Geplatzter Deal der Förderländer: Ölpreis knickt ein

Geplatzter Deal der Förderländer: Ölpreis knickt ein
Geplatzter Deal der Förderländer: Ölpreis knickt ein

Ölpipeline in Westsibirien.

Im Kampf gegen die niedrigen Ölpreise haben die Förderländer einen Rückschlag erlitten: Gespräche zur Deckelung der Produktion, um dem Preisverfall auf dem Weltmarkt entgegenzuwirken, scheiterten am Sonntag in Doha. Der Ölpreis knickt wieder ein. Anleger werden nervös.

Ohne Erfolg verlief ein Treffen der großen Ölförderländer in Katars Hauptstadt Doha, die Fördermengen zu begrenzen und damit dem Ölpreisverfall zu stoppen. Experten rechnen nun mit einer Ausweitung des weltweiten Überangebots. Montagvormittag notierte Erdöl der Sorte Brent bei 41,94 Dollar je Barrel (159 Liter) - ein Minus von 2,69 Prozent gegenüber Freitag.

Nun gibt es Bemühungen um einen neuen Anlauf. Der Iran rief am Montag alle betroffenen Länder auf, ihre Verhandlungen fortzusetzen. Auch Russland erklärte, die Tür für eine Einigung sei noch immer offen. Bereits am Sonntagabend hatte es bei Insidern der Branche geheißen, die Diskussionen könnten im Juni wiederaufgenommen werden.

Iran will Marktanteile wiedergewinnen

Für das Scheitern der Gespräche in Katars Hauptstadt Doha machten viele Experten den weltgrößten Öl-Förderer Saudi-Arabien verantwortlich. "Die Saudis haben ihren Partnern mal wieder einen Schlag versetzt", sagte David Hufton vom Öl-Händler PVM. Commerzbank-Analysten konstatierten, das Land habe eine Vereinbarung vorsätzlich torpediert und ein Scheitern in Kauf genommen. "Das hat die Glaubwürdigkeit der Ölförderer generell und die der Opec im besonderen schwer beschädigt."

Saudi-Arabien bestand darauf, dass auch der Iran seine Produktion kappt. Dies jedoch hatte die Islamische Republik, die bei dem Treffen gar nicht vertreten war, schon im Vorfeld abgelehnt. Der Iran will zunächst die Marktanteile wiedergewinnen, die er im Zuge der einstigen Sanktionen des Westens im Atomstreit verloren hatte. Dafür hätten auch die meisten Länder innerhalb und außerhalb der Förderorganisation Opec Verständnis, sagte der iranische Opec-Gouverneur Hussein Kazempour Ardebilli der Nachrichtenagentur Shana.

Die 15 größten Ölproduzenten der Welt

Platz 15

Norwegen: 1,904 Millionen Barrel pro Tag.

Platz 14

Katar: 2,055 Millionen Barrel pro Tag.

Monika Rosen, Chefanalystin der Bank Austria, kommentiert die Ereignisse in Doha: "Nach dem, was von dem Treffen nach außen gedrungen ist, waren es bereits bekannte Differenzen, welche der Verabschiedung einer Vereinbarung im Wege standen: Saudi Arabien sei nicht bereit, einer Begrenzung der Fördermengen zuzustimmen, wenn nicht auch der Iran ein solches Abkommen unterschreiben würde. Der Iran selbst hatte jedoch bereits vor der Sitzung keinen Hehl daraus gemacht, dass er nicht an einer Begrenzung der Fördermengen interessiert sei, und hatte deshalb nicht einmal einen Repräsentanten nach Katar entsandt."

Rückblick: Erst im Februar hatten sich einige Länder darauf geeinigt, ihre Produktion auf dem Niveau vom Januar einzufrieren, um den Ölpreis zu stützen. Sie machten aber die Beteiligung anderer Staaten zur Bedingung, was am Sonntag in Doha besiegelt werden sollte. Schon die Aussicht auf einen Erfolg führte zu einer deutlichen Erholung des Ölpreises auf fast 45 Dollar pro Fass (159 Liter). Nach dem Scheitern der Gespräche kostete der Rohstoff am Montag zeitweise rund sieben Prozent weniger als noch am Freitag. Mitte 2014 mussten für ein Fass Öl noch bis zu 115 Dollar gezahlt werden. Danach aber trugen ein Überangebot auf dem Weltmarkt und die maue Konjunktur zu einem Preisrutsch bei.

Dieser riss große Löcher in die Haushalte von Ölstaaten. Saudi-Arabien wies 2015 ein Defizit von umgerechnet 90 Milliarden Euro aus. Dass das Land dennoch nicht die Produktion kappt, um die Preise zu stützen, liegt Experten zufolge daran, dass es andere Förderer aus dem Markt drängen will. Das gelte vor allem für jene, die Öl aus Schiefer gewinnen. Das Verfahren ist relativ teuer. Bleibt der Ölpreis niedrig, können die Produzenten ihre Kosten nicht decken.

