Georg Knill ist neuer Präsident der Industriellenvereinigung

Der 47-jährige Unternehmenseigentümer der Knill-Gruppe hat sich in einer Kampfabstimmung gegen IV-Vorarlberg-Chef Martin Ohneberg und Ex-voestalpine-Chef Wolfgang Eder durchgesetzt.

Georg Knill, Präsident Industriellenvereinigung (IV)

Georg Knill - neuer IV-Präsident.

Wien. Noch nie wurde so hart um den Chefsessel in der Industriellenvereinigung (IV) gekämpft. Doch nun ist der Dreikampf entschieden, bei dem die Hackeln teilweise tief geflogen sind. Der leicht favorisierte Steirer Georg Knill wurde gleich im ersten Wahlkampf vom gut 120-köpfigen IV-Vorstand bis zum Jahr 2024 gewählt. Er folgt dem Wiener Unternehmer Georg Kapsch nach, der der IV acht Jahre lang vorstand und nicht mehr gewählt werden konnte.

Bis Knill gewählt war, gab es bereits über neun Monate lang ein Tauziehen zwischen dem nun frisch gebackenen IV-Präsidenten und den weiteren Kandidaten Martin Ohneberg (Autozulieferer Henn bzw. IV-Vorarlberg) und Wolfgang Eder (Ex-voestalpine-Vorstandschef) um die Gunst der Wahlberechtigten.

"Die Industrie ist wichtiger Partner für die Menschen in unserem Land", betonte Knill heute nach seiner Wahl laut einer Aussendung der IV. "Gemeinsam können wir die großen Herausforderungen unserer Zeit - Digitalisierung, Klimawandel oder Wirtschaftskrise - zum Vorteil der Menschen bewältigen." Er dankte auch seinem Vorgänger Kapsch und dessen Vizepräsidenten Hubert Bertsch, Axel Greiner und Otmar Petschnig.

Mit Georg Knill schwingt sich nun ein Vertreter der (zumindest industriell gesehen) jüngeren Generation in den Chefsessel der Industriellenvereinigung (IV) - der noch dazu ein Unternehmenseigentümer ist, was sich auch viele Wahlberechtigte gewünscht haben. Der 47 Jahre alte Manager der familieneigenen Knill Gruppe hat seit 2016 auch schon Erfahrung als Präsident der IV Steiermark.

Knill leitet das Familienunternehmen - ein Mischkonzern - mit seinem Bruder Christian seit 2002. Dieser ist Wirtschaftskennern von den jährlichen Metaller-KV-Verhandlungen auf Seiten des Fachverbandes der Metalltechnischen Industrie ein Begriff.

Unmittelbar befinde sich Österreich in einer der größten Krisen der Zweiten Republik, betonte Knill. Daher brauche es ein starkes, entschlossenes Krisenmanagement, um den Standort Österreich wieder stark aufzustellen. "Das umfasst die Vorziehung sinnvoller öffentlicher Investitionen in die Infrastruktur, die Senkung der Lohnnebenkosten – und auch bei der Körperschaftsteuer müssen wir etwas tun", forderte Knill.

"Aber wir müssen auch langfristig an die Zukunft denken", so der Unternehmer. "Österreich muss zu den Besten gehören – nicht zuletzt im Bereich Innovation, Technologie und Digitalisierung, die durch Corona einen gewaltigen Schub erhalten hat. Österreich ist hier nur im Mittelfeld – wir müssen aber ins Spitzenfeld kommen. Dafür brauchen wir Menschen mit den richtigen Qualifikationen." Europa müsse auch wieder stärker werden, "aber das geht nur mit einer starken, innovativen Industrie – der europäische "Green Deal" oder das europäische Forschungsrahmenprogramm "Horizon Europe" sind dafür wesentliche Instrumente".

In der Geschichte der 1862 gegründeten IV, dem neben der Gewerkschaft mächtigsten Verein Österreichs, war der Dreikampf ein absolutes Novum. Nur einmal kam es 1996 zu einer Kampfabstimmung, bei der RHI-Gründer Hellmut Login dem Miba-Eigentümer Peter Mitterbauer unterlag. Um nach außen keine Wellen zu schlagen, einigen sich die Industriellen üblicherweise unter Führung der Landespräsidenten vorab auf einen Kandidaten, der bei der Wahl nur abgesegnet wird. Die IV zählt überwiegend erfolgreiche Unternehmer zu ihren rund 4.500 Mitgliedern.

Diesmal forcierte eine starke Gruppe unter dem Schlagwort Generationswechsel den Vorarlberger Landeschef Martin Ohneberg, der auch das Wohlwollen der ÖVP-Spitze genießt. Als ernsthafter Gegenkandidat galt nur Ex-Voestalpine-General Wolfgang Eder, der anfangs jedoch durchklingen ließ, er werde sich keiner Kampfabstimmung stellen. So entstand bereits da eine Bruchlinie, die, grob gesagt, zwischen den Vertretern der Großkonzerne (pro Eder) und eigentümergeführten Mittelständlern (pro Ohneberg) verlief.

Der trend hatte bereits [Ausgabe 23-24/2020 vom 5. Juni 2020] im Vorfeld die drei Programme der Kandidaten verglichen. Das Programm des neuen IV-Präsidenten Georg Knill umfasst vier Kernpunkte. Eine wesentliche Rolle werden dabei Infineon Austria-Chef Sabine Herlitschka sowie Boehringer-Chef Philipp von Lattorff spielen, die Knill als Vizepräsidenten in die IV nominieren will.


Das Programm von Georg Knill

  • Schwerpunkte Keine Erbschafts-und Vermögenssteuer. Längerfristige Krisenhilfen für die Industrie (Kurzarbeit). Qualifizierung Richtung mehr IT-und Technikorientierung. Aufholen bei der Digitalisierung.
  • Organisation Würde wohl am wenigsten in der IV-Struktur verändern. Betont, mit dem vorhandenen Team weiterarbeiten zu wollen.
  • Polit-Netzwerk Gute Zugänge zur Regierungspartei ÖVP und in der Steiermark, aber kein klassischer politischer Netzwerker.
  • Das Team Hat Infineon-Chefin Sabine Herlitschka und Boehringer- Boss Philipp von Lattorff als Vizepräsidenten nominiert. Ein Platz für Oberösterreich freigehalten. Unterstützung u. a. aus der Steiermark und dem Burgenland.


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