Geld ausgeben in der Pandemie: Was die Österreicher gekauft haben

Am 16. März 2020 begann in Österreich der erste Corona-Lockdown. Über ein Jahr später bestimmt die Pandemie immer noch das Leben der Menschen. Die Zahlen der Statistik Austria zeigen nun, wie sich das Konsumverhalten der Österreicher in der Zeit verändert hat.

Leere Straßen, geschlossene Geschäfte: Die Corona-Pandemie hatte dramatische Auswirkungen auf die Einkaufsgewohnheiten der Österreicher.

Leere Straßen, geschlossene Geschäfte: Die Corona-Pandemie hatte dramatische Auswirkungen auf die Einkaufsgewohnheiten der Österreicher.

Abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Geschäfte, Gasthäuser, Kinos, Theater, Stadien und Vergnügungseinrichtungen - die Corona-Pandemie und die zu ihrer Eindämmung verhängten Lockdowns haben das Leben der Österreicher über ein Jahr lang massiv bestimmt. Es galt zuhause zu bleiben, Abstand zu halten, Kontakte einzuschränken und auf Treffen mit Freunden, Bekannten, ja sogar der eigenen Familie zu verzichten.

Die Folgen von "Stay at home": Von März bis Dezember 2020 verzeichnete der Flughafen Wien nur 3,71 Mio. Flugreisende. Das Verkehrsaufkommen stürzte ab März ins Bodenlose. Nur 12.632 Passagiere registrierte der Flughafen im April, ein Minus von 99,5 Prozent. 7,8 Mio. Passagiere waren es am Ende des Jahres, ein Minus von 75 Prozent. Im Rekordjahr 2019 waren es 31,7 Mio. Passagiere.

Homeoffice, Homeschooling und Homeentertainment waren angesagt. Die Folgen des "Bleib daheim, bleib gesund" lassen sich nun auch an den Verschiebungen in den Haushaltsausgaben der Österreicher ablesen, die nun aus der Konsumerhebung 2019/2020 der Statistik Austria hervorgehen.

Ausgaben reduzieren

Der erste Schluss: Sie Österreicher haben weniger Geld ausgegeben. Während des ersten Lockdowns von Mitte März bis Ende Juni 2020 lagen die durchschnittlichen Haushaltsausgaben um 13,5 Prozent unter denen des Jahres 2019. Zu einem guten Teil lässt sich dieser Rückgang auch auf gereingere Haushaltseinkommen aufgrund von Kurzarbeit und der in diesem Zeitraum herrschenden Rekordarbeitslosigkeit zurückführen.

Urlaubsreisen gingen in den ersten drei Quartalen 2020 um 31,7% zurück, Geschäftsreisen um 40,5%, Businesstrips ins Ausland um 48,7%. Die Ausgaben für dekorative Kosmetik - u. a. Mascara und Lippenstift - gingen von 44 auf 36 € pro Haushalt zurück, die für Handseife und Handcreme stiegen von 9 auf 11€.

Am meisten gespart haben die Österreicher in der Zeit - situationsbedingt - bei Gastronomie-Besuchen, wofür um mehr als die Hälfte weniger ausgegeben wurde (-55,9%). Die Ausgaben dafür liegen in allen Branchensegmenten deutlich unter dem Jahresdurchschnitt (Restaurants: -63,0%; Cafés: -71,0%; Fast-Food-Lokale: -52,6%. Den Totalausfall verhindern konnten die Betriebe durch Take-Away- und Lieferangebote, ein Segment das während des Lockdown 1 um 44,5 Prozent über den Jahresschnitt lag.

Deutlich reduziert wurden auch die Ausgaben für den Kauf neuer Bekleidung oder Schuhe (-30,3%), die monatlichen Ausgaben für Sport-, Kultur- oder Freizeitveranstaltungen (-41,4%), Körper- und Schönheitspflege (-38,7%) und Treibstoff (-32,5%)

Der Spritverbrauch ging 2020 deutlich zurück. Bei Benzin waren es mit 1,7 Mrd. Liter um 20% weniger, bei Diesel mit sieben Mrd. Liter um 17%. Im ersten Lockdown gingen die geahndeten Geschwindigkeitsübertretungen um ein Drittel zurück.

Neue Interessen

Das in der Gastronomie gesparte Geld leiteten die Österreicher zum Teil in den Kauf von mehr und höherwertigen Lebensmitteln um, was im Bereich der Ernährung in allen Bereichen zu höheren Ausgaben führte. Das Plus gegenüber dem Jahresdurchschnitt reicht von 3,4% bei Brot und Getreideprodukten bis hin zu 16,1% bei Gemüse. Die Österreicher haben es sich also zuhause gemütlich gemacht und genossen.

Ein Plus gegenüber dem Jahresdurchschnitt weisen Ausgaben für pharmazeutische Produkte (MNS-Masken) mit +36,7% auf, aber auch Ausgaben für Fahrzeugzugehör (+13,1%), Reinigungsmittel (+12,8%) oder hygienische Papier- und Zellstoffwaren (+4,3%) sind im Zeitraum März bis Juni 2020 höher.

In der Zeit der Hamsterkäufe liefen die Toilettenpapier-Werke auf Volllast. Die Jahresbilanz ist gemischt. Während es bei Haushalten Zuwächse gab, litten die auf Hygienelösungen für Hotels spezialisierten Unternehmen.

Zeutlich zugenommen hat auch der Traffic in den Mobilfunknetzen. Sowohl beim Verbrauch mobiler Daten als auch bei den Gesprächsminuten gab es einen deutlichen Schub, ausgelöst durch Streaming-Angebote, Homoffice und Homeschooling gab es bei den Gesprächsminuten etwa zeitweise ein Plus von über 80 Prozent.

Der Verbrauch mobiler Daten hat durch Homeoffice & Co. Schub bekommen. Am Buchmarkt legten nur Kinder- und Jugendbücher zu, Verlierer ist das Reisesegment. Der Buchmarkt schrumpfte in Österreich 2020 um 4,4 Prozent.

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