Frank Stronach will Mikro-E-Autos in der Steiermark bauen

Magna-Gründer Frank Stronach will in die Produktion von Mikro-E-Autos einsteigen. Die Europa-Zentrale für Forschung und Entwicklung und eine Fabrik seiner "Stronach International" sollen in der Steiermark entstehen.

Frank Stronach will Mikro-E-Autos in der Steiermark bauen

Frank Stronach ist zurück, mit Mikro-E-Fahrzeugen. Der einsitzige, dreirädrige "Sarit" der Stronach Intenational soll in Österreich gebaut werden.

Der mittlerweile 89 Jahre alte austro-kanadische Unternehmer und Magna-Gründer Frank Stronach hat ein neues Projekt am Start: Den Sarit, ein einsitziges, dreirädriges Mikro-Elektromobil, mit dem er bei der sich ändernden Mobilität ein Wörtchen mitreden will.

Die Idee dafür sei ihm vor wenigen Jahren im Stau stehend am Weg nach Toronto gekommen: "Das ist ja eine Vergeudung von Energie und in 95 Prozent der Autos war nur der Fahrer. Das kann ja nicht sein." Es war der Anlass, an einem Modell aus dem Bereich der "Micro-Mobility" zu basteln, meinte Stronach weiter, der sich überzeugt gibt, dass den kleinen Fahrzeugen eine große Zukunft bevorsteht: "Ob wir es wollen oder nicht."

Für die Konzeption des Sarit habe er sich viel mit dem Thema Treibhausgase und Umweltauswirkungen beschäftigt: "Es ist ernst", mahnte Stronach und kritisierte, dass herkömmliche Autos zu viel Stellplatzfläche benötigen. Den Sarit bezeichnete der betagte Unternehmer daher auch in einem Interview mit der kanadischen Financial Post als sein "Masterpiece", seine "Krönung".

Europa-Zentrale in der Steiermark

Frank Stronach mit einem "Sarit" Prototyp.

In einem ersten Werk in nördlich von Toronto, Kanada soll die Produktion im zweiten Quartal 2022 anlaufen. 120.000 Fahrzeuge will Stronach dort jährlich produzieren lassen. Die ersten Sarit-Modelle sollen Ende 2022 auch in Österreich zu kaufen sein. "Der Hauptzweck ist der Weg von zu Hause zur Arbeit und zurück", erklärte Stronach.

In Laßnitzthal nahe Gleisdorf in der Steiermark soll die Europa-Zentrale samt und Forschungszentrum und Fabrik entstehen. Die Pläne für den Bau könnten 2022 konkreter werden. Das Grundstück hat Stronach jedenfalls schon: Vor mehr als einem Jahrzehnt hat er dort ein Areal von rund 13 Hektar Fläche erworben.

Eine Wette auf Micro-Mobility

Ob die Idee dann auch tatsächlich angenommen wird bleibt abzuwarten. Stronach ist nicht der erste und auch nicht der einzige, der die Idee für ein Mikro-Auto hatte. Obwohl er davon überzeugt ist, dass das der Fall ist. "I want to be first out of the gate with the small car", erklärte er etwa im Financial Post Gespräch.

Als führerscheinfreie Seniorenmobile gibt es jedoch ähnliche für den Straßenverkehr zugelassene Winzlinge schon lange von verschiedenen Herstellern. Und eine moderne Variante des einsitzigen E-Straßenflitzers hat etwa Renault mit dem Twizy schon seit dem Jahr 2011 im Angebot. Ein großer Verkaufsschlager war der Renault Twizy bislang freilich nicht. Die ursprünglich auf 9.000 Stück angesetzte weltweite Jahresproduktion wurde bald darauf auf 2.500 Stück reduziert, 2019 wurde die Produktion nach Korea verlagert weshalb es zu einem länger andauernden Produktionsstopp kam und seither kaum weitere Fahrzeuge ausgeliefert werden konnten.

Der Renault Twizy (links) und Stronachs Sarit (rechts)

Der Renault Twizy (links) und Stronachs Sarit (rechts)

Im Vergleich zu dem Twizy, der durchaus mit einer interessanten Optik und einem Vertrauen erweckenden Design mit modernen Sicherheitsmerkmalen aufwarten kann, sieht Stronachs Sarit allerdings aus wie ein hässliches Entlein, ein dreirädriger, zu heiß gewaschener 2CV, Baujahr Mitte der 1980er Jahre.

Allerdings hat Stronach im Vergleich zu anderen Herstellern ein durchaus interessantes Preisversprechen. Der Sarit soll ab einem Einstiegspreis von rund 4.000 Euro als Einsitzer mit etwa 80 Kilometer Reichweite erhältlich sein. Der Twizy kostet in seiner günstigsten Variante etwa dreimal so viel (11.450 €), vom Microcar-Hersteller Ligier steht das günstigste Modell "Club" aktuell mit 13.490 € in der Preisliste.

Der Sarit kann an jeder Steckdose aufgeladen werden und ist bewusst nicht nicht breiter als 1,10 Meter und nicht länger als 2,30 Meter, sind doch Raum und Parkplätze in Städten ein knappes Gut. Auf einen normalen Pkw-Parkplatz sollen vier von Stronachs E-Mobilen passen, zwei dieser Mikro-Fahrzeuge haben nebeneinander parallel auf einem Fahrstreifen Platz.

Mikro-Autos sieht Stronach daher als entscheidenden Teil im städtischen Mobilitäts-Mix der Zukunft. Für Schnellstraßen oder Autobahnen sind die Fahrzeuge jedoch nicht ausgelegt.

Politische Willkommensbotschaft

Für den steirischen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer ist es jedenfalls eine interessante Geschichte, wenn Stronach dem etwas kriselnden Automobilcluster in dem Bundesland neues Leben einhauchen will. Jüngst hatte etwa der Auspuff-Spezialist Remus bekannt gegeben, sein Stammwerk in Bärnbach zu schließen. "Die Automobilindustrie ist im Umbruch", erklärte Schützenhofer und dankte Stronach für die geplante Investition.

Der als Franz Strohsack im Bezirk Weiz geborene Unternehmer hat mit Magna Tausende Arbeitsplätze in die Steiermark gebracht: "Jetzt startet er mit dem Auto noch einmal durch", so Schützenhöfer, der sich selbst in einen der Sarit-Prototypen zwängte und eine Probefahrt am Gelände der TU Graz unternahm. "Es spielt alle Stückl, ist erschwinglich und hat günstige Betriebskosten", resümierte er anschließend.

Der Landeshauptmann prognostizierte zumindest 500 Arbeitsplätze, die durch das Werk in Laßnitzthal neu entstehen sollen. Vize-Landeshauptmann Anton Lang meinte, dass der Sarit "in wenigen Jahren aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken sein" werde. Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl ergänzte: "Stronach denkt und setzt auf die Steiermark."

Mit Magna gab es laut Stronch übrigens keine Gespräche zum Bau des E-Kleinstmobils. Gebaut werden soll das Fahrzeug von der neu gegründeten Stronach International. Frank Stronach ist bislang deren einziger Aktionär, 40 Prozent des Profits sollen seinen Enkelkindern zukommen, 20 Prozent würden Manager und Arbeiter erhalten, 10 Prozent wären als Sozialspenden eingeplant und 30 Prozent sollen reinvestiert werden.

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