G20-Gipfel: Hintergund zum Treffen der Industrie- und Schwellenländer

G20-Gipfel: Hintergund zum Treffen der Industrie- und Schwellenländer
G20-Gipfel: Hintergund zum Treffen der Industrie- und Schwellenländer

Das globale Finanzsystem, geopolitische Konflikte und die Ebola-Epidemie stehen auf der Agenda beim G-20-Gipfel in Brisbane.

Am Wochenende treffen sich die Staats- und Regierungschefs der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der der Welt zum G20-Gipfel in Brisbane. Was hinter dem G20-Treffen steckt, worüber in Brisbane verhandelt wird und was vom Treffen der globalen Politprominenz zu erwarten ist.

Am Wochenende findet im australischen Brisbane das G-20 Gipfeltreffen statt. Bei der Zusammenkunft der Staatschefs der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt und Vertretern der Europäischen Union werden die globale wirtschaftliche Entwicklung, geopolitische Konflikte und die Klimaerwärmung diskutiert. Daneben stehen etwa der Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die Eindämmung der Ebola-Epidemie und der Konflikt in der Ostukraine auf der Agenda.

Im Fokus der Gipfelteilnehmer steht das globale Finanzsystem mit seinen zahlreichen undurchsichtigen Hedgefonds, Geldmarktfonds und anderen wenig regulierten Geldhäusern. Schärfere Auflagen sollen die Bankenbranche krisenfester machen, denn laut der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel sei es ein "Bereich, der regulatorisch ziemlich nackt dasteht".

Was steckt hinter den G-20?

Die Gruppe der G-20: Das sind 19 Länder – darunter die USA, Japan, Frankreich und Großbritannien – aber auch die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Die europäische Union ist als supranationale Organisation ebenfalls Mitglied des Zusammenschlusses. Die G-20 repräsentiert zwei Drittel der Weltbevölkerung und 75 Prozent des weltweiten Handels. Sie entstand 1999 als Reaktion auf die Finanzkrise in Asien. Zunächst trafen sich die Finanzminister und Vertreter der Zentralbanken. 2008 änderte sich das mit der globalen Finanzkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Seither gibt es ein jährliches Treffen auch auf Gipfelebene. Begründung: international enger abgestimmtes Vorgehen zum Wohl der Weltwirtschaft. Derzeit führt Australien den G-20-Vorsitz.

Worüber wird in Brisbane diskutiert?

Gedacht sind die G-20 als reines Wirtschaftsforum. Es geht darum, die Weltwirtschaft stärken, Reformen in den Mitgliedsländern anstoßen, Finanzmärkte überwachen, oder internationale Finanzinstitutionen zu reformieren. Aber wo dermaßen viel politische Macht versammelt ist, landen natürlich auch andree Themen auf der Agenda. IN Brisbane sind das zum Beispiel das Weltklima, politische Konfliktherde und Krisen. An letzteren ist 2014 kein Mangel.

Besondere Aufmerksamkeit wird der russische Präsident Wladimir Putin erfahren. Putin wird darauf drängen, dass die Wirtschaftssanktionen der USA und der EU gegen Russland aufgehoben werden. Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew hat schon vor Beginn des Gipfels betont, dass die Beziehungen normalisiert werden müssen.

Was ist vom Gipfeltreffen zu erwarten?

Die G-20-Präsidentschaft hätte gerne verbindliche Maßnahmen zur Stärkung der Weltwirtschaft und für mehr Wachstum, das natürlich "nachhaltig" sein muss. Herauskommen wird am Sonntag aller Voraussicht nach ein (von den Sherpas monatelang vorverhandeltes) Abschlussdokument, das wie immer eine Quersumme vollendeter Diplomatie, mehrfach abgesicherter Unverbindlichkeit und Ziel geharnischter Kritik einer Reihe von NGO sein wird. Die G-20 werden sich zum Kampf gegen den die Terrormiliz "Islamischen Staat" (IS) und die Ebola-Epidemie bekennen, das Klima schützen wollen sowie Wachstum und Beschäftigung steigern.

Welche Politiker reisen zum G20-Treffen?

Gastgeber des Gipfeltreffens ist der australische Premier Tony Abbott. Zu den Staats- und Regierungschefs, die zum G20-Treffen nach Brisbane kommen, gehören: Héctor Timerman, der Außenminister Argentiniens, Dilma Rousseff, die Präsidentin Brasiliens, der kanadische Premierminister Stephen Harper, der chinesische Präsident Xi Jinping, Frankreichs Präsident François Hollande, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, der indische Premier Narendra Modi, Joko Widodo, der Präsident Indonesiens, der italienische Premier Matteo Renzi, Japans Regierungschef Shinzō Abe, Enrique Peña Nieto, der Präsident Mexikos, der russische Präsident Vladimir Putin, der saudische König Abdullah, Südafrikas Präsident Jacob Zuma, die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye, der türkische Premier Ahmet Davutoğlu,der britische Premier David Cameron und US-Präsident Barack Obama. Für die europäische Union nehmen Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker teil.

Als Gäste sind außerdem Mohamed Ould Abdel Aziz, der Präsident Mauretaniens, Thein Sein, der Präsident Myanmars, John Key, der Premierminister Neuseelands, Macky Sall, der Präsident Senegals sowie Lee Hsien Loong, Premier von Singapur und der spanische Regierungschef Mariano Rajoy vor Ort.

Zum G-20-Gipfel in Brisbane werden außerdem etwa 5300 Delegierte und 2300 Journalisten aus aller Welt erwartet.

Sind die Sorgen um die Sicherheit groß?

Gipfeltreffen dieser Kategorie sind für die Sicherheitsleute immer besondere Herausforderungen, das ist in Brisbane nicht anders. Dazu kommt nun eine besonders erhöhte Wachsamkeit, weil Australien in der internationalen Koalition gegen den Islamischen Staat mitmacht. In Brisbane gibt es bekannterweise muslimische Extremisten. Dort und in Sydney fand am 18. September die größte Anti-Terror-Razzia in der Geschichte der australischen Polizei statt. Zwei Verdächtige aus Brisbane sind in Haft, darunter der Bruder des ersten australischen Selbstmordattentäters, der im September 2013 in Syrien 35 Menschen in den Tod riss. Als Demonstration seiner Macht hat Russland vier Kriegsschiffe der eigenen Pazifikflotte vor die Küste Australiens verlegt

Wo findet der nächste G-20-Gipfel statt?

Im nächsten Jahr geht es in die Türkei, nach Istanbul. Vor Brisbane war Russland an der Reihe (St. Petersburg). Brisbane ist der neunte Gipfel der G-20: Washington - USA (2008), London - UK (2009), Pittsburg - USA (2009), Toronto - Kanada (2010), Seoul - Südkorea (2010), Cannes - Frankreich (2011), Los Cabos - Mexico (2012).

Brigitte Ederer

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