"Glock, ein Global Player mit Kultstatus"

Einst stellte Gaston Glock Feldmesser und Vorhangringe her, dann entwickelte er die erfolgreichste Pistole der Welt. Glock ist heute die weltweit meistverwendete Behördenpistole und kommt in mehr als 100 Ländern zum Einsatz. Kathrin Glock, Aufsichtsrätin der Glock GmbH, gibt im Interview Einblicke in die aktuellen Zahlen und ihre Rolle im Weltkonzern.

Kathrin Glock, Aufsichtsrätin Glock GmbH

Kathrin Glock, Aufsichtsrätin Glock GmbH

Frau Glock, Sie sind seit dem Jahr 2012 im Aufsichtsrat der Glock GmbH. Bitte um einen kurzen Rückblick.
Es ist uns seither gelungen, deutlich Marktanteile zu gewinnen. Auch der Umsatz konnte bis zum Jahr 2016 mehr als verdreifacht werden und dieses stellte mit insgesamt 709,5 Millionen Euro das erfolgreichste Jahr in unserer Unternehmensgeschichte dar. Das ist uns durch rein organisches Wachstum ohne Zukäufe in den bestehenden Strukturen gelungen. Danach war die Notwendigkeit gegeben, die Strukturen zu verbreitern und an die neue Unternehmensgröße anzupassen.

Vom Jahr 2017 auf 2018 ist der Umsatz gestiegen, während der Gewinn zurückgegangen ist. Hängt dies damit zusammen?
Ja, das ist korrekt. Außerdem haben wir die Produktionsmenge 2018 reduziert, was zu höheren Stückkosten und der leicht rückläufigen Gewinnentwicklung geführt hat. So verzeichneten wir im Jahr 2017 81,8 Millionen Euro und im Jahr 2018 64,3 Millionen Euro Gewinn. Insgesamt ist dies vergleichsweise der vierthöchste Gewinn unserer Unternehmensgeschichte. Der Umsatz lag im Jahr 2017 bei 464 Millionen Euro und steigerte sich im Jahr 2018 auf 482 Millionen Euro. Die Umsatzrendite lag bei 13 Prozent. Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden.

Gibt es Dinge, auf die Sie besonders stolz sind, wenn Sie auf 2018 zurückblicken?
Unsere Liste mit bedeutenden Referenzkunden wird jedes Jahr länger. Die letzten gewonnenen Ausschreibungen sind etwa jene der Customs and Border Protection in den USA, der Polizei von Rio de Janeiro, der Singapore Police Force oder der Polizei des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt.


Die Marke Glock ist heute weltweit ein Begriff. Man sollte in Österreich stolz darauf sein.

Warum ist die Glock die beliebteste Behördenwaffe?
Die besonderen Stärken der Glock sind ihre absolute Zuverlässigkeit, die Treffsicherheit, die Einfachheit in der Handhabung und ihre kostengünstige Wartung. Glock Perfection wird daher weltweit geschätzt. Es vertrauen unter anderem zwei Drittel aller US-Polizisten, die britische Armee, Spezialeinheiten der US Army und sogar die Leibgarde des Papstes auf Glock-Pistolen, um nur einige wenige zu nennen. In Österreich sind Glock-Pistolen beim Bundesheer ebenso wie bei der gesamten Polizei und der Cobra im Einsatz.

Es wird immer wieder öffentlich Kritik an Waffen und Waffenproduzenten geübt. Hierzulande trifft es auch die Firma Glock. Wie stehen Sie dazu?
Grundsätzlich befasse ich mich nicht mit unreflektierten Meinungen. Fakt ist: Das Thema Waffen polarisiert und es gibt dazu unterschiedlichste Gesichtspunkte. Glock stellt seit nunmehr fast 40 Jahren Sicherheitstechnik auf höchstem Niveau her, die weltweit von Behörden erfolgreich eingesetzt wird. Das spricht einfach für sich. Wir legen auf den sicheren Gebrauch der Waffe einen sehr großen Wert und bieten diesbezüglich auch weltweit Trainings an. Die negativen Stimmen kommen zu einem Großteil aus ganz klar ersichtlichen Richtungen. Man sollte in Österreich eigentlich stolz darauf sein, dass diese österreichische Erfindung eine globale Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Die Marke Glock ist heute weltweit ein Begriff und hat in den USA Kultstatus erreicht.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt die Glock GmbH in Österreich?
Das Unternehmen Glock ist in Österreich seit vielen Jahren ein sicherer und solider Arbeitgeber. In den Werken in Deutsch-Wagram und Ferlach sind rund 1200 Menschen beschäftigt. Zählt man die USA dazu, sind es insgesamt 1800 Mitarbeiter.

Wurde der Standort Österreich bewusst gewählt?
Mein Mann hat sich vor vielen Jahren dazu entschlossen, hier in Österreich seine Pistolen zu produzieren. Zusätzlich gibt es auch eine Produktionsstätte in den USA in Smyrna/Atlanta. In den letzten Jahren haben sich viele Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen für ausländische Standorte entschieden. Glock ist den österreichischen Standorten treu geblieben und ist zudem hierzulande auch ein großer Steuerzahler.

Kathrin Glock: "Think global - act international."

