Geschäft mit dem Glauben: Milliardenunternehmen Kirche

Geschäft mit dem Glauben: Milliardenunternehmen Kirche
Geschäft mit dem Glauben: Milliardenunternehmen Kirche

Wichtiger Wirtschaftsfaktor: Jeder 42. Euro wird im Umfeld von kirchlichen Leistungen erwirtschaftet, jeder 27. Arbeitsplatz in Österreich steht im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten.

Einer Studie von IHS und Joanneum Graz zufolge erwirtschaften 158.000 Beschäftigte jedes Jahr 6,65 Milliarden Euro in und um die Kirche. Die Österreicher geben jährlich rund 147 Millionen Euro für Taufe, Firmung und co. aus

Die römisch-katholische Kirche ist zwar primär eine Glaubensgemeinschaft, doch die Kirche ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, Arbeitgeber und gesellschaftlicher Dienstleister. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von IHS und Joanneum Research im Auftrag der Kirche. Die Untersuchung bietet erstmals eine Gesamtsicht auf Wertschöpfung und volkswirtschaftlichen Nutzen.

Die römisch-katholische Kirche sorgt für 2,36 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung in Österreich, ist ein zentrales Ergebnis. Die Wertschöpfung - direkt, indirekte und induzierte - beträgt 6,65 Milliarden Euro im Jahr. Gesamtwirtschaftlich fällt nach Ansicht von IHS und Joanneum der Nutzen klar zugunsten der kirchlichen Leistungen aus. Denn insgesamt verursachen sie Kosten von 5,91 Milliarden Euro - neben staatlichen Geldern werden hier auch "privater Aufwand" wie Spenden und Kirchenbeitrag sowie Eigeneinkünfte der Kirche selbst -, doch sie sind laut den Berechnungen der Studie 8,49 Milliarden Euro wert.

Kirche beschäftigt 158.000 Menschen

Auch für den Arbeitsmarkt ist die Kirche ein nicht zu vernachlässigender Faktor. 3,75 Prozent der Arbeitsplätze in Österreich stehen laut Studie im Zusammenhang mit der römisch-katholischen Kirche. Konkret sind 158.000 Personen beschäftigt, was 120.000 Vollzeitäquivalenten entspricht. "Jeder 42. Euro wird im Umfeld von kirchlichen Leistungen erwirtschaftet, jeder 27. Arbeitsplatz in Österreich steht im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten", fasst Alexander Schnabl vom Institut für Höhere Studien diese Ergebnisse zusammen.

Hervorgehoben wird von den Studienautoren der gesamtwirtschaftliche Effekt von "Konsumausgaben im Rahmen der Feste anlässlich der Heiligen Sakramente": Denn hochgerechnet würden durch Taufe, Erstkommunion und Firmung und die ganzen Feierlichkeiten drumherum über 147 Mio. Euro ausgegeben. Etwa mehr als 60 Millionen davon gehen in die Gastronomie. Die Firmung mit durchschnittlichen Ausgaben von 1.151 Euro ist dabei übrigens am teuersten, die Taufe mit 805 Euro am billigsten.

Steuerzahler kostet die Kirche 130 Millionen Euro

Der Schwerpunkt der kirchlichen Aktivitäten liegt in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Bildung, wobei der Sektor Gesundheit und Pflege auf Platz eins nach Wertschöpfung und Beschäftigung liegt. Für die öffentliche Hand ist das ein gutes Geschäft, so eine Schlussfolgerung der Studie. Zwar fließen von ihrer Seite mittels Subventionen und "Leistungseinkäufen" 3,48 Milliarden Euro an die Kirche, umgekehrt aber fließen 3,35 Milliarden Euro von den kirchlichen Institutionen in Form von Steuern und Abgaben wieder zurück, womit die Steuerzahler einen Nettobetrag von 130 Millionen Euro zu zahlen bleibt.

Angesichts der umfangreichen Leistungen der Kirche für die Öffentlichkeit - von Kinderbetreuung bis hin zu Spitalsbetten - "erscheinen die 130 Millionen Euro Nettozuschuss der öffentlichen Hand für die gesamten kirchlichen Aktivitäten als vergleichsweise gering", sagt Franz Prettenthaler, Forschungsgruppenleiter bei der Joanneum Research.

Auch der (Stellen-)Wert der ehrenamtlichen Arbeit in der Kirche untersucht. 6,4 Prozent der Katholiken (rund 354.000 Personen) engagieren sich auf Pfarrebene, zwei Drittel davon sind weiblich. Auf Basis von Hochrechnungen gehen die Studienautoren von einem wöchentlichen Arbeitsvolumen von über 570.000 Stunden aus.

Methodisch fußt die Studie auf einer multiregionalen Input-Output-Analyse, einer Kosten- Nutzen-Analyse sowie zwei österreichweit repräsentativen Befragungen der Pfarren und Ordensgemeinschaften. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2012. Auftraggeber waren die (Erz-)Diözese sowie die Superiorenkonferenz (Orden).

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