Förderungen - Investitionen in Wirtschaft und Gesellschaft

Förderungen - Investitionen in Wirtschaft und Gesellschaft

Mit Industrie 4.0 kommt die Digitalisierung in die Industrie. Es besteht enormer Förderbedarf.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz will jährlich fünf Milliarden Euro an Förderungen einsparen. Doch gerade Bundesförderungen, unter anderem seitens des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), machen Österreich fit für die Zukunft.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz will jährlich fünf Milliarden Euro an Förderungen einsparen und mit den freiwerdenden Mitteln eine Steuerreform finanzieren. Obwohl es bei den vielen Förderungen in Österreich sicher Potenzial gibt, ist das potenzielle Einsparvolumen allerdings wesentlich geringer, wie eine einfache Rechnung belegt.

In werden Österreich jährlich rund 19 Milliarden Euro an Förderungen ausgeschüttet. Darin sind jedoch zum Beispiel auch Bankenhilfen eingerechnet. Die Unterstützungszahlungen für Unternehmen und Vereine belaufen sich auf rund zwölf Milliarden Euro jährlich. Davon steuerte der Bund im Jahr 2015 4,9 Milliarden bei, die restlichen 7,1 Milliarden kamen von den Ländern und Gemeinden.

Um sein Sparziel zu erreichen müsste Kurz daher die Bundesförderungen zur Gänze einsparen, was schlichtweg unmöglich ist. Nicht nur, weil zu den 4,9 Milliarden Euro auch Ausgaben für Parteienförderung, Entwicklungshilfe und Organisationen wie die UN gehören: Förderungen, etwa die im Bereich Forschung und Entwicklung geleisteten, sind für den Wirtschaftsstandort Österreich und seine im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen überlebenswichtig.

Förderung als Standortfaktor

Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) hat etwa mit einer Reihe von Förderprogrammen die wichtigsten Forschungsgebiete ins Visier genommen. Damit werden die Forschungsaktivitäten von Unternehmen, Universitäten und anderen Einrichtungen unterstützt und Schlüsseltechnologien vorangetrieben.

Nach jahrelangen Bemühungen hat es Österreich geschafft, seine F&E-Quote auf über drei Prozent des BIP zu steigern. Für das Jahr 2017 werden Ausgaben für Forschung und Entwicklung von insgesamt 11,3 Milliarden Euro erwartet, ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht einer Quote von 3,14 Prozent des BIP. Innerhalb der EU weist nur Schweden mit 3,26 Prozent einen noch höheren Forschungsanteil auf. Die durchschnittliche Quote in der EU-28 liegt bei 2,03 Prozent. Gezielte Fördermaßnahmen wirken dabei wie ein Innovationsmultiplikator, mit dem sich Technologieentwicklungen tatsächlich auf die Sprünge helfen lassen.

Zukunft mit Digitalisierung

Einer der wichtigsten Förderbereiche ist die Digitalisierung der Industrie - Stichwort Industrie 4.0. In diesem Umfeld laufen alleine vier Förderprogramme des BMVIT. Access, Backhaul, das Leerverrohrungsprogramm und AT:net Phase 4 - sollen die digitale Infrastruktur vor allem in ländlichen Regionen stärken. Dadurch soll das Hochleistungsbreitbandnetz auch in jene Regionen vordringen, wo es für Privatunternehmen noch unwirtschaftlich wäre, diese Investitionen selbst zu tätigen.

Nutznießer dieser Infrastrukturoffensive sind sowohl Privatpersonen, die sich über schnellere Internetverbindungen freuen können, als auch ganze Regionen, die dadurch für Hochtechnologiebetriebe als Standort erst interessant werden.

System auf dem Prüfstand

In einem Arbeitskreis am Forum Alpbach werden die Forschungs- und Innovationsförderung in Österreich und das Forschungsförderungssystem auf den Prüfstand gestellt. Die institutionelle Evaluierung der Forschungsförderungsinstitutionen von Austria Wirtschaftsservice (AWS) und Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) behandelt sowohl Organisationsfragen wie auch die systemische Einbettung der Agenturen im Zusammenhang mit Eigentümerschaft, Beauftragungen und eigenständigen Wirkungsbereichen. Der Arbeitskreis soll grundlegend betrachten, ob sich das österreichische multidimensionale und interdependente Modell bewährt hat, und ob es auch den Anforderungen der Zukunft gewachsen ist.

