Frankreichs große Abhängigkeit vom Atomstrom

Frankreichs große Abhängigkeit vom Atomstrom

Die Protestwelle gegen eine umstrittene Arbeitsrechtsreform in Frankreich hat jetzt auch die Atomkraftwerke des Landes erfasst: Am Donnerstag wurde in allen 19 französischen AKW gestreikt.

Die Gewerkschaften nehmen damit einen besonders wichtigen Sektor ins Visier. Denn Frankreich ist in hohem Maße von der Atomkraft abhängig: Die insgesamt 58 Reaktoren decken rund 75 Prozent des Strombedarfs des Landes. Einen höheren Atomstromanteil gibt es in keinem anderen Land der Welt, mehr Reaktoren stehen nur in den USA.

Die Regierung von Staatschef Francois Hollande will diese Abhängigkeit senken: Ein im vergangenen Sommer verabschiedetes Energiewende-Gesetz sieht vor, den Anteil vom Atomstrom am Energiemix bis 2025 auf 50 Prozent zu senken. Das Gesetz räumt der Regierung aber anders als ursprünglich geplant kein Recht ein, Atomanlagen zu schließen.

Festgeschrieben wird lediglich eine Kapazitätsobergrenze für die Atomkraft auf dem heutigen Stand von 63 Gigawatt. Mehrjährige Energiepläne sollen dann konkret festschreiben, wie viel Atomstrom produziert werden darf.

Frankreich bleibt der Atomkraft treu

Kritiker zweifeln daher daran, dass das 50-Prozent-Ziel erreicht wird - zumal Umweltministerin Segolene Royal einer Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken von 40 auf 50 Jahre gegenüber aufgeschlossen ist. Außerdem ist bisher nur die Stilllegung eines einzigen Atomkraftwerks geplant: Dichtmachen soll das Pannen-AKW im elsässischen Fessenheim nahe der deutschen Grenze, wo Frankreichs älteste Reaktoren stehen.

Ursprünglich hatte Hollande versprochen, Fessenheim bis Ende 2016 vom Netz zu nehmen, inzwischen musste er aber einen Rückzieher machen. In diesem Jahr soll lediglich ein Dekret zur Stilllegung des Atomkraftwerks veröffentlicht werden. Eine wirkliche Schließung wird nun für 2018 anvisiert, aber auch dieser Termin steht noch nicht fest - zumal die konservative Opposition von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy, die bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2017 die Macht zurückerobern könnte, eine Abkehr von der Atomkraft für unsinnig hält.

Auch der Bau eines neuen Atomreaktors im nordfranzösischen Flamanville zeigt, dass Frankreich weiterhin auf die Atomkraft setzt. Zumal die Branche trotz der Finanzschwierigkeiten etwa beim Stromriesen EDF und dem Reaktorbauer Areva ein wichtiger Arbeitgeber ist - an der Atomkraft hängen in Frankreich laut Schätzungen direkt und indirekt rund 220.000 Arbeitsplätze.

Wirtschaft

Klimawandel: Energieverbrauch muss dramatisch sinken

Wirtschaft

Jeremy Rifkin: "Fossile Industrien werden wertlos"

Wirtschaft

Neuer Startschuss für Alibaba-Börsengang in Hongkong

Wirtschaft

Neues Online-Verzeichnis zeigt Stromtankstellen für E-Autos