Lebensversicherungen: Fast ein Totalschaden für die Branche

Lebensversicherungen: Fast ein Totalschaden für die Branche

Lebensversicherungen ruinieren immer stärker die Gewinne der Assekuranzen.

Versicherungen geraten mit Lebensversicherungen immer mehr ins Straucheln. Woran das liegt, welche Sparte noch schwächelt und wie viel Geld die Assekuranzen noch auf der hohen Kante haben.

Noch verdienen Versicherungen mit Lebensversicherungen Geld, aber viel ist es nicht mehr. Denn der Gewinn in dieser Sparte ist im Vorjahr, laut dem aktuellen Bericht der Finanzmarktaufsicht FMA zur Lage der Versicherungen in Österreich, erheblich eingebrochen und belastet somit das Gesamtergebnis der Versicherungen.
So ist das EGT in der Branche im Bereich Lebensversicherungen um rund 76 Prozent auf 48 Millionen Euro geschrumpft. Für die einzelnen Gesellschaften ist damit der Gewinn bei Lebensversicherungen verschwindend gering. So mancher in der Assekuranz ist froh in diesem Bereich überhaupt noch schwarze Zahlen zu schreiben. Das bei nahezu gleich hohen Prämieneinnahmen über die gesamten Sparten Leben, Kranken und Unfall/Schaden wie im Jahr 2016.

Vor allem der Gewinn von Lebensversicherungen ist 2017 stark eingebrochen.

Hochverzinste Altverträge kosten Geld

Hauptgrund, dass mit Lebensversicherungen kaum noch etwas zu verdienen ist, sind die niedrigen Zinsen. Sie fressen Jahr für Jahr die Gewinne der Assekuranzen weiter und stärker auf. So schmälert die von der EU vorgeschriebenen Versicherungsvorschriften Solvency II, die aufgrund der hochverzinsten Altbestände sogenannte Zinssatzreserven aufbauen müssen, den Gewinn erheblich. So sind beispielsweise Einmalerläge für die in den Altbeständen ein vier Prozentiger Rechnungszins festgelegt wurde, also ein Garantiezins, ein Klumpen am Bein der Versicherungen. Ebenso belasten klassische Altverträge die Gewinne der Versicherungen, die die Assekuranzen ebenfalls zu deutlich höheren Zinszahlungen vertraglich verpflichten, als derzeit am Kapitalmärkten gezahlt wird.

Immer weniger wollen eine klassische Lebensversicherung

Die Gewinne schrumpfen auch, weil das Neugeschäft rückläufig ist. Das verrechnete Prämienvolumen bei konventionellen Lebensversicherungen ist im Vorjahr um 1,6 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zurückgegangen. Das Prämienwachstum stagniert im Grunde seit Jahren. Auch diese maue Entwicklung ist mehr als nachvollziehbar. Für Anleger braucht es aufgrund des allgemein niedrigen Zinsniveaus schon mal locker bis zu 20 Jahre um, abzüglich der Vertragsspesen, rein rechnerisch mit seinem Investment ins Plus zu kommen.

Noch härter hat es im Vorjahr die einst boomenden Einmalerläge getroffen. Dieser Geschäftszweig ist im Vorjahr um 21 Prozent auf ein Prämienvolumen von 843 Millionen Euro zurückgegangen. Diese Entwicklung ist jedoch von den Versicherungen auch gewollt. Denn das Geschäft, das Kunden bei einer Gewinnbeteiligung von rund 2,25 Prozent pro Jahr verspricht, ist keines mehr, wenn die Zinsen wie derzeit im Keller sind.

Statt in Fondspolizzen mit Aussicht auf Extragewinne schichten Kunden Geld auf Sparbücher um

Gleichzeitig schaffen es die Versicherungen nicht die Anleger, die aufgrund der geringen Verzinsung klassische Lebensversicherungen meiden, ihre attraktiveren Fondspolizzen, die auch eine Gewinnbeteiligung am Kapitalmarkt bieten, schmackhaft zu machen. Das Prämienvolumen ist zwar 2017 um fast zehn Prozent gestiegen, aber der Anteil der Fondspolizzen ist mit 1,4 Milliarden Euro im Verhältnis zu klassischen Lebensversicherungen (4,3 Milliarden Euro) nach wie vor gering. Das Geld dafür ist vorhanden. So entfiel alleine das Neugeschäft für täglich fällige Sparbücher auf 55 Milliarden Euro.

Versicherung von Unfälle und andere Schäden am lohnendsten

Doch nicht nur das Geschäft mit Lebensversicherungen bereitet Versicherungen Sorgen. Auch das Geschäft mit Krankenversicherung ist eingebrochen, wenn auch weniger stark als bei Lebensversicherungen. In dieser Sparte ging der Gewinn im vergangenen Jahr um 16 Prozent zurück. Gutes Geld verdient die Branche nur noch im Bereich Schaden/Unfall. Da verbuchte die Branche im Vorjahr 1,07 Milliarden Euro Gewinn, um vier Millionen Euro mehr als im Jahr davor.

Noch genug Geld auf der hohen Kante

Die Höhe der stillen Reserven bewegt sich jedoch seit Jahren auf einem guten Niveau und liegt derzeit mit 21,8 Milliarden Euro sogar um rund 30 Millionen über dem des Jahres 2016. 41,5 Prozent der stillen Reserven sind derzeit in Aktien und Beteiligungen veranlagt, 24 Prozent in Anleihen, rund 19 Prozent in Immobilien und knapp zehn Prozent in Fonds.

Der Großteil der stillen Reserven von Versicherungen steckt in Aktien und Beteiligungen.

Doppelt so viel Eigenmittel als von der EU gefordert

Seit 2016 gilt zur Bemessung der Vermögenswerte die EU-Richtlinie Solvency II, wonach von Versicherungen nicht mehr der Anschaffungswert der Vermögenswerte sondern der aktuelle Marktwert herangezogen werden muss. Finanzielle Schwankungen der Vermögenswerte schlagen sich somit direkt in der Bilanz nieder. Und während unter Solvency I für die Kapitalanlage strenge Grenzen für die Veranlagung etwa in Aktien und andere Anlageklassen galten, sind unter Solvency II diese Grenzen gefallen und jede Versicherung kann frei entscheiden, welche Risiken sie bei der Veranlagung eingehen. Um diesen Risiken entsprechend mit Kapitalausstattung zu entsprechen, müssen individuelle Risikoprofile erstellt werden. Diese müssen durch Risikovorsorge in der Lage sein eine Verlustwahrscheinlich von 99,5 Prozent des eingesetzten Kapitals aufzufangen.

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