiert haben. Die Dollarentwicklung machte dem Unternehmen, das viel in US-Währung absichert, 2017 zusätzlich zu schaffen. Vorstandschef Harald Neumann sprach von 20 Millionen Euro Fremdwährungsverlusten. Im Lotteriegeschäft musste der Konzern 20 Millionen Euro wertberichtigen, "weil sich dort die Verträge, die wir abgeschlossen haben, nicht so entwickelt haben, wie wir wollten."

Mehr Geld gibt es dennooch für Firmengründer und Alleineigentümer Johann Graf: Er ließ sich für 2017 eine Dividende von 57,5 Millionen Euro auszahlen, nach 50,8 Millionen Euro für 2016.

Folgen des Expansionshungers

Novomatic hat in den vergangenen Jahren in Europa, aber auch in Übersee, rasant expandiert und teilweise für Unternehmen auch zu viel gezahlt. 2017 wurde da vieles eingepreist, man hat sich die zahlreichen Beteiligungen genau angeschaut und eben teilweise abgewertet. Zum Novomatic-Konzern gehören mittlerweile 223 vollkonsolidierte Unternehmen (Anteil über 50 Prozent), insgesamt hat das Unternehmen mit Sitz in Gumpoldskirchen laut seinem Finanzchef mehr als 400 Beteiligungen.

Nun steht Novomatic aber auf der Expansionsbremse. "Die Konzentration liegt nicht mehr auf Kauf, Kauf, Kauf", so Neumann. In den vergangenen Jahren sei es darum gegangen, die Marktführerschaft zu erlangen, daher habe man auch (zu) tief in die Tasche gegriffen. Nun gehe es um das Optimieren des Betriebs und auch darum, Spielerschutzmaßnahmen "vorauseilend" einzuführen - "bevor wir sie eingeführt bekommen". Allein 2017 hat Novomatic rund 650 Millionen Euro investiert. "Bevor sich ein Markt rentiert, vergehen drei bis fünf Jahre."

Zwischenzeitlich ist Novomatic in allen wichtigen europäischen Märkten ein großer bzw. der größte Automatenplayer, etwa in Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien sowie in Zentral- und Osteuropa. Auch in den USA haben die Niederösterreicher den Fuß in der Tür - seit Anfang 2018 gehört der australische Automatenriese Ainsworth Game Technology (AGT) mehrheitlich Novomatic, dieser ist im wichtigen US-Markt präsent.

Umbau in Deutschland

Im wichtigen Markt Deutschland machen Novomatic zweierlei neue Regelungen zu schaffen: Seit Mitte 2017 gibt es dort strengere Abstandsregelungen, weswegen Novomatic rund 100 von 700 Spielstätten schließen (und abwerten) musste. "Wir haben eigentlich mit weit mehr gerechnet", so Neumann. Weiters müssen per 11. November 2018 wegen einer neuen Verordnung sämtliche Geräte getauscht werden, es gelten nämlich strengere Spielerschutzbestimmungen. Novomatic hat in Deutschland rund 110.000 Geräte stehen und damit Neumann zufolge einen Marktanteil von etwas mehr als 50 Prozent. 15.000 Automaten stehen in etwa 600 Novomatic-eigenen Hallen ("Löwen"), der große Rest ist vermietet. Nach dem kostspieligen Gerätetausch verlangt der Konzern mehr Miete.

In Europa gibt es für Novomatic kaum noch etwas zu einem vernünftigen Preis zu kaufen, so Neumann. "Bei den Arkaden (Spielsalons, Anm.) sind wir in den meisten Ländern eigentlich Marktführer." Im Technologie-/Onlinebereich machten Akquisitionen auch aus regulatorischen Gründen nicht wirklich Sinn. Genau dort, in der Spieleentwicklung, sucht Novomatic händeringend gute Mitarbeiter, 50 bis 100 bräuchte man konzernweit, so Neumann. In Forschung und Entwicklung (F&E) insgesamt hat Novomatic rund 1.000 Leute beschäftigt und bildet Technologieexperten auch selbst aus. Gemeinsam mit den Casinos Austria betreibt Novomatic weiters an der Kremser Donauuniverstität einen Lehrgang für Casinomanager.

Novomatic beschäftigt mehr als 25.500 Mitarbeiter, davon 3.300 in Österreich, wo der Konzern mit Wett- und Glücksspielautomaten ("Admiral") etwa 250 Millionen Euro umsetzt. "Die Ergebnisse sind jedes Jahr steigend." Die Auszahlungen an Kunden lagen im Vorjahr bei 1,1 Milliarden Euro. Im Automatenglücksspiel sind die Gewinnausschüttungsquoten gesetzlich geregelt, sie liegen hierzulande bei 85 bis 95 Prozent.

Börsengang und Casinos Austria

Ein Börsengang sei "derzeit kein Thema", so Neumann auf Nachfrage. Novomatic hatte für Herbst 2017 einen IPO geplant, dann aber doch davon abgesehen. Das Unternehmen will sich lieber anderweitig finanzieren. Im März 2017 schloss Novomatic eine revolvierend ausnutzbare Kreditlinie in Höhe von 1 Milliarden Euro mit einer fünfjährigen Laufzeit ab. Der operative Cashflow betrug im Vorjahr 419 Millionen Euro (2016: 429 Millionen Euro).

Von Personalspekulationen bei den Casinos Austria, wo Novomatic mit 17 Prozent beteiligt ist, hält sich Neumann heraus. Jetzt gehe es darum, den Aufsichtsrat neu zu besetzen, dieser werde sich dann über den Vorstand Gedanken machen. "Es wird in den nächsten Monaten teilweise neue Aufsichtsräte geben", so Neumann. Es sei "im Großen und Ganzen relativ klar", wie viele Posten die Casinos-Eigentümer jeweils bekommen.

Dem Casinos-Austria-Aufsichtsrat sitzt derzeit der frühere Raiffeisen-Zentralbank-Boss Walter Rothensteiner vor, insgesamt hat der Glücksspielkonzern 18 Aufsichtsräte, davon zwei Frauen. "Klarerweise" sei man mit den anderen Casinos-Eigentümern im Gespräch, sagte Neumann. "Ob es einen vierten Vorstand geben wird, hängt davon ab, ob man den braucht oder nicht." Dies sei aber Sache des neuen Aufsichtsrats. "Der Vorstand hat bis Ende nächsten Jahres seine Verträge."

Brigitte Ederer

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