OPEC reduziert Ölförderung - Treibstoff bald teurer?

OPEC reduziert Ölförderung - Treibstoff bald teurer?

Die OPEC hat sich nach langem Zögern zu einer Drosselung der Öl-Fördermengen entschlossen. Das gibt dem Ölpreis, aber auch den Aktien von Öl-Unternehmen einen kräftigen Schub. Für Autofahrer bedeutet das, dass Tanken bald teurer werden könnte. Auch der Heizölpreis könnte demnächst anziehen.

Der Ölpreisverfall hat die Öl exportierenden Länder (OPEC) nun doch noch zum Einlenken auf einen Konsens gebracht, um nach acht Jahren erstmals wieder die Fördermengen zu fixieren. Die OPEC-Staaten einigten sich auf eine Drosselung der Förderquote. Der Ölpreis hat unmittelbar nach Bekanntwerden der Einigung begonnen anzuziehen.

In Algier hatten sich am Mittwochabend die OPEC-Staaten geeinigt, die tägliche Förderquote auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel (je 159 Liter) zu senken, was einer Reduktion von rund 750.000 Barrel gegenüber der Fördermenge im Monat August entspricht. Dies ist der vorläufige Kompromiss des als "informelles Treffen" bezeichneten Meetings der Ölminister der OPEC-Staaten, die von Montag bis Mittwoch in Algier getagt haben. Im November wollen die Mitglieder des Ölpreiskartells die Fördermengen weiter konkretisieren.

Unmittelbar nach der Ankündigung der OPEC-Staaten kam Bewegung in den Ölpreis. Der US-Rohölpreis schoss am Mittwochabend um rund sechs Prozent in die Höhe, der Preis für die Nordseesorte Brent notierte am Mittwochabend zeitweise um fünf Prozent im Plus. Und auch mit dem heutigen Handelstag konnte die Aufwärtstendenz anhalten. Brent notiert mit rund zwei Prozent höher, WTI konnte ein Plus von 2,22 Prozent erzielen - bis kurz nach Mittag. Danach zogen die Preise wieder an: Gegen 19 Uhr notierte Brent mit rund vier Prozent plus bei 49,49 Dollar, WTI notierte mit 4,3 Prozent höher bei 47,97 Dollar.

Reaktionen an den Börsen

Die Neufestsetzung der Fördermengen bringen aber auch den Börsen neuen Schwung. Vor allem sind die Börsenkurse von Ölunternehmen gestiegen. Die Aktien von europäischen Ölunternehmen verzeichneten am Donnerstag im Frühhandel mit sehr starken Kursgewinne. So notierte die OMV um 3,7 Prozent höher. In London ging es für die BP-Aktie um 4,4 Prozent rasant aufwärts und Royal Dutch Shell (B-Aktien) steigerten sich um satte 5,8 Prozent.

Im Vorjahr wurde immer wieder von einer Reduktion des Produktionsvolumens gesprochen. Vor allem Saudi-Arabien stemmte sich gegen die Begrenzung der Fördermengen, was zu einem freien Fall des Ölpreises bis Anfang des Jahres auf unter 28 Dollar geführt hatte.

Treibstoff und Heizöl bald teurer

Die Einigung der OPEC-Staaten könnte sich bald auch auf die Preise für Heizöl, Benzin und Diesel niederschlagen. An den Tankstellen werden Diesel und Normalbenzin aktuell um rund einen Euro pro Liter verkauft. Heizöl kostet rund 61 Cent pro Liter. Wenn der Ölpreis anzieht, dann müssen die Konsumenten wieder tiefer in die Taschen greifen. Wer seine Heizöltanks noch nicht aufgefüllt hat sollte das daher am besten jetzt tun, um für Heizsaison noch günstig vorgesorgt zu haben.

Experten sind sich noch nicht einig, wann und in welchem Ausmaß die Treibstoffpreise auf die Senkung der Förderquoten reagieren werden. Ein weiteres wichtiges Datum ist der 30. November 2016. Dann treffen die OPEC-Mitglieder wieder in ihrem, Wiener Hauptquartier zusammen, wobei weitere Maßnahmen beschlossen werden könnten. Bis dahin wird sich auch weisen, ob und in welchem Umfang sich Saudi Arabien an die Reduktion der Ölförderung hält. Die Saudis sind in der OPEC die bestimmende Kraft und hatten sich bis zuletzt gegen Drosselungen quergelegt.

Recht unterschiedlich sind die aktuellen Expertenschätzungen. Ihnen zufolge könnte der Rohölpreis bis zum Jahreswechsel bei 55 bis 80 Dollar liegen, was ein Plus von 17 bis 70 Prozent gegenüber dem aktuellen Rohölpreis bedeuten würde.

Brigitte Ederer

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