Gewinnrückgang: Verbund hofft auf Schlechtwetter

Verbund CEO Wolfgang Anzengruber

Verbund CEO Wolfgang Anzengruber

Österreichs größter Energieversorger muss im ersten Halbjahr Wertberichtigungen von insgesamt 90 Millionen Euro vornehmen. Der Konzerngewinn geht dadurch um rund ein Fünftel auf 153,9 Millionen Euro zurück. Für das zweite Halbjahr hofft der Konzern auf viel Regen und Wind.

Der Verbund (ISIN AT0000746409) hat es wie alle Energieversorger in Zeiten wie diesen nicht wirklich leicht. "Die Energiewirtschaft der Vergangenheit ist nicht mehr die Energiewirtschaft der Zukunft", hatte CEO Wolfgang Anzengruber erst einen Tag vor der Bilanzlegung erklärt (siehe Artikel "Strategische Kooperation von Voestalpine und Verbund"). In der nun vorgelegten Erklärung des Unternehmens zur Halbjahresbilanz schwingt der gleiche Ton mit.

Das darin beschriebene schwierige Marktumfeld, die ebensolchen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie gesunkene Absatzpreise und Wertberichtigungen drücken auf das Ergebnis des Energiekonzerns: Das EBITDA fiel um acht Prozent auf 450,2 Millionen Euro. Das Konzernergebnis lag mit 153,9 Millionen Euro um 21,6 Prozent unter den Vergleichsquartalen des Vorjahres (Details siehe untenstehende Tabelle). Auch das Wetter war für den auf Wasser- und Windkraft spezialisierten Energiekonzern nicht optimal. Im ersten Halbjahr lag die Wasserführung der Flüsse um vier Prozent unter dem Vorjahr und ein Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.

Verbund Halbjahresergebnisse 2016

Verbund Halbjahresergebnisse 2016

Zurückzuführen ist der Gewinneinbruch auch auf die vom Konzern vorgenommenen Wertberichtigungen. Der Verbund musste bei den rumänischen Windparks, dem Gaskraftwerk Mellach und den Laufwassserkraftwerken Gössendorf und Kalsdorf in Summe Abschreibungen von 90 Millionen Euro vornehmen. Das Gaskraftwerk Mellach hat aktuell noch einen Buchwert von 17 Millionen Euro.

Reorganisation

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber weiß, dass es für seinen Konzern in Zukunft garantiert nicht einfacher wird. Wachsende Stromerzeugungskapazitäten, vor allem aus geförderten erneuerbaren Energien, eine schwache Stromnachfrage aufgrund der verhaltenen Konjunkturentwicklung sowie notwendige Energieeffizienzmaßnahmen werden den Stromerzeuger alle europäischen Stromerzeuger weiterhin stark unter Druck setzen.

Mit einem neuen Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramm will Anzengruber nun den Free Cash Flow des Unternehmens stärken und die Entschuldung weiter voranzutreiben. Im Rahmen des Programms werden die Wachstums- und Instandhaltungsinvestitionen für den Zeitraum von 2016 bis 2019 drastisch, auf ein Niveau von rund eine Milliarde Euro gekürzt. Hinzu kommen auch Personalmaßnahmen. Bis 2020 sollen weitere rund 175 Stellen abgebaut werden.

Für das Geschäftsjahr 2016 erwartet der Verbund im zweiten Halbjahr ein EBITDA von rund 840 Millionen Euro und ein Konzernergebnis von rund 270 Millionen Euro. Abhängig ist das Unternehmen dabei von der Wasserführung der Flüsse und vom Wind abhängig. Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber ist wohl einer der wenigen, die sich auhc im Hochsommer über eine anhaltende Schlechtwetterperiode mit viel Regen und Wind freuen.

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