Frohe Weihnachten? Der Handel rechnet eher mit dem Krampus

Vom Branchenprimus Wal-Mart bis zum Online-Händler eBay: Handels-Konzerne sind pessimistisch, wenn es um die Feiertage zum Jahresende geht - denn die Konjunktur drückt auf die Laune der Konsumenten. Und das spürt auch die Börse.

Frohe Weihnachten? Der Handel rechnet eher mit dem Krampus

Die größten Einzelhändler der Welt bekommen die Konjunkturflaute in vielen Ländern immer stärker zu spüren. Für das Gesamtjahr und das wichtige Weihnachtsgeschäft sind die Firmen zunehmend pessimistisch - im klassischen Handel wie auch im Internet. So senkten jetzt der Branchenprimus Wal-Mart sowie der Online-Handelsriese eBay die Geschäftsprognosen. Diese Woche hat bereits ein überraschender Umsatzrückgang aller US-Einzelhändler im September die Konjunktursorgen vieler Anleger verstärkt und für einen Kurssturz an den Börsen gesorgt. In Europa ist die Lage nicht besser. Hier leidet der Handelsriese Carrefour darunter, dass besonders Spanier und Italiener ihr Geld zusammenhalten.

Wal-Mart - der weltgrößte Einzelhändler mit einem Jahresumsatz von zuletzt 473 Milliarden Dollar - rechnet nun nur noch mit einem Einnahmeplus von zwei bis drei Prozent. Zuvor war für das laufende Geschäftsjahr bis Ende Januar 2015 von mindestens drei Prozent die Rede gewesen. Noch trüber sieht es auf vergleichbarer Basis aus, also ohne neu eröffnete Läden. Hier gibt es seit eineinhalb Jahren stagnierende oder sogar rückläufige Werte. Das Management erklärte die Prognosesenkung vor allem mit dem deutlich gestiegenen Dollar, der das Auslandsgeschäft belastet. Auch weniger staatlichen Hilfen für Bedürftige in den USA, etwa in Form von Lebensmittelmarken, wirkten sich negativ aus. Mindestens 20 Prozent der Wal-Mart-Kunden sind auf solche Unterstützungen angewiesen.

eBay legte unterdessen erstmals nach der angekündigten Abspaltung von PayPal Quartalszahlen vor. Während der Finanzdienst rasant wächst, leidet der Handelsbereich noch immer unter den Folgen eines massiven Hackerangriffs, der viele Kunden verunsichert hat. Im Mai mussten eBay-Kunden weltweit ihre Passwörter ändern. Um die negativen Einflüsse auf Umsatz und Ergebnis zu stoppen, erhöht eBay die Marketingausgaben. Dennoch rechnet der US-Konzern im Gesamtjahr nur noch mit einem Umsatz von 17,85 bis 17,95 Milliarden Dollar. Bislang hatte eBay 18 bis 18,3 Milliarden Dollar erwartet.

Wie tickt der Konsument?

"Es gibt einige Fragezeichen, wenn es um die Stimmung der Konsumenten geht, jetzt wo wir uns den Feiertagen langsam nähern", sagte Scott Kessler vom Analysehaus S&P Capital IQ. Für das vierte Quartal geht eBay von einem Umsatz von weniger als fünf Milliarden Dollar aus. Auch das ist überraschend wenig. Denn Experten hatten zuletzt eher mit 5,2 Milliarden Dollar gerechnet. Im Weihnachtsgeschäft erzielen viele Einzelhändler einen Großteil ihrer Umsätze.

An der Börse kam diese Nachrichten nicht gut an: Wal-Mart-Aktien gaben im frühen Handel um 1,8 Prozent nach, eBay-Titel um 4,9 Prozent. Auch in Europa grassiert die Angst vor einer kräftigen Konjunkturabkühlung. Beim französischen Carrefour-Konzern schlägt sich vor allem die Wirtschaftskrise in Italien und Spanien negativ nieder. Das Umsatzwachstum auf vergleichbarer Basis habe sich im dritten Quartal verlangsamt, teilte der Metro -Konkurrent mit und verwies auf fallende Preise für Obst und Gemüse. Von Juli bis September verkaufte der zweitgrößte Einzelhändler der Welt Waren im Wert von 21,1 Milliarden Euro. Ohne Sonderfaktoren wie Währungsschwankungen wuchs der Umsatz um 2,8 Prozent, nachdem das Plus im Frühjahr noch bei 4,9 Prozent gelegen hatte.

"Die europäischen Verbraucher sehen nicht mehr so optimistisch in die Zukunft wie noch im Juni", betonten die Konsumforscher der GfK. Carrefour ist stark abhängig von Europa, wo der Konzern fast drei Viertel seiner Einnahmen generiert. Neue Zahlen von Metro werden nächste Woche erwartet. Hohe Sonderlasten für Standortschließungen und die Sanierung von Europas größter Elektronikhandelskette Media-Saturn hatten die Gruppe zuletzt in die Verlustzone gedrückt.

Auch der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestle kommt vor allem in Europa nicht in Schwung. Zudem sind in den Schwellenländern Asiens Kaffee, Süßigkeiten und Fertigmahlzeiten der Schweizer nicht mehr so stark gefragt wie früher. Und der Weltmarktführer - bekannt für Marken wie After Eight, KitKat, Maggi, Mövenpick oder Nescafe - muss seine Preise senken. Der Umsatz sank in den ersten neun Monaten um drei Prozent auf 66,22 Milliarden Franken (54,8 Milliarden Euro).

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