Finnland ist kein Musterschüler mehr

Finnland ist kein Musterschüler mehr

Wenn Ratingagenturen Länder bewerten, dann hat dies Auswirkungen auf die Zinsen der Staatsanleihen. Finnland, das unter anderem am Scheitern des einstigen Handy-Riesen Nokia zu knabbern hat, muss nun einen Rückschlag hinnehmen.

Immer weniger Länder der Euro-Zone können noch Spitzenratings aufweisen. Die Ratingagentur Standard & Poor's entzog Finnland am Freitag die höchste Bonitätsnote AAA. Nun gibt es noch zwei Länder, die bei allen drei großen Agenturen so bewertet werden: Deutschland und Luxemburg - Österreich hat bei S&P lediglich ein AA+. S&P sieht auch Frankreich kritischer und droht mit einer Herabstufung. Zwar bewertet die Agentur die Kreditwürdigkeit des Landes mit der zweitgrößten Volkswirtschaft des Euro-Raums nach Deutschland weiter mit AA. Doch der Ausblick sank auf negativ, womit eine Herabstufung wahrscheinlicher wird.

Der Ausblick für Finnlands neue Note von AA+ ist stabil. Dem Land könnten die wirtschaftliche Schwäche in Russland, besonders aber etwaige Probleme in der Euro-Zone zusetzen, hieß es zur Begründung. Die schwindende Nachfrage aus dem Ausland verschärfe dabei die strukturellen Probleme des Landes, erklärte S&P.

Seit der Finanzkrise von 2008 kämpft Finnland darum, zu früheren Wachstumsraten zurückzukehren. Das Aushängeschild des Landes, der Handypionier Nokia, schaffte es allerdings nicht mit der Konkurrenz von Apple und Google Schritt zu halten und verkaufte schließlich im April das Mobiltelefongeschäft an Microsoft. Zudem ist wegen der Digitalisierung der Papierbedarf in Europa gesunken, was wiederum bei Firmen wie UPM-Kymmene und Stora Enso deutliche Spuren hinterlässt.

Schlechteres Rating - höhere Zinsen auf Anleihen

Der Verlust des Spitzenratings macht sich unter Umständen am Kapitalmarkt bemerkbar. Je niedriger die Kreditwürdigkeit eines Staates eingestuft wird, desto höhere Zinsen muss die Regierung tendenziell bei der Ausgabe neuer Anleihen zahlen. Erfahrungen in anderen Ländern zeigen aber, dass dies für Länder mit vergleichsweise guten Noten nicht zwingend der Fall sein muss. Die beiden anderen großen Agenturen Moody's und Fitch bewerten Finnland nach wie vor mit der Bestnote. Analyst Aki Kangasharju vom Geldhaus Nordea Markets rechnet zwar mit Reaktionen am Markt am Montag. "Die Herabstufung kam früher als erwartet." Die zusätzlichen Belastungen für Finnland sieht er aber nur bei 20 bis 30 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Schulden des Landes belaufen sich auf 100 Milliarden Euro. An der Haushaltspolitik werde sich nichts ändern, erklärte Finanzminister Antti Rinne. "Unsere Wachstumsaussichten haben sich verschlechtert, die Gründe sind bekannt, und wir haben bereits Maßnahmen ergriffen."

Frankreich ist schon länger nicht mehr im Club der Musterländer. S&P droht nun mit einer weiteren Herabstufung. Die Haushaltslage der Regierung in Paris sei angesichts der Wirtschaftsaussichten zunehmend schlechter, erklärte die Ratingagentur. Eine kräftige Erholung der französischen Konjunktur könnte ausbleiben. Die finanzielle Lage des Staates könnte sich deswegen nach 2014 weiter verschlechtern.

Im September hatte Frankreich erklärt, beim Defizit die von der EU gesetzte Frist nicht einhalten und es erst 2017 unter die Schwelle von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken zu können. Im vergangenen Jahr hatten die EU-Finanzminister der Regierung in Paris einen Aufschub bis 2015 gewährt.

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