Arbeitskampf bei Ryanair: Flugbegleiter streiken, Airline droht

Arbeitskampf bei Ryanair: Flugbegleiter streiken, Airline droht

Die Flugbegleiter an den Ryanair-Basen in Spanien, Portugal und Belgien streiken. Vorerst fallen dadurch 300 Flüge aus. Ryanair kontert mit der Drohung, Stellen zu streichen und die Flotte zu reduzieren.

Wegen eines Flugbegleiterstreiks in mehreren Ländern musste die Diskont-Airline Ryanair europaweit 300 Flüge absagen. Gestreikt wird bis einschließlich Donnerstag an den Ryanair-Basen in Spanien, Portugal und Belgien. Die Fluglinie kontert den Streikenden umgehend mit deutliche Stellenstreichungen. 300 Piloten und Flugbegleiter wurden vor einem Jobabbau gewarnt. Die Posten von mehr als 100 Piloten und 200 Flugbegleitern seien in Gefahr, teilte die Fluggesellschaft mit.

Die Streiks sind die umfangreichsten Arbeitsniederlegungen in der Geschichte von Ryanair - und es dürfte mehr werden, da Konzernchef Michael O'Leary wenig Entgegenkommen signalisiert. "Denn wir sind nicht bereit, unangemessenen Forderungen nachzugeben, die entweder unsere niedrigen Tarife oder unser hocheffizientes Modell gefährden werden." Notfalls müsse man die Winterflugpläne unter die Lupe nehmen und Kapazitäten abziehen, was auf den Abbau von Jobs hinauslaufen könnte, hatte er in den vergangenen Tagen erklärt

Die Gewerkschaften wollen durchsetzen, dass das Kabinenpersonal in der jeweiligen Länder nach dort geltendem Arbeitsrecht angestellt wird, nicht nach dem Recht Irlands, wo Ryanair seinen Hauptsitz hat. Zudem sollen fest angestellte Mitarbeiter und Leiharbeiter gleich entlohnt werden. Ryanair sieht sich seit längerem Vorwürfen ausgesetzt, seine Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigfluggesellschaften. Das Unternehmen bestreitet das.

Mangelhaftes Streik-Management

Ryanair hat sich in der vergangenen Woche geweigert, eine komplette Liste der wegen des Streiks gestrichenen Flüge herauszugeben. Die betroffenen Kunden würden informiert, alle anderen könnten davon ausgehen, dass ihre Flüge stattfinden, hieß es. 50.000 Kunden seien umgebucht oder vollständig entschädigt worden, erklärte Ryanair per Twitter. Ryanair hat für beide Tage in seinem Europa-Netz jeweils 300 Flüge abgesagt, rund 12 Prozent des täglichen Angebots. Man erwarte für Mittwoch keine weiteren Streichungen.

In Richtung der Belegschaft drohte Ryanair weiter, dass man nach den zahlreichen Flugausfällen weniger Buchungen habe und daher für die Wintersaison die in Dublin ansässige Flugzeugflotte um 20 Prozent reduzieren werde. Der Bestand in der irischen Hauptstadt soll von 30 auf etwa 24 Maschinen verringert werden. Die jüngsten Streiks irischer Piloten hätten sich negativ auf die Buchungen ausgewirkt. "Wenn unser Ruf in Bezug auf Verlässlichkeit oder Termine beeinträchtigt wird, dann sind grundlegende und potenzielle Stellenkürzungen wie diese in Dublin eine zutiefst bedauerliche Konsequenz", sagte Ryanair-Manager Peter Bellew.

Es werde nun Verhandlungen mit 100 in Dublin ansässigen Piloten und 200 Flugbegleitern geben. Um möglichst viele Kündigungen zu verhindern, würden Jobs in Polen angeboten. Im Wachstumsmarkt Polen will Ryanair die Flotte auf mehr als zehn Maschinen verdoppeln.

Keine Auswirkungen auf Laudamotion

In Deutschland sind am Flughafen Köln/Bonn für Mittwoch und Donnerstag je acht Starts und Landungen gestrichen. In Berlin-Schönefeld wurden für die beiden Tage zusammen sieben Verbindungen abgesagt, weitere könnten noch folgen. An anderen deutschen Flughäfen wie Memmingen, Nürnberg, Hamburg, Bremen Dortmund oder Weeze hat Ryanair einzelne Flüge gestrichen. Immer sollte es zu Zielen in Spanien oder Portugal gehen. Keine Flugabsagen gab es bis Dienstagabend in München, Stuttgart und Frankfurt am Main.

Laudamotion bekräftigte, dass "die Streiks keine Auswirkung auf unsere Laudamotion Flüge haben."

Die deutschen Gewerkschaften für Piloten und Flugbegleiter haben bis jetzt keinen Arbeitskampf bei Ryanair ausgerufen. Bei der Vereinigung Cockpit läuft aber eine Urabstimmung bis Ende Juli. Die Gewerkschaften stimmen sich auf europäischer Ebene ab und setzen sich für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne bei Europas größtem Billigflieger ein. Streiks gab es bereits in Portugal und Irland.

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