Frachtpreise von und nach China steigen in lichte Höhen

Die Transportkapazitäten von und nach China sind massiv geschrumpft. Lesen Sie wie stark die Transporte zu Wasser, Land und Luft derzeit nach wie vor in China eingeschränkt sind und wie sehr sich das bereits auf die Preise ausgewirkt hat.

Frachtpreise von und nach China steigen in lichte Höhen

Wenn kaum noch Passagierflieger nach China abheben, bleiben auch die Waren am Boden.

Die Kosten für Transporte von und nach China explodieren. Betroffen ist vor allem die Luftfracht, aber auch in der Containerschifffahrt steigen die Preise bereits kräftig.

Bei der Luftfracht sind die steigenden Preise auf die zahlreichen gestrichenen Flüge nach China zurückzuführen. Rund die Hälfte der weltweiten Luftfracht wird normalerweise von Passagierjets transportiert. Da aber wegen der Coronavirus-Epidemie Routen gestrichen und obendrein die Reisefreudigkeit der Passagiere deutlich zurückgegangen ist, lassen viele Fluglinien ihre Maschinen am Boden.

Nach Angaben des Transportvermittlers Agility Logistics sind lagen die Luftfrachtkapazitäten Chinas im Februar um 39 Prozent unter dem Vorjahr. "Die Preise sind um das Dreifache gestiegen weil es kaum Kapazitäten gibt", sagt Refael Elbaz, Chef des israelischen Logistikunternehmens Unicargo, das unter anderem viele Transporte für den Online-Händler Amazon abwickelt, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Andere Firmen der Logistikbranche informierten ihre Kunden, das die Frachtpreise für die Route China-USA "abnormale Höhen" erreicht hätten.

Produktion läuft wieder an

Verschärft wird die Transportknappheit dadurch, dass China die schärfsten Corona-Schutzmaßnahmen bereits hinter sich hat und die Industrieproduktion wieder anläuft. Etwa im rund 300 Kilometer westlich von Shanghai im Landesinneren gelegenen Nanjing, wo unter anderem auch Lenzing eine Produktion hat. In der Faserfabrik läuft die Produktion bereits seit dem 21. Februar wieder bei vollen Kapazitäten.

Aber nicht nur am Luftweg, auch bei Transportschiffen und der Eisenbahn, ist man nach wie weit von der Normalität entfernt. Am Yangtze-Hafen von Nanjing wurden zuletzt schon keine Container mit Lebensmittel mehr akzeptiert, da die gekühlt werden müssen, damit die Fracht frisch bleibt, aktuell aber länger nicht weitertransportiert werden können.

Aufgrund der stark eingeschränkten Schifffahrt fordern derzeit fast alle Containerreedereien derzeit kräftige Aufschläge. Für Kühlcontainer werden etwa bis zu 500 Dollar pro Container zusätzlich verlangt. Als Gründe werden die höheren operativen Kosten und der größere Aufwand, Transporte von und nach China zu organisieren, angeführt.

Die höheren Transportkosten und das knappere Angebot wegen der geringerne Kapazitäten werden sich letztlich auf die Konsumenten durchschlagen. Die Pharmabranche, die Elektro-, Auto- und Luftfahrtindustrie dürften zu den am stärksten betroffenen Segmenten gehören.


Chinas Problemzonen

Der Logistikkonzern DB Schenker, der in China rund 30 Niederlassungen unterhält, hat auf seiner Homepage den aktuellen Status der Transportkapazitäten Chinas zu Wasser, zu Land und Luft in der Logistikbranche in China aufgelistet.

  • In Peking schlagen die vielen gestrichenen Flüge auf das Frachtaufkommen durch. Nur noch 30 Prozent der sonst üblichen Kapazitäten stehen zur Verfügung. Dafür ist die Containerschifffahrt in dieser Region weniger kritisch. Die Kapazität liegt aktuell bei rund 70 Prozent.
  • Wuhan und Chongquing. In der großen Wirtschaftsregion um Wuhan, Chengdu und Chongqing, neben Wuhan die Wirtschaftszentren im Osten Chinas, werden derzeit nur 40 Prozent der sonst auf dem Luftweg transportieren Waren, geliefert. Wie wichtig die Region für Europa und die USA ist, lässt sich etwa daran ablesen, dass über 200 der Forbes-500-Unternehmen in Chengdu vertreten sind. Dort sitzen Konzerne der Branchen Maschinenbau, Chemie, Nahrungsmittel, Flugzeugbau und Pharma. Eine große Rolle spielt auch die Elektronikindustrie. So werden die Hälfte aller Apple iPads in Chengdu hergestellt.
  • Shanghai und Guangshou. Merklich ins Stocken geraten ist der Warenaustausch in der Region um die beiden großen Hafenstädte. Dort legen derzeit nur halb so viele Containerschiffe ab wie zu Normalzeiten.
  • Hongkong und Taiwan. Hier funktioniert das Transportwesen am besten und liegt nahezu auf Normalniveau.
Michael Ludwig

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