"Für Strache eine Zukunft abseits der Politik"

Unternehmer Karl Ochsner

Karl Ochsner

Der Unternehmer Karl Ochsner rät seinem Freund Heinz-Christian Strache, das EU-Mandat nicht anzunehmen. Für die FPÖ oder FPÖ-nahe Vereine habe er nie gespendet.

trend: Sie gelten als der Parade-Mittelständler der FPÖ. Rechnen Sie damit, dass Sie Ihre Aufsichtsratsjobs bei ÖBB und ÖBAG abgeben müssen, wenn die Freiheitlichen nicht mehr in der Regierung sitzen?
Ochsner: Wenn ausschließlich politisch entschieden wird: ja. Ich klebe jedenfalls nicht an irgendeinem Sessel. Wer weiß, was ich fachlich bisher eingebracht habe, wird mich vielleicht dennoch auffordern, weiterzumachen. Ich glaube auch nicht, dass irgendjemand den Job nur wegen beispielsweise 9.000 Euro Aufsichtsratsentschädigung plus 200 Euro Sitzungsgeld pro Jahr macht, sondern meist aus idealistischen Gründen. Persönlich stehen für mich mein Unternehmen und der Klimaschutz im Vordergrund.

Sie sind der Trauzeuge von Heinz-­Christian Strache, der im Mittelpunkt jener Affäre steht, die am Ende zu Neuwahlen geführt hat.
Ich bin Trauzeuge von drei Ehen, warum hätte ich bei Strache ablehnen sollen? Für die Aufsichtsratsfunktionen hat mich jedoch der Wirtschaftsflügel der FPÖ, allen voran Arnold Schiefer und Norbert Hofer, ins Spiel gebracht. Strache hat mich in Sachen ÖBB erst Wochen später angerufen und gefragt, ob das stimmt. Ich werde ihn jetzt aber sicher nicht als Freund fallen lassen.


Ich distanziere mich klar.

Haben Sie derzeit Kontakt zu ihm?
Seit Auftauchen des Videos habe ich ihn nicht mehr persönlich erreicht. Er bräuchte aber keine Moralpredigt von mir, er weiß, wie ich zu diesen Dingen stehe. Ich distanziere mich klar von den Inhalten, und falls illegale Substanzen im Spiel waren, ist bekannt, dass ich ein erklärter Drogengegner bin und sogar Anti-Drogen-Kampagnen sponsore.

Sie sind überhaupt oft unterschiedlicher Meinung, Stichwort Klimaschutz.
Ich bin auch gegen die übersteigerte Asylpolitik der FPÖ. Mein international tätiges Unternehmen hat und braucht Mitarbeiter, die von überall her kommen. Aber diese persönliche Ebene muss man von der inhaltlichen trennen.


Ich würde Strache eine Zukunft abseits der Politik empfehlen.

Hat Sie der Inhalt des Videos überrascht?
Ja. Seitdem ich Strache kenne, habe ich nie Konversationen über solche Themen mit ihm geführt.

Würden Sie ihm anraten, das EU-Mandat anzunehmen?
Nein. Ich würde ihm empfehlen, dass er seine Zukunft abseits der Politik gestaltet. Es gibt auch ein Leben nach der Politik, und wahrscheinlich ist es lebenswerter.

Haben Sie jemals an FPÖ-nahe Vereine oder die FPÖ gespendet oder wurden Sie aufgefordert, es zu tun?
Nein. Ich spende für wohltätige Zwecke, aber nicht für Parteien.


Das Interview ist der trend-Ausgabe Nr. 23+24/2019 entnommen.

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