Flughafen Wien legt Planungen für dritte Piste aufs Eis

Der Flughafen Wien hat nach dem massiven Passagiereinbruch 2020 die Pläne für die dritte Piste fürs Erste auf Eis gelegt. Es würden keine Maßnahmen für die Realisierung getätigt, sagte Flughafen-Vorstand Günther Ofner.

Flughafen Wien legt Planungen für dritte Piste aufs Eis

Aufgeschoben: Die 3. Piste am Flughafen Wien wird vorläufig nicht gebaut.

Flughafen-Vorstand Günther Ofner hat nach dem massiven Passagiereinbruch 2020 bekanntgegeben, dass die dritte Piste vorläufig nicht gebaut wird. Derzeit würden keine Maßnahmen für die Realisierung getätigt. "Das Projekt ist nicht abgesagt", sagt Ofner. Es könnte aber sein, dass sich das "einige Jahre nach hinten schiebt". Auch andere Investitionen wurden zurückgereiht. Vor der Coronapandemie war geplant, im Jahr 2024 oder 2025 mit den Arbeiten für die dritte Piste zu beginnen.

Der Flughafen hofft auf einen Aufschwung ab Mitte des Jahres. "Während sich aus heutiger Sicht die ersten drei bis sechs Monate noch schwach entwickeln werden, ist ab Sommer und im zweiten Halbjahr ein deutlicher Anstieg bei den Passagieren zu erwarten", teilte das Unternehmen mit. Nach 7,8 Millionen Passagieren 2020 wird heuer mit 12,5 Millionen Fluggästen und einem kleinen Gewinn gerechnet.

Nur 5.000 Reisende täglich

Der Einschnitt im Zuge der Coronapandemie war gewaltig. Der Wiener Airport hat 2020 um 75 Prozent weniger Fluggäste abgefertigt als noch im Jahr 2019. Die stärksten Passagierrückgänge verzeichnete der Flughafen mit über 99 Prozent weniger Reisenden im April und Mai 2020, aber auch in den Monaten Juni, November und Dezember betrug das Minus über 90 Prozent. Am schwächsten Tag des Jahres, dem Ostermontag am 13.4.2020, frequentierten gerade mal 154 Reisende das Terminalgebäude. Aktuell seien es rund 5.000 Passagiere täglich. Im Frachtgeschäft war der Rückgang weniger dramatisch.

Die Coronakrise habe die Passagierzahlen "in das Jahr 1994 zurückkatapultiert", sagte Ofners Vorstandskollege Julian Jäger in der Online-Pressekonferenz. "Rückblickend sind unsere schlimmsten Befürchtungen um ein Vielfaches übertroffen worden." Bis der Airport der Bundeshauptstadt die Krise verdaut hat, wird es noch Jahre dauern.

Für 2021 geht der Vorstand bei den Passagieren von 40 Prozent des Vorkrisenniveaus aus, für das zweite Halbjahr sogar von 50 Prozent. 2022 sollten es 70 Prozent und 2023 80 Prozent sein. 2019 hatte der Flughafen noch einen Passagierrekord mit 31,7 Millionen Reisenden geschrieben.

Zu einem kräftigen Rückgang kam es auch bei den Airlines, die Wien anfliegen. Die Zahl der Airlines hat sich im Coronajahr 2020 annähernd halbiert, von 75 auf nur mehr 38. Statt 200 Destinationen werden derzeit nur rund 100 Ziele von Wien aus angeflogen.

Der erste Verlust in der Geschichte

Die Flughafen Wien AG hat 2020 erstmals in ihrer Geschichte einen Verlust geschrieben - erwartet werden rund 70 Millionen Euro, die Ergebnisse sollen am 4. März veröffentlicht werden. Im Geschäftsjahr 2021 will der Vorstand aber bereits wieder schwarze Zahlen schreiben.

Aus heutiger Sicht werde heuer ein Umsatz von 430 Millionen Euro, ein Betriebsergebnis (EBITDA) von 150 Millionen Euro und ein Nettogewinn von 4 Millionen Euro erwartet. Die Nettoverschuldung werde auf rund 100 Millionen Euro sinken und die Investitionen bei rund 62 Millionen Euro liegen. Die Liquidität sei für alle vorhersehbaren Krisenszenarien gesichert, hieß es in der Pressemitteilung.

Der Impfnachweis als Pflicht

Die Prognosen zu den betriebswirtschaftlichen Kennziffern macht der Flughafen-Vorstand von den Impfungen abhängig. "Das steigende Vertrauen der Bevölkerung in die Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit der Impfung sollte trotz der aktuell schwierigen Phase in der Folge dazu führen, dass wieder mehr Menschen für Sommer und Herbst Urlaubsflüge buchen", so Ofner. "Für das Gesamtjahr rechnen wir mit rund 12,5 Millionen Passagieren am Standort Wien, mehr als 70 Prozent davon erwarten wir in der zweiten Jahreshälfte", ergänzte Jäger.

Die beiden Vorstände setzen dabei auch auf einen digitalen Impfpass der EU als international gültiges Reisedokument. Als kritische Infrastruktur sollten die Flughafen-Mitarbeiter übrigens spätestens im März geimpft werden.

Für Flughafen-Vorstand Jäger ist klar, dass künftig viele Länder bei der Einreise einen Corona-Impfnachweis verlangen werden. Er sieht darin eigentlich nichts Neues, gibt es bereits in bestimmten Ländern Impflicht gegen andere Infektionen. Beispielhaft nennt Jäger etwas als bekannteste vorgeschriebene Impfung die Gelbfieberimpfung. Ohne sie ist eine Einreise in einigen Ländern nicht möglich.

Weiter auf Kurzarbeit

Das Vorstandsduo drängt auf eine Verlängerung der Corona-Kurzarbeit. Dies sei die Voraussetzung, um Kündigungen am Flughafen zu vermeiden. Alle rund 5.300 Mitarbeiter des Unternehmens sind seit März 2020 in Kurzarbeit. Eine Dividende wird es wegen der Coronahilfen 2021 nicht geben. Ofner erwartet - abseits der Kurzarbeit - rund 20 Millionen Euro an Hilfen vom Staat zu erhalten.

Der Börsenkurs der Flughafen Wien-Aktie [ISIN AT00000VIE62] notierte am Donnerstag bei 29,15 Euro um 0,17 Prozent schwächer als zum Vortagesschluss.

Zu Jahresbeginn 2020 notierte die Aktie noch bei 38,10 Euro. Zur Bekanntgabe des ersten Lockdowns im März sackte der Kurs auf 17 Euro ab. Im Verlauf des Sommers hatte sich der Kurs wieder etwas erholt und notierte im Juni bei 30 Euro. Ende Oktober 2020 kam es erneut zu einem kräftigen Rücksetzer auf 20 Euro.

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