Nervöse Anleger

Die Aussicht auf eine anhaltende Ölschwemme hat die Anleger an den internationalen Finanzmärkten verunsichert. Nach dem Scheitern der Beratungen über eine Förderbremse fiel der Preis für die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee zeitweise um sieben Prozent auf 40,10 Dollar je Barrel (159 Liter).

"Dazu muss man aber sagen, dass Öl im Vorfeld eine deutliche Rallye von den Tiefständen weg gezeigt hatte. In gewisser Weise konnte das Treffen in Doha fast nur mehr enttäuschen, beziehungsweise zumindest zu Gewinnmitnahmen führen", kommentiert Monika Rosen den Preisverfall.

In den letzten Wochen hatten die Preise mit Blick auf die Beratungen der Ölförderer deutlich angezogen. Noch im Januar war Brent (ISIN XC0007240267) auf ein Zwölf-Jahres-Tief von rund 27 Dollar gerutscht. Der sich erholende Ölpreis hatte in der vorigen Woche auch Dax und EuroStoxx um 4,5 und 4,9 Prozent angeschoben. Nun bestehe das Risiko, dass die Stimmung an der Börse wieder kippe, sagte Analyst Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets. Zu den größten Verlierern in Europa zählten denn auch die Ölwerte wie die britische BP (ISIN GB0007980591), die britisch-niederländische Royal Dutch Shell (GB00B03MLX29), die französische Total und die italienische Eni mit zeitweiligen Kursverlusten von rund vier Prozent. Im Dax standen die Energiekonzerne RWE (ISIN DE0007037129) und E.ON (ISIN DE000ENAG999) unter Druck.

Am Nachmittag nach Doha beruhigten sich die Gemüter etwas und Brent notierte nur noch rund drei Prozent im Minus. Der Dax lag mit 10.034 Punkten 0,2 Prozent schwächer, der EuroStoxx50 rutschte um 0,4 Prozent ab. Für die Wall Street signalisierten die US-Futures ein leichtes Minus von 0,3 Prozent.

"Offenbar sind Politik und nationale Ehre für die Saudis wichtiger als der Ölpreis", sagte Rohstoff-Experte Ralph Leszczynski vom Schiffsbroker Banchero Costa. Iran habe keinen Grund zur Selbstbeschränkung. Das Land versuche einen Teil der Marktanteile zurückzugewinnen, die es durch die Sanktionen des Westens verloren habe.

Nachwehen des Ölpreisverfalls

Durch den Preisrutsch beim Rohöl kamen jene Währungen unter Abgabedruck, die sich traditionell eng an der Entwicklung der Rohstoffpreise, beziehungsweise des Rohölpreises orientieren: Der kanadische Dollar, der Neuseeland und der Austral–Dollar, sowie die Norwegische Krone. Im Gegenzug gibt es wieder Zuzug in die Sicherheit der Rentenmärkte, die Renditen auf die Staatsanleihen der Kernmärkte fallen.

Das Scheitern unterstreicht laut den Analysten der US-Bank Morgan Stanley den schlechten Zustand der Beziehungen innerhalb der Opec. Nun müsse mit einer Ausweitung der Fördermengen gerechnet werden. Bereits jetzt werden täglich schätzungsweise zwei Millionen Barrel mehr aus dem Boden gepumpt als benötigt. Wegen der weltweiten Überproduktion ist der Preis des Rohstoffs seit Mitte 2014 um rund 60 Prozent eingebrochen.

"Es gibt aber auch Analysten die sagen, dass keine Einigung in Doha das bessere Ergebnis sei", kommentiert Monika Rosen. Damit würde jetzt keine zu schnelle Erholung im Ölpreis „einzementiert“, sondern der Markt wird gezwungen, das Angebot zu drosseln. Rosen: "In den USA gibt es bereits klare Anzeichen einer sich abschwächenden Ölförderung. Gleichzeitig bestehen erste Hinweise auf eine Belebung der Nachfrage. Nur durch den anhaltend hohen Druck eines tiefen Ölpreises wird die Angebots-Seite gezwungen, die Produktion auf das neue Gleichgewicht einzustellen. Hätte man sich jetzt auf eine Beschränkung geeinigt, wäre der Druck weggefallen, was langfristig die Disziplin der Förderländer untergräbt."

Zur weiteren Entwicklung des Ölpreises verweist die Bank Austria Chefanalystin auf Analysten: "Goldman Sachs prognostiziert für das 4. Quartal 2016 einen Ölpreis von 45 Dollar, für den Jahresdurchschnitt 2017 dann 58 Dollar. Kurzfristig, also bis Ende Juni, sieht Goldman Sachs den Ölpreis bis auf 35 Dollar fallen. Auch Barclay’s erwartet in Reaktion auf das Treffen in Doha keinen Ölpreis unter 30 Dollar."

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