Gerhard Roiss zieht sich aus dem Verbund-Aufsichtsrat zurück

Gerhard Roiss zieht sich aus dem Verbund-Aufsichtsrat zurück

Verbund-Chefaufseher Gerhard Roiss hat für April seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat des Energieversorgers bestätigt.

Verbund-Aufsichtsratschef Gerhard Roiss hat den Rückzug aus dem Aufsichtsratsgremium des Stromkonzerns angekündigt, der zu 51 Prozent der Republik Österreich gehört. Hintergrund des Abgangs ist die Reform der Staatsholding ÖBAG und der damit zu erwartende wachsende Einfluss der Politik. Der einstige Ex-OMV-Vorstandschef ist zudem noch im Verwaltungsrat des Schweizer Sulzer-Konzerns.

Wien. Nun ist es fix: Gerhard Roiss, der Aufsichtsratsvorsitzende des zu 51 Prozent der Republik gehörenden börsennotierten Stromkonzerns Verbund, hat seinen Rücktritt eingereicht. Roiss' Rückzug von der Spitze des Verbund-Aufsichtsrates war zuletzt keine Überraschung mehr, da mit der Reform der Staatsholding ÖBAG (zuvor ÖBIB) auch eine Zunahme des staatlichen Einflusses erwartet wird, was von ihm stets kritisiert wurde.

Roiss wird zur Jahreshauptversammlung am 30. April zurücktreten. Das Verbund-Aufsichtsratsmandat wäre bis 2020 gelaufen. Seit April 2017 war Roiss oberster Aufseher des börsenotierten Stromkonzerns.

Der trend hatte bereits im September 2018 berichtet, dass Roiss zur Hauptversammlung im Frühjahr 2019 abgelöst werden könnte, was damals bereits in ÖVP-Kreisen bestätigt wurde.

Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) will mit der Staatsholdingreform dem Bund bekanntlich wieder mehr Einfluss auf das Beteiligungsmanagement der Unternehmen mit stattlicher Beteiligung geben. Der neuen Staatsholding ÖBAG, die künftig eine Aktiengesellschaft wird, soll auch der Verbund unterstellt werden.

Roiss hatte schon als OMV-Chef stets seine Unabhängigkeit von politischen Parteien betont - bemerkenswert für einen Konzern, bei dem die Republik Österreich Kernaktionär ist.

Die Aussicht darauf, dass der Staat künftig stärker Einfluss nehmen könnte, hatte den damaligen OMV-Aufsichtschef Peter Löscher bereits im Herbst 2018 dazu bewogen, seinen Rückzug von dieser Funktion anzukündigen.

Ohne Parteibuch

Roiss besitzt kein Parteibuch und hat die ihm manchmal nachgesagte Nähe zur FPÖ stets vehement bestritten. Tatsächlich machte er einen guten Teil seiner Karriere im Windschatten von Wolfgang Ruttenstorfer, dem er 1997 in den OMV-Vorstand nachfolgte, also sich Ruttenstorfer bis 2000 eine Auszeit von der OMV nahm und für die SPÖ als Staatssekretär ins Finanzministerium ging. Roiss übernahm damals die Verantwortung für den Bereich Kunststoffe und Chemie.

Am 1. April 2011, nur einen Tag vor seinem 59. Geburtstag und nach gut zwei Jahrzehnten Zugehörigkeit zur OMV, übernahm Gerhard Roiss die Führung des teilstaatlichen Öl- und Gaskonzerns - damit ermöglichte Ruttenstorfer zum zweiten Mal durch seinen Abgang Roiss einen Karrieresprung.

Nach einem Vierteljahrhundert ging die OMV-Karriere von Gerhard Roiss vorzeitig zu Ende. Nachdem er 2013 noch einen neuen Vertrag erhalten hatte, mehrten sich seit 2014 Berichte über Kontroversen in der OMV-Führung. Im Oktober kündigte dann der Aufsichtsrat unter Rudolf Kemler an, dass Roiss zum 30. Juni 2015 mit einer Abfertigung von knapp 3 Mio. Euro ausscheiden werde. Nach Ansicht etlicher Kommentatoren war er Opfer einer politischen Intrige geworden. Die Regelung seiner Nachfolge an der OMV-Spitze erfolgte erst im März 2015, als Rainer Seele zum neuen Vorstandschef nominiert wurde und diesen Job am 30. Juni 2015 antrat.

Bereits im April 2015 übernahm Roiss ein Mandat im Verwaltungsrat des Schweizer Industriekonzerns Sulzer. Im April 2017 wurde er Vorsitzender des Verbund-Aufsichtsrates.

Der aus Linz stammende Gerhard Roiss (66) ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Eines seiner Hobbys ist das Laufen - 2002 war er Mitgründer des Linz-Marathons. Roiss ist Ehrensenator der Universität Linz und der Stanford University.

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