In einem sind sich Wirtschaft, Wissenschaft und das Ministerium schon einig: Der Wettbewerb der Ideen und der Diskurs darüber sind für Innovationen und positive soziale Entwicklungen gleichermaßen essenziell. Erst weitreichende Kooperationen zwischen Forschern, Unternehmen und schlussendlich auch Bürgern vermögen es, die großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen anzugehen. So konträr viele Interessen von Wissenschaft, Wirtschaft und Privatperson im Alltag auch erscheinen mögen - Kooperation dürfte jedenfalls einer der wichtigsten Faktoren für die Entwicklung



Mit Förderungen fit für die Zukunft

Drei Beispiele, wie Österreichs wirtschaftliche Zukunft mit Hilfe von Förderungen abgesichert wird.

I. Digitale Industrie

Österreichs Unternehmen und deren Mitarbeiter fit für die vierte industrielle Revolution zu machen, hat hohe Priorität. Um Technologien rund um digitalisierten Fertigungstechniken in der Praxis zu testen, wurden bereits drei geförderte Pilotfabriken errichtet.

Gefördert werden jedoch auch die Mitarbeiter. Eine Qualifizierungsoffensive soll vor allem Klein-und Mittelbetrieben helfen, Arbeitnehmer auf eine digitalisierte Industriebranche gut vorzubereiten. Passende Lernmodule werden gemeinsam mit Unternehmensverbünden und Bildungseinrichtungen erarbeitet.

Herzstück der Initiative "Fit 4 4" ist die Fortbildung des Personals direkt vor Ort im Betrieb. Dabei kommen auch Datenbrille und Datenhandschuh. Mit Fit 4 4 kommen zur bisherigen Industrie-4.0-Fortbildungs-Förderung (16 Millionen Euro) noch weitere fünf Millionen Euro hinzu. Zusätzlich will das BMVIT verstärkt auch Mädchen so früh wie möglich für Technik und technische Berufe begeistern -am besten schon im Kindergarten und der Vorschule. Das Ziel ist, den Frauenanteil in Technikberufen dramatisch zu erhöhen.

II. Selbstfahrende Autos

Der Forschungsbedarf im Bereich autonomer Fahrzeuge ist enorm, und damit auch das Potenzial österreichischer Unternehmen, sich in diesem Sektor als Innovationsführer zu etablieren. Das Infrastrukturministerium hat daher unter anderem die Errichtung von Teststrecken, Simulatoren und Analysewerkzeugen für selbstfahrende Autos mit insgesamt 5,6 Millionen Euro gefördert. Unter dem Titel ALP.lab entsteht so derzeit in der Steiermark die vielfältigste Testumgebung für autonome Fahrzeuge in ganz Europa.

Im Rahmen von ALP.lab werden zwei Forschungsprojekte direkt vom Infrastrukturministerium gefördert. Das Forschungsprojekt "Dynamic Ground Truth" , an dem Ingenieure und Wissenschaftler von AVL List, Joanneum Research, Virtual Vehicle, TU Graz, TTTech und Vexcel arbeiten, soll ein hochpräzises Messsystem zur zuverlässigen Erkennung der Umwelt ermöglichen. Solche Systeme sind die "Augen" jedes autonomen Fahrzeugs. Ähnlich verhält es sich beim ebenfalls geförderten Projekt LiDcAR, an dem sich Infineon, Virtual Vehicle und die TU Wien beteiligen. Hier sollen Sensoren zur Abstands- und Geschwindigkeitsmessung entwickelt werden.

In Wien unterstützt das BMVIT zudem das Projekt auto.Bus - Seestadt. Dabei sollen die ersten Tests selbstfahrender Busse im Wiener Stadtentwicklungsgebiet Aspern absolviert werden, die zeigen sollen, in wie weit sich mit solchen Mobilitätslösungen der Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel verbessern lässt.

III. Silicon Austria

Österreich ist bei der Mikroelektronik alles andere als klein. Mit der Initiative "Silicon Austria" soll dieses Zugpferd der österreichischen Wirtschaft nun zusätzlich gestärkt werden. Die Projekte sollen zu gleichen Teilen durch Investitionen der Wirtschaft und durch Förderungen aus der öffentlichen Hand finanziert werden. Die Dotierung hängt dabei vor allem vom jeweiligen Potenzial ab. Eine Auswahl findet bereits statt und soll in den nächsten Monaten abgeschlossen werden.

Insgesamt stellen Infrastrukturministerium, die Bundesländer Steiermark, Kärnten und Oberösterreich sowie die österreichische Industrie für das Forschungszentrum 280 Millionen Euro zur Verfügung. Der Bund steuert 70 Millionen Euro bei, die Länder gemeinsam nochmal die gleiche Summe. Die Industrie wird diesen Betrag mit 140 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren verdoppeln.

Zusätzlich werden im Programm "IKT der Zukunft" Forschungsinfrastruktur, industrielle Testlabore in Wien, Linz und Graz, offene Werkstätten an Universitäten und Schulen und Elektronik-Leitprojekte finanziert.

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