"Gigantische Kosten": Boeing und die 737-Max-Krise

Der Flugzeughersteller Boeing steckt weiter tief in der Krise. Für die 737 Max, die bestverkaufte Maschine des Konzerns, gilt nach zwei Abstürzen und aufgedeckten Pannen immer noch weltweites Flugverbot. Die Bilanz des Jahres 2019 wird mit Sorgenfalten erwartet.

"Gigantische Kosten": Boeing und die 737-Max-Krise

Vom Vorzeigekonzern zum Krisenfall: Der Flugzeug-Hersteller Boeing ist nach den weltweiten Flugverboten für Maschinen vom Typ 737, die nach zwei verheerenden Flugzeugabstürzen verhängt wurden, angeschlagen. Nachdem Konzernchef Dennis Muilenburg kurz vor Weihnachten gefeuert wurde, legt sein Nachfolger Dave Calhoun nun erstmals die Geschäftszahlen vor. Anleger stellen sich nach dem Katastrophenjahr 2019 auf eine Horrorbilanz mit immensen Belastungen und Sonderkosten ein.

Die größte Herausforderung bleibt indes unbewältigt - den Krisenflieger wieder in die Luft zu bekommen. Boeing geht davon aus, dass das Flugverbot für die 737 Max noch Monate andauern wird. Der US-Luftfahrtkonzern rechnete zuletzt nach eigenen Angaben mit einer Wiederzulassung der Baureihe "Mitte 2020". Damit bleibt Boeings bestverkauftes Modell deutlich länger am Boden als vom Unternehmen erwartet. Der Zeitplan liegt ganz in den Händen der Flugaufsichtsbehörden.

Das 12-Milliarden-Dollar-Loch

Wie wichtig die 737 Max für Boeing ist zeigt ein Blick in die Auftragsbücher. Bis Ende Dezember 2019 wurden 4932 Exemplare der MAX-Version bestellt und 387 davon ausgeliefert. Der Ausfall hat schon riesige Löcher in die Bilanz gerissen. US-Medien berichteten diese Woche über Finanzierungskredite von rund 12 Milliarden Dollar, die Boeing angesichts der prekären Lage mit Banken vereinbart hat.

Die Zahlen für das vierte Quartal dürften die Misere einmal mehr unterstreichen. Analysten rechnen mit einem weiteren Einbruch bei Gewinn und Erlösen. Da Boeings 737 Max nach den zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten seit Mitte März 2019 weltweit nicht mehr abheben darf, kann der Bestseller seitdem auch nicht mehr an Kunden ausgeliefert werden. Das belastet den Hersteller enorm, zumal Boeing die 737 Max zunächst noch weiter auf Halde produziert hatte, obwohl den hohen Kosten keine Einnahmen gegenüberstanden. Erst im Jänner wurde die Notbremse gezogen und die Fertigung gestoppt.

Angesichts der widrigen Umstände ist es fast ein Wunder, dass der Aktienkurs [ISIN US0970231058] nicht noch mehr nachgegeben hat. Im Lauf des letzten Jahres hat das Papier lediglich um 13,25 Prozent an Wert verloren

Boeing-Aktie [ISIN US0970231058], 5-Jahres-Entwicklung. Für altuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Boeing-Aktie [ISIN US0970231058], 5-Jahres-Entwicklung. Für altuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Der neue Chef soll's richten

Experten hoffen indes, dass sich die Situation nach dem Rauswurf von Muilenburg bessert, der wegen seines Krisenmanagements schon lange in der Kritik stand. "Unter Calhoun wird Boeing nun zunehmend realistischer hinsichtlich des Zeitplans und packt auch gegenüber den Aufsichtsbehörden endlich alle skandalösen Fakten auf den Tisch", meint Wolfgang Donie von der Landesbank NordLB. "Sicher ist aber: auf Boeing kommen weiter gigantische Kosten zu." Bei einer Freigabe der 737 Max zur Jahresmitte 2020 sei mit Belastungen von mindestens 30 Milliarden Dollar zu rechnen. Fehlende Auslieferungen, der Produktionsstopp, die erneute Zertifizierung und Opferentschädigungen sowie die Kompensation von Kunden und Zulieferern dürften Boeing teuer zu stehen kommen.

Wie kritisch die Lage ist, ließ sich jüngst schon am Orderbuch des US-Konzerns ablesen. Unterm Strich büßte Boeing im vergangenen Jahr 87 Bestellungen in der Verkehrsflugzeugsparte ein, weil es mehr Stornierungen als neue Aufträge gab. Das Unternehmen konnte nicht auf Anhieb Auskunft geben, ob und wann es zuvor schon mal eine negative Jahresbilanz gab. "Dies ist in den vergangenen 30 Jahren definitiv nicht vorgekommen", sagte ein Sprecher dem US-Sender CNBC. Erzrivale Airbus [ISIN NL0000235190] profitiert indes von Boeings Schwäche. Mit 768 neuen Aufträgen und 863 ausgelieferten Verkehrsfliegern übernahmen die Europäer 2019 die Weltmarktführerschaft vom US-Konkurrenten.

Profitgier und Imageschaden

Neben den geschäftlichen Einbußen haben die Abstürze auch erhebliche Imageschäden und rechtliche Konsequenzen nach sich gezogen. Als entscheidende Ursache der Unglücke gilt eine fehlerhafte Steuerungsautomatik der Boeing-Flugzeuge. Der Konzern steht im Verdacht, die Flieger im scharfen Wettbewerb mit Airbus und aus Profitgier überstürzt auf den Markt gebracht und dabei die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing weist diese Vorwürfe zwar zurück, hat aber eine Reihe von Fehlern und Pannen eingeräumt. Zudem gerät das Unternehmen immer wieder durch brisante Interna in die Bredouille.

So brüsteten sich Angestellte in gegenüber dem US-Kongress offengelegten Chats damit, die US-Flugaufsicht FAA bei der ursprünglichen 737-Max-Zulassung an der Nase herumgeführt zu haben. Die Nachrichten sind extrem unangenehm für Boeing. Im April 2017 hieß es darin über die 737 Max: "Dieses Flugzeug ist von Clowns entworfen, die wiederum von Affen beaufsichtigt werden". Angesichts des Debakels ist es erstaunlich, dass Boeings Aktien das vergangene Jahr noch mit einem leichten Plus überstanden. Mittlerweile verlieren aber auch Anleger die Geduld - in den letzten drei Monaten brach der Kurs um zehn Prozent ein.

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Zur Person. Martin Butollo ist seit 2013 Country CEO der Commerzbank in Österreich. Davor war Butollo für die Commerzbank und die Dresdner Bank in Frankfurt/Main in Managementfunktionen tätig. Seine berufliche Laufbahn begann bei PriceWaterhouseCoopers.

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