Kathrin Glock: "Think global - act international."

Wie stehen Sie zu „Think global – act local“?
Sagen wir es mal so: Großer Dank schlägt meinem Mann im eigenen Land nicht entgegen. Um es auf den Punkt zu bringen: Der österreichische Traum, sofern es diesen überhaupt gibt, ist mir daher persönlich einfach zu klein, deswegen gilt für mich: „Think global – act international“.

Wie gehen Sie mit der medialen Kritik um Ihre Person um?
Das Vorurteil, „dass ich nur jung und blond bin und mein Mann alt und reich“, wurde ganz bewusst immer wieder medial in Umlauf gebracht. Mein Mann und ich sind seit 15 Jahren ein glückliches Paar und haben heuer unseren 8. Hochzeitstag gefeiert. In dieser Zeit konnte ich auch alles Wichtige fürs taffe Business von meinem Mann und Mentor lernen. Diese Chance habe ich genutzt! Heute bin ich neben meiner Aufsichtsratstätigkeit in sechs Glock-Gesellschaften erfolgreich als Geschäftsführerin tätig, bin Vorstandsmitglied der IGG Privatstiftung sowie Stifterin der Gaston und Kathrin Glock Privatstiftung. Der Erfolg ist mein Gradmesser. Daher lasse ich die Kritik um meine Person mit ruhigem Gewissen im Raum stehen, denn schon Albert Einstein sagte: „Es ist leichter einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil.“

Gibt es auch Aktivitäten in anderen Bereichen als im Kerngeschäft?
Die Energie und der Erfinder- und Unternehmergeist meines Mannes faszinieren mich jeden Tag aufs Neue. Mit den im Kerngeschäft erwirtschafteten Ressourcen ist es uns möglich, auch in andere Bereiche zu expandieren: etwa in die Bereiche der erneuerbaren Energie und der Medizin.


Erneuerbare Energien und Energieeffizienz gehören zu den wichtigsten Lösungen für die Klimakrise.

Welche Innovationen gibt es im Energiesektor?
Der aktuell thematisierte Klimanotstand war meinem Mann schon vor Jahren bewusst. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz gehören hier zu den wichtigsten Lösungen für die Klimakrise. So begann er vor Jahren ein Holzgas-Blockheizkraftwerk zu entwickeln, das ökologische Wärme und Strom aus Biomasse erzeugt. Diese neuartige Form der Energieversorgung bietet Effizienz und Nachhaltigkeit und ist bereits erfolgreich im Einsatz.

Sie haben auch den Bereich der Medizin angesprochen. Was ist hier Ihre Aufgabe?
Ich bin im medizinischen Beirat der Glock Health, Science and Research GmbH tätig. Dieses Unternehmen befasst sich mit medizinischer Forschung auf Basis der Grundsubstanz Zeolith. Es stellt mit einem weltweit einzigartigen, äußerst aufwendigen und patentierten Aufbereitungsverfahren den reinsten natürlichen Zeolith her, der am Markt erhältlich ist. Wir arbeiten mit anerkannten Wissenschaftlern und Universitäten zusammen, wie etwa der medizinischen Universität Wien. Dazu haben wir gemeinsam mit der Universität Wien auch die Gaston-H.-Glock- Laboratorien für exploratorische Arzneimittelforschung gegründet.

Gibt es hier schon ein Produkt, das man kaufen kann?
Ja, wir vertreiben den gereinigten Zeolith unter dem Namen „G-PUR“ in den USA. Eine Markteinführung in Europa ist im Jahr 2020 geplant.

Wie viel Umsatz erzielen Sie in diesem Bereich?
Wir erzielen damit im Konzern bereits einen Umsatz von über 20 Millionen Euro im Jahr und sehen noch bedeutendes weiteres Wachstumspotenzial.

In welcher Rolle sehen Sie sich im Unternehmen Glock in zehn Jahren?
Meine Rolle wird ähnlich sein wie heute – vermutlich mit neuen spannenden Herausforderungen und Schwerpunkten. Ich bin auf jeden Fall bereit dafür!


Das Interview mit Kathrin Glock ist ursprünglich in "Kärnten Regional" Ausgabe 02/2019, einem Magazin der VGN, erschienen.

Starke Unternehmer mit Weitblick

Wie eine HAUSBANK mit Vertrauen erfolgreiche Firmengründer in ganz …

Zur Person. Martin Butollo ist seit 2013 Country CEO der Commerzbank in Österreich. Davor war Butollo für die Commerzbank und die Dresdner Bank in Frankfurt/Main in Managementfunktionen tätig. Seine berufliche Laufbahn begann bei PriceWaterhouseCoopers.

Neues Normal: Krisenmodus

Corona, Krieg und Inflation – wie Unternehmen auf die neuen …

„Die fortlaufende Weiterentwicklung steckt in unserer DNA“

„Die fortlaufende Weiterentwicklung steckt in unserer DNA“

AUSTRIA’S BEST MANAGED COMPANIES. Produktivität und Innovation gehen Hand …

Herausgeberin Eva Dichand im Newsroom von "Heute".

Was erwarten Sie vom „Superminister“ Martin Kocher?

Der Spielraum von Martin Kocher als Wirtschaftsminister ist deutlich …