Frankfurter Buchmesse: Der Feind heißt Amazon

Der Umsatz mit Taschenbüchern ist in den ersten acht Monaten des Jahres um 7,3 Prozent eingebrochen, das Geschäft mit digitalen Büchern gedeiht hingegen prächtig. Platzhirsch auf diesem Markt ist der US-Konzern Amazon mit seinem Kindle – mit einem neuen Abo-Modell wagt die Nemesis des Buchhandels nun den nächsten Schachzug.

Frankfurter Buchmesse: Der Feind heißt Amazon
Frankfurter Buchmesse: Der Feind heißt Amazon

Das gedruckte Buch ist der Star der Frankfurter Buchmesse - doch Lesen auf digitalen Geräten wird immer beliebter.

Alle sind sie gekommen zur weltweit größten Veranstaltung der Branche, die heute ihre Pforten öffnet: Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, der finnische Präsident Sauli Niinistö, sowie die Bestsellerautoren Ken Follett und Paulo Coelho – letzterer nutzt die Gunst der Stunde, um mit dem Buch „Untreue“ seinen neuesten Esoterik-Schmöker zu bewerben. Bis Sonntag präsentieren 7000 Aussteller – darunter 108 Verlage aus Österreich - auf der Frankfurter Buchmesse ihre Produkte, erwartet werden bis zu 300.000 Besucher. Doch es brodelt hinter den literarischen Kulissen – denn auch die Buchbranche ist vor der digitalen Revolution nicht gefeit; und wirtschaftliche Umbrüche sorgen bei so manchem Verlagsmanager schon seit Jahren für Unbehagen.

Denn in den ersten acht Monaten des Jahres sank der Umsatz im gesamten Buchhandels um drei Prozent; am stärksten betroffen sind Taschenbücher: Hier wurden 7,3 Prozent weniger verkauft als im Vorjahr. Der Sündenbock für diese Entwicklung ist schnell gefunden: Das E-Book allgemein - und besonders Amazon, der Platzhirsch des digitalen Buchhandels. „Wenn ich eine Firma hasse, dann diese“, hatte Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff vergangenes Jahr zur Eröffnung der „Buch Wien“ gegen den US-Konzern gewettert: Das Unternehmen zahle in vielen Ländern keine Steuern, zerstöre Buchhändler und zunehmend auch die Verlage, sagte die 59-jährige.

E-Books erobern den Markt

Dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels zufolge machten digitale Bücher, die auf Tablet-PCs oder E-Readern wie dem Amazon Kindle gelesen werden, im ersten Halbjahr 2014 bereits 4,9 Prozent des Umsatzes im deutschen Publikumsmarkt aus; in der Periode des Vorjahres waren es noch 4,2 Prozent. Im Jahresvergleich nimmt der Umsatz mit elektronischen Büchern um 12,9 Prozent zu.

Die Leser schätzen an E-Books vor allem die Einfachheit: Die Bücher werden mit einem Klick aus dem Internet bestellt und landen in Sekundenschnelle auf dem Lesegerät; selbiges kann tausende Werke speichern, die man somit stets dabei hat – das ist vor allem im Urlaub praktisch, da beim Packen des Reisekoffers noch keine Entscheidung für die bevorzugte Strandlektüre getroffen werden muss.

Self-Publishing: Rebellen im Selbstverlag

Und unter den Schriftstellern macht sich der Trend zum „Self Publishing“ breit: Sie veröffentlichen ihre Bücher auf eigene Faust, anstatt sich an einen Verlag zu wenden – und verdienen somit deutlich mehr pro verkauftem Exemplar. Amazon preschte hier mit seinem Programm namens „Kindle Direct Publishing“ vor, bei dem Autoren bis zu 70 Prozent des Buchpreises als Bezahlung behalten (den Rest verleibt sich Amazon ein); zum Veröffentlichen eines Buchs muss lediglich ein Word-Dokument hochgeladen werden.

Auch andere Plattformen springen nun auf den Trend auf und geben den Autoren nützliche Werkzeuge zum selbständigen Publizieren in die Hand. So bieten die Website www.bod.de und das zur Holtzbrinck-Gruppe gehörende www.epubli.de an, Bücher von Autoren zu drucken. Das Buch erhält bei den Anbietern eine ISBN-Nummer und kann somit im stationären Buchhandel oder im Web bestellt werden – geht eine Bestellung ein, so wird ein Exemplar speziell für den Kunden gedruckt.

Amazons neue Flatrate

Weiter befeuert wird dieser Trend wohl durch den jüngsten Schachzug des US-Konzerns Amazon: Das Programm „Kindle Unlimited“ ist nun auch im deutschsprachigen Raum gestartet; hier können die Kunden für einen monatlichen Beitrag von 9,99 Euro unlimitiert auf ein Repertoire von 650.000 Büchern zugreifen, darunter 40.000 Titel in deutscher Sprache – hauptsächlich sind darunter viele Titel der zuvor genannten Selbstverleger, aber auch die „Harry Potter“-Reihe von Bestseller-Autorin J.K. Rowling.

Viele andere große Titel sind jedoch nicht dabei – denn mit den Verlagen liefert sich Amazon an gleich mehreren Fronten einen Krieg um Buchpreisbindung, Urheberrecht und Vergütung. Unter anderem sagte Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, gegenüber dem Standard, man werde die Situation genau „in Richtung Buchpreisbindung und einer möglichen Umgehung“ beobachten. Rückenwind bekommen die Verlage auch von der Politik: Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderte zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, das Urheberrecht für den digitalen Markt global neu zu definieren. "Wir brauchen ein Völkerrecht des Netzes", sagte er - und warnte vor einer "Monopolisierung des Internets durch große Datenkonzerne".

trend präsentiert: Cross Mentoring reloaded für Top Executives

INAMERA und die WU Executive Academy gehen mit ihrem innovativen Cross …

Peter Thiel

Peter Thiel: Gegen den Mainstream

Er hat Donald Trump unterstützt und zuletzt Sebastian Kurz engagiert. Vor …

Corona-Shopping mit 2G-Kontrollen im Handel und bei Dienstleistern

Die "Aktion scharf" im Handel ist gestartet: Beim Eingang oder spätestens …

Axel Kühner, CEO Greiner AG

Greiner ist mit der Übernahme von Recticel abgeblitzt

Der oberösterreichische Kunststoffhersteller Greiner ist mit seinem …