Fußball-Business: Österreichs Abstand zu Top-Nationen wächst

Fußball-Business: Österreichs Abstand zu Top-Nationen wächst

Manchester United-Star Paul Pogba (li.) soll den umsatzstärksten Klub auch sportlich wieder an die Spitze in Europa schießen. Österreich kann immer schwerer mithalten.

Fußball boomt, aber die großen Profiteure sind sechs Top-Ligen Europas, wo sich auch die Umsätze und das Gehaltsgefüge extrem von den restlichen Ligen absetzen. Österreichs Bundesliga und ihre Klubs fallen weiter zurück.

Fußball wird alljährlich zu einem noch größerem Geschäft. Und im Big Business um das runde Leder hat sich eine Gesellschaft von superreichen Klubs herausgebildet, die Milliarden bewegen. Ihnen stehen gleich mehrere Armenhäuser gegenüber.

Die Einnahmen und Ausgaben der europäischen Fußball-Klubs haben im Finanzjahr 2016 neue Rekordmarken erreicht: Die Umsätze sind in Europas 54 Top-Ligen mit ihren 7.000 Erstliga-Klubs um 9,4 Prozent auf insgesamt 18,5 Milliarden Euro gestiegen (von 2,8 Milliarden im Jahr 1996). Aber die Kluft zwischen den Topclubs und allen anderen wird immer größer. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse des jüngsten Club-Reports der Europäischen Fußball-Union (UEFA), der die Finanzen von Erstliga-Clubs in den 55 UEFA-Mitgliedsstaaten beleuchtet.

Allein die 30 Top-Klubs Europas generieren mit 9,1 Milliarden Euro rund die Hälfte der Einnahmen. Die Mehrheit der 670 Klubs müssen sich hingegen mit rund 9,4 Milliarden Euro etwas mehr als die andere Hälfte aufteilen.

Österreichs Top-Liga ist dabei sogar in einer Sparte die Nummer eins, was aber eher über die wirklich Ferne zu Europas Spitze hinwegtäuscht: Nur beim Punkt der gerechten Verteilung der Fernseh-Gelder ist Österreichs Topliga mit ihren Bundesliga-Clubs die Nummer eins in der UEFA-Rangliste. In Portugal ist die Verteilung dmnach am ungerechtesten.

Gegenüber den Top-Ligen sind die Einnahmen der heimischen Klubs aus den TV-Übertragungen allerdings nur Peanuts. Die Verteilung der TV-Gelder zeigtm dass bei den sechs größten Ligen Europas elf mal so viel TV-Geld eingesammelt wie bei den restlichen 48 Ligen Europas zusammen.

Die Insel ist das Reichenhaus

Einen enorm hohen Stellenwert hat Fußball traditionell in Großbritannien, dem Heimatland des Sports. Die Begeisterung für den Sport schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Allerdins in erste Linie bei der Top-Liga, der Premier League des Englischen Fußballverbands FA: Die britischen Clubs sind mit durchschnittlich 244,4 Millionen Euro Umsatz die klaren Umsatzkaiser in Europa.

Hinter Englands Top-Klubs folgen mit Respektabstand die Top-Vereine der Deutschen Bundesliga, die es im Schnitte auf 149,6 Millionen Euro bringen. Spanien (126,3) und Italien (100,2) folgen auf den Rängen drei und vier. Den Topligen haben Österreichs Bundesligisten nur einen Bruchteil der Umsätze dagegen zu setzen. Die zehn Topklubs der Alpenrepublik bringen es im Schnitt auf 16,3 Millionen Euro. Damit rangiert Österreichs oberste Liga auf Platz zwölf der UEFA-Rangliste. Schlusslicht ist San Marino, wo der durchschnittliche Club-Umsatz nur 150.000 Euro beträgt.

Wer zu den absoluten Top-Klubs zählt hat es auch leichter, Sponsorengelder zu hohen Preisen aufzustellen. Auffälig ist dabei vor allem der Zuwachs bei den zwölf größten europäischen Clubs: Sie verzeichnen Zuwächse von 1,58 Milliarden Euro und haben die Konkurrenz bei Sponsorverträgen in den Geschäftsjahren von 2010 bis 2016 klar hinter sich gelassen. Alle restlichen europäischen Clubs kommen in diesem Zeitraum zusammen nur auf ein Plus von 700 Millionen Euro.

ManU Europas Nummer 1

Manchester United, das bereits siet über 30 Jahren an der Spitze von Europas Klubs mitspielt, ist auch im neuen Report für das Jahr 2017 wieder die absolute Nummer eins im Ranking. Von 2015 zu 2016 konnte der Klub einen Umsatzzuwachs von fast 168 Millionen Euro verzeichnen und steht nun bei einem Jahresumsatz von 689 Millionen Euro. Und das obwohl sich der Verein aufgrund schlechter Saisonergebnisse zuletzt nicht einmal für die Champions League qualifizieren konnte. Erst der Europa-League-Titel 2016/2017 brachte den Verein wieder in die Königsklasse der europäischen Klubs.

Hinter Manchester United folgen als weitere Umsatzkaiser die spanischen Topclubs FC Barcelona und Real Madrid (je 620 Millionen). Bayern München (592 Millionen), Paris Saint-Germain (542 Millionen) und Manchester City (533 Millionen) folgen auf den Plätzen.

Auch beim operativen Gewinn ist Manchester United mit 232 Millionen Euro die Nummer eins, dem stehen aber auch massive Schulden gegenüber. Der hat mittlerweile Nettoschulden von 561 Millionen Euro. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sich der Verein nach zweijähriger Erfolglosigkeit kräftig am Transfermarkt betätigt und viele, zum Teil teuere Spieler verpflichtet hat, die aber dann trotzdem nicht die für den Erfolg notwendigen Tore erzielt haben. Die hohen Gagen haben das Ergebnis des Klubs gedrückt.

Der Transfermarkt

Im Transferfenster des Sommers 2017 sind laut UEFA Rekordausgaben von 5,6 Milliarden Euro geflossen. Im Gegensatz zu früheren Jahren kam es heuer zu einem rasanten Bieterwettstreit mit massiven Steigerungen bei den Transfersummen. Sechs der 20 teuersten Wechsel der Fußball-Historie wurden im letzten Sommer vollzogen.

Die größten Schlagzeilen hatte dabei der 222 Millionen Euro teure Abgang von Brasiliens Superstar Neymar, der Barcelona in Richtung Paris Saint-Germain verließ, generiert. "Barca" war übrigens mit 372 Millionen Euro die Nummer eins bei Gehaltszahlungen im Finanzjahr 2016.

Der Anstieg der Gagen

Die Spielergehälter stiegen im gesamten UEFA-Raum um 8,6 Prozent, 62 Prozent ihrer Nettokosten wenden die Clubs im Schnitt dafür auf. In England werden jährlich durchschnittlich 153,9 Millionen Euro pro Club an Lohnkosten bezahlt. Das ist mehr als doppelt so viel wie in Deutschland, das die Nummer zwei in dieser Kategorie ist.

Auch hier liegen die Top-Ligen in Front. In den kleineren Ländern Europas wird die höchste Spileklasse als "Ausbildungsliga" verstanden. Dort sind die Gagen weit unter den sechs Top-Ligen Europas.

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