Gianni Infantino ist neuer FIFA-Präsident

Gianni Infantino ist neuer FIFA-Präsident

Gianni Infantino, bisher Funktionär des europäischen Fußballverbands UEFA, wechselt nun an die Spitze in den Fußball-Weltverband FIFA.

Im zweiten Wahlgang hat der Schweizer Gianni Infantino die Wahl gewonnen. Mit 115 Stimmen hat er klar die Mehrheit der Stimmen der 207 FIFA-Delegierten erhalten.

Zürich. UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino hat die Wahl zum FIFA-Präsidenten am Freitag in Zürich gewonnen. Im zweiten Wahlgang hat der 45jährige Schweizer mit 115 Stimmen mehr als die einfache Mehrheit der Stimmen der FIFA-Funktionäre erhalten. 207 Delegierten waren wahlberechtigt. Für seinen stärksten Widersacher Scheich Salman votierten 88 Delegierte.

"Ich möchte der Präsident von allen von euch, allen 209 Mitgliedsländern sein", sagte der neu gewählte Präsident auf dem außerordentlichen FIFA-Kongress in Zürich. Er will eine neue Ära der FIFA einläuten. Sofort will Infantino mit der Umsetzung der Reformen starten. "Ich möchte den Respekt und das Vertrauen für die FIFA zurück gewinnen", sagte Infantino. Mit 22 Gegenstimmen hatten die FIFA-Delegierten ein Reformpaket druchgewunken, dass mehr Transparenz aber auf mehr Kontorlle der Top-Funktionäre umfasst.

Prinz Ali aus Jordanien mit vier Stimmen und der Franzose Jerome Champagne mit null Stimmen waren wie erwartet chancenlos.

Im ersten Wahldurchgang war es noch ein Rennen auf Augenhöhe: Infantino erhielt 88 Stimmen, Scheich Salman wählten 85 Delegierte, Prinz Ali bekam 27 und Champagne 7 Stimmen. Für eine Direktwahl im 1. Wahlgang wären zwei Drittel der Stimmen (137) notwendig gewesen.

Großes Programm

Vor der Wahl hatte er bei seiner Präsentation seine finanziellen Versprechungen an die Mitglieder des Fußball-Weltverbandes (FIFA) für den Fall einer Wahl zum neuen Präsidenten verteidigt. Der Schweizer zeigte sich beim Kongress in Zürich als Weltbürger, sprach in seiner letzten Wahlrede Englisch, Italienisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und ein paar Worte auf Arabisch.

Nachdem Michel Platini im Dezember 2015 für zunächst acht Jahre gesperrt wurde, ist Infantino als Kandidat um den Top-Posten bei der FIFA angetreten. Platini wollte eigentlich Blatters Präsidentenamt übernehmen, der zeitgleich mit ihm genauso auf acht Jahre gesperrt wurde. Vorige Woche sind die Sperren für beide auf sechs Jahre reduziert worden. Gegen beide laufen Ermittlungen der Justiz wie auch gegen 40 inhaftierte und über 100 Ex-FIFA-Funktionäre.

Infantino ist ein absoluter Kenner des Funktionärswesen, was ihm auch seine Kritiker bisher angelastet haben. Er galt bis zur Sperre von Platini als dessen "rechte Hand". Er hatte sich über Jahre hinweg im "System Platini" seine Karrier gebaut. Und auch das "System Blatter" war ihm somit nicht fremd. Im Stil des langjährigen Schweizer Vorgängers hatte Infantino auch seine Wahlrede in verschiedenen Sprachen gehalten. Er ist in den vergangenen Monaten auch permanent auf Achse gewesen und um die Welt gejettet. Der Finte seines Widersachers Scheich Salman, der ihn im Fall seiner Wahl zum Generalsekretär befördern wollte, ist er nicht auf den Leim gegangen. Als UEFA-Mann hätte er auch gegenüber den europäischen Mitgliedsverbänden einiges an Erklärungsbedarf, warum er sich mit dieser Rolle und dem Deal zufrieden geben würde.

Die Sache mit der Glaubwürdigkeit

"Es ist ein guter Tag für den Weltfußball und auch für Europa. Wir haben dieses Ergebnis mit Freude und Erleichterung aufgenommen", meinte Leo Windtner, Präsident des Österreichischen Fußballbund . "Die tolle Präsentation und die Performance von Gianni Infantino haben beigetragen, viel Glaubwürdigkeit in den Fußball zurückzubringen. Die Nationalverbände und der Fußball können sich in Zukunft mehr Unterstützung erwarten, und ich freue mich auch, dass der ÖFB zu diesem tollen Ergebnis beitragen konnte. Ich denke, dass es nun gute Chancen gibt, dass die so notwendigen Reformen auch in die Tat umgesetzt werden."

Witali Mutko, Sportminister und Fußball-Verbandspräsident von Russland meinte: "Er hat große Erfahrung in der Arbeit mit dem Fußball, er kennt den Fußball und könnte mit Unterstützung aller Länder natürlich Ruhe in die Situation um die FIFA bringen." Er sei überzeugt, dass kein neuer FIFA-Präsident die umstrittene Vergabe der Weltmeisterschaft 2018 nach Russland infrage stellen werde. "Wir haben mit gutem Gewissen ehrliche Arbeit geleistet und haben für unser Land nach den Regeln geworben, die damals galten."

Dem breiten Fußball-Publikum war der Schweizer Infantino zuvor bestenfalls als "Zeremonienmeister" der Auslosungen zur Champions und Europa League bekannt, die er mehrsprachig und souverän geleitet hat.

Seiner blitzschnellen Entscheidung im Herbst für den FIFA-Präsidenten zu kandidieren hat er dann Taten folgen lassen. In Windeseile hatte er sich als Kandidat auf die Wahl vorbereitet und ist auf Reisetour rund um den Globus geflogen, um für sich und sein neues Programm bei den FIFA-Mitgleidsverbänden vor Ort zu präsentieren.

Der Aufstieg auf den FIFA-Thron war in seinem Lebensplan eigentlich nicht vorgesehen. Nun soll der Mann aus dem Nachbardorf von Vorgänger Joseph Blatter den Internationalen Fußball-Verband (FIFA) retten.


Steckbrief: Gianni Infantino

Geb: 23. März 1970 in Brig (Schweiz)
Wohnort: Brig
Staatsbürgerschaft: Schweiz, Italien
Familienstand: verheiratet, vier Kinder
Beruf: Jurist/Rechtsanwalt
Tätigkeiten im Fußball: Seit August 2000 bei der UEFA
Februar bis Mai 2007 interimistischer Generaldirektor
Seit 1. Oktober 2009 UEFA-Generalsekretär
Seit 26. Februar 2016 FIFA-Präsident


Die Rote Karte

Infantino startet mit einer denkbar ungünstigen Startvorgabe. Zum Anpfiff startet der Schweizer mit einem ganzen Bündel von Skandalen und Ermittlungen der Justiz. Und wie heute der FIFA-Finanzchef bekanntgegeben hat, hat sein Vorgänger Joseph Blatter zuletzt offenbar schlecht gewirtschaftet.

Die FIFA hat 2015 einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe einfahren. 108 Millionen Dollar Verlust sollen allein im Vorjahr unterm Strich stehen. Zudem werden die Jahr 2015 bis 2018 ebenso finanziell nicht besser ausfallen. Finanzchef Markus Kattner hat für diesen Zeitraum einen Verlust von 550 Millionen Dollar prognostiziert. Allerdings hat die FIFA noch Reserven. 1,5 Milliarden hat der Weltfußballverband derzeit auf der hohen Kante. Geld, das auf jeden Fall gebraucht wird. Der FIFA drohen auf jeden Fall noch weitere Prozesse und gegebenenfalls auf finanzielle Forderungen.

Die Steilvorlagen

Spannend wird auch die Einlösung der Wahlversprechen. Der Schweizer Jurist hat heute anlässlich seiner Präsentation eine Steilvorlage an die Mitgliedsverbände gespielt. Und den Griff ins Geldbörsel versprochen. Fünf Millionen Dollar (4,53 Mio. Euro) pro Verband will er für die Jahre 2018 bis 2022 ausschütten. Und das trotz derzeit angespannter Einkünfte und Verluste. Ein weiterer taktische Spielzug einen Generalsekretärs aus Afrika zu berufen dürfte da wohl noch die einfachste Pflichtübung sein, die er sich auferlegt hat.

Die Diskussion um die WM-Startplätze wird auch unter seiner Ägide neu entflammen. 40 Startplätze stehen derzeit zur Diskussion. Der Schweizer hat sich auch hierfür stark gemacht. Nicht wenige, vor allem größere Verbände wollen dem Vorschlag aber nicht folgen, weil sie um die Exklusivität des Turniers fürchten..

Mit seiner Wahl zum FIFA-Chef kommt es auch bei der UEFA zu einem Führungswechsel. Platini als UEFA-Chef ist bereits Geschichte. Infantino galt auch als Nachfolger für den Franzosen in der UEFA. Und der Job des UEFA-Generalsekretärs und Nachfolger Infantinos ist nun auch vakant. Beide Jobs sollten noch vor der EURO 2016 im Juni in Frankreich neu besetzt werden